WÜRZBURG

Mauerfall und Flüchtlingsstrom

Es war kein einfaches Thema, mit dem Studentenpfarrer Matthäus Wassermann von der Evangelischen Studentengemeinde und Tobias Pohl vom Verein „Aufarbeitung der Geschichte der DDR“ vor die Oberstufenschüler von Dag-Hammarskjöld- und Matthias-Grünewald-Gymnasium am 26. Jahrestag des Mauerfalls traten. Als Schirmherrn der Veranstaltung hatten sie zwei Landtagsabgeordnete gewonnen, Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) und Würzburgs früheren OB, Georg Rosenthal (SPD).

„Kann Erinnerung einheitsstiftend sein?“ lautete die Frage, bei der Barbara Stamm eine Brücke schlug zwischen den Szenen, die sie selbst 1989 in Passau erlebt hatte, als die Züge mit den Botschaftsflüchtlingen aus Budapest ankamen und dem aktuellen Flüchtlingsstrom, der vor allem Bayern trifft. Stamm meinte, dass die neuen Herausforderungen neue Anstrengungen erforderlich machen. Sie stellte die Frage „Wie wir es schaffen?“ und mahnte Vorbilder an, denn die Verantwortung für Deutschland und Europa mache nicht nur die Rückbesinnung auf Tugenden nötig.

Georg Rosenthal stellte den 9. November 1989 (Mauerfall) in die Reihe mit dem 9. November 1918 (Gründung der Republik), 9. November 1934 (Hitler-Putsch), 9. November 1938 (Reichspogrom-Nacht) und unterstrich, dass jeder Mensch sich anders erinnere, man sich aber besser gemeinsam erinnere. Der „Tag der Freude und Erlösung“ am 9. November 1989 (so Rosenthal) war das Ergebnis nicht ganz ungefährlicher Montagsdemonstrationen, die Wiedervereinigung nannte er einen „politischen Kraftakt“. Aber der Fall der Mauer und das Ende der DDR zeigt nach Rosenthal auch etwas Anderes: „Keine Zäune, keine Mauern halten Menschen auf.“ (Rosenthal).

Für die Annäherung an die Deutsche Einheit hatten die Veranstalter mit Professor Martin Sabrow, Historiker an der Humboldt-Universität Berlin, mitgebracht, der Zeitgeschichte lehrt und 1989 in Berlin erlebt hat. Sabrow sieht keinen Mythos Einheit in Deutschland, die Bundesrepublik ist für ihn eher eine „mythenfreie Zone“ und die „Revolution hat keine Helden hervorgebracht, obwohl Menschen wie Kurt Masur, Pfarrer Christian Führer in Leipzig und Harald Jäger an der Bornholmer Straße in Berlin wichtige Rollen im Geschehen gespielt haben.

In der Podiumsdiskussion saßen neben dem Historiker Martin Sabrow die Didaktikerin Charlotte Bühl-Gramer (Erlangen), der Politiker Georg Rosenthal und Tobias Pohl als Moderator auf der Bühne. Mit Blick auf die Schüler der Oberstufe diskutierte man das Thema: „Lernen aus der Geschichte ist Mythos.“

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Barbara Stamm
  • CSU
  • Flüchtlingsströme
  • Georg Rosenthal
  • Humboldt-Universität
  • Kurt Masur
  • Mauerfall
  • Rosenthal
  • SPD
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!