WÜRZBURG

Mein Dienstag: Schmackhafte Würzburger

Mein Montag: Selbstlaufende Fußgänger

Was diese Woche ansteht? Manch einer wird heute Abend wieder demonstrieren gehen, Angebote gibt's reichlich. Doch spätestens morgen ist ein Besuch im Gartencenter oder Baumarkt angesagt. Um gerüstet zu sein. Nein, nicht für die nächste Demo, sondern für die Revolution, die das Rathaus vergangene Woche ausgerufen hat.

„Urban gardening“, abgekürzt Uga, heißt der Schlachtruf, der bei manchem möglicherweise unverstanden verschallt. Ein Leser hat sich schon aufgeregt, weil heutzutage immer alles auf englisch daherkommt. Das liegt daran, dass Urban gardening mittlerweile Volkssport in amerikanischen Großstädten ist. Es bedeutet „Gärtnern in der Stadt“. Hat also mit Urbans Gardinenladen oder so was nix zu tun.

Was die Amis können, müssen auch wir hinkriegen, meint Urban Environment-Manager Mr. Smaller, also der städtische Umweltreferent Kleiner, und hat die Stadträte dafür begeistern können, dass freiwillige Stadtgärtner auf einem städtischen Grünstreifen am Nigglweg Gemüse anpflanzen dürfen. Das Uga-Konzept mit dem Besamen öffentlicher Flächen dient nicht nur der Selbstversorgung mit Kartoffeln oder Tomaten, sondern auch dem gesellschaftlichen und gemeinschaftsfördernden Engagement für mehr Grün im Stadtklima. Es ist die Rede davon, „Würzburg essbar“ zu machen. Dabei ist zu hoffen, dass einem die Stadt nicht im Magen liegen bleibt.

Uga-Aktivisten träumen jedenfalls davon, dass der „Würzburger“, ein vegetarisch belegtes Rundbrötchen mit leichtem Abgasgeschmack, der „Geknickten“ bald den Rang abläuft und seinem berühmten Großstadtkollegen, dem „Hamburger“, weltweit Konkurrenz macht.

Der drei Quadratmeter Uga-Garten am Nigglweg ist dabei nur der Anfang. Auch unnütz herumliegende Flächen wie die Liegewiese im Dallenbergbad, den WFV-Sportplatz oder den Ringpark sollen Uga-Leute aus allen Teilen der Bevölkerung beackern dürfen. Erwünschter Nebeneffekt: So lange jemand Spaten und Hacke schwingt, hält er keine unsinnigen Demo-Plakate in der Hand.

Bekanntlich will der OB dem Bürgerbegehren zum Erhalt der Mozartschule ein Ratsbegehren entgegenstellen. Jetzt ist raus, was Christian Schuchardt, der alte Krauterer, die Würzburger dabei fragen will: Soll auf dem Kardinal-Faulhaber-Platz Grünkohl oder lieber phantasieförderndes Cannabis angepflanzt werden? Die Pegida- bzw. Wügida-Leute haben sich bereits gegen den Anbau von Kichererbsen, in der arabischen Welt weitverbreitet, ausgesprochen. Mit der Agrarisierung des Faulhaber-Platzes ist auch die Zukunft der Mozartschule klar: Da kommt ein großer Gemüseladen rein.

Die Uga-Bewegung, die auch die Landesgartenschau 2018 am Hubland – Motto: Würzburg hat die größten Kartoffeln! – anpflanzt, macht das städtische Gartenamt überflüssig. Doch die Leute werden nach Kleiners Vorstellung nicht arbeitslos: Beim Projekt Urban birding sollen sie sich um das Einfangen der Stadttauben kümmern.

Alles schön und grün. Nur leider stimmt das meiste in diesem Artikel nicht. Aber wenigstens einmal möchte man ja „Lügenpresse“ sein.

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