Böttigheim

Mehlbeere: Wie eine fränkische Pflanze der Trockenheit trotzt

Das hat Niels Kölbl vom LPV auch noch nicht erlebt: eine Blüte der Mehlbeere mitten im Herbst. Foto: Wilma Wolf

Sie ist eine absolute Trockenkünstlerin und liebt Franken, vor allem den Muschelkalk: die fränkische Mehlbeere. Doch sie ist vielerorts selten und kaum einer kennt sie. Grund genug für den Landschaftspflegeverband (LPV) Würzburg, sich in besonderer Weise um sie zu kümmern.

Wie das genau aussieht, erklärt Niels Kölbl vom LPV am Elzberg in Böttigheim (Landkreis Würzburg). An den Trockenhängen mitten im Naturschutzgebiet fühlt sich der Baum besonders wohl. Trockenheit, aber auch feuchte Wetterbedingungen, überlebt er unbeschadet. "Unsere Mehlbeeren zeigten im Dürresommer 2018, dass sie mit extremen Wetterverhältnissen sehr gut umgehen können", sagt Kölbl.

Mehlbeeren kommen mit Klimawandel gut klar

Man habe beobachtet, dass die Mehlbeeren auf extrem trockenen Standorten frühzeitig die Blätter abwarfen – ohne Folgeschäden für den Austrieb und das Wachstum im Jahr 2019. Damit sei die Mehlbeere für den Klimawandel sehr gut geeignet - wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Denn die Mehlbeere braucht optimale Lichtverhältnisse, die sich in einem schmalen Fenster zwischen Licht und Schatten bewegen.

Karger Rest: die Früchte der Mehlbeere nach einem trockenen Sommer. Foto: Wilma Wolf

"Extreme Beschattung wird nicht toleriert", erläutert Kölbl. Aber auch die pralle Sonne nicht. Deshalb brauchen vor allem Jungbäume den Schutz von Schirmbäumen, oft sieht man sie in Kombination mit Eichen oder Schwarzkiefern. Im Wald seien die Lichtverhältnisse häufig sehr schlecht, darum werden die Mehlbeeren mehr und mehr an den Waldrand gedrängt. Doch auch hier tun sie sich schwer, wenn sie von anderen Arten überwuchert werden.

Deshalb heißt das Motto für den LPV: Erkennen und erhalten durch kompetente Pflege, angepasst an die spezifischen Klima- und Bodenverhältnisse. Denn so bedauert Kölbl: "Mehlbeeren und andere lichtbedürftige Sträucher und Bäume werden durch den stetigen und unsachgemäß durchgeführten Waldrandrückschnitt extrem gefährdet."

Pflege kommt nicht nur Mehlbeere zugute

Auch der Waldrand am Elzberg sei schon viel zu dicht, meint Kölbl. Deshalb sind dort gerade Mitarbeiter des LPV damit beschäftigt, den Mehlbeeren den nötigen Freiraum für das optimale Wachstum zu geben. Dabei muss schon mal zu dichter Wacholder oder auch eine Eiche weichen, wenn sie der Mehlbeere zu dicht auf die Pelle rücken.

Auch Landrat Eberhard Nuß (rechts) machte sich am Elzberg in Böttigheim ein Bild vom Zustand der fränkischen Mehlbeere. Mit dabei waren auch Peter Klingler, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Neubrunn, Niels Kölbl vom LPV, Achim Rieck, Bürgermeister Heiko Mennig und Madeleine Königer vom LPV (von links). Foto: Wilma Wolf

Diese spezielle Pflege kommt aber nicht nur der Mehlbeere zugute, sondern auch anderen pflanzlichen und tierischen Waldraumarten. So können Fledermäuse hier bestens jagen, denn am Waldrand gibt es gegen Abend besonders viele Insekten.

Für die Pflege sollten zunächst potentielle Standorte aufgenommen und dann eine spezielle Waldrandpflege durchgeführt werden, rät der Fachmann. Gut beraten werden Forst- und Bauhofarbeiter dabei von Mitarbeitern des LPV oder vom Revierförster vor Ort. Weil es hier vieles zu beachten gilt, hat der LPV eigens einen Flyer über "Unterfränkische Mehlbeeren – Nacheiszeitliche Lebenskünstler" herausgebracht, erklärt LPV-Geschäftsführerin Madeleine Königer.

Wichtige Winternahrungsquelle für Vögel

Schon in der Eiszeit war die Mehlbeere bei uns heimisch. Und als die Elsbeere vor 12 000 Jahren vor den Eismassen auf dem Rückzug nach Norden war, kreuzte sie sich mit der Mehlbeere und es entstanden die fränkischen Mehlbeeren, sogenannte Endemiten, die es nur hier in einem kleinem, begrenzten Gebiet gibt.

In verschiedenen Ecken Frankens entwickelten sich typische Gewächse, beispielsweise die Thüngersheimer, die Leinacher, die Würzburger, die Mainfränkische, die Mädchen- und die Badische Mehlbeere. Einige davon sind äußerst selten. So gibt es von der Thüngersheimer Mehlbeere nur sechs Bäume auf einem Sporn zum Main hin.

Ganz egal welche Art, die Früchte sind rot-orange und dienen vor allem Vögeln als wichtige Winternahrungsquelle. Und zu Schnaps brennen kann man sie auch, ergänzt Kölbl.

Die Mehlbeere
Die Mehlbeeren (Sorbus) werden im Volksmund auch Vogel- oder Elsbeeren genannt. Sie gehören zur Gattung der Kernobstgewächse innerhalb der Familie der Rosengewächse.
Im Landkreis Würzburg haben Professor Lenz Meierott und der Diplom-Biologe Norbert Meyer folgende Mehlbeeren der Gruppe Sorbus latifolia bestimmt: Thüngersheimer Mehlbeere, Mädchen Mehlbeere, Würzburger Mehlbeere, Landgblättrige Mehlbeere, badische Mehlbeere, mainfränkische Mehlbeere, Leinacher Mehlbeere, pannonische Mehlbeere.
Weitere Infos telefonisch unter (0931) 80 03-5 51.

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