Mein Montag: Nicht jeder Gast passt

Mal ungeachtet des Kalauers „Wer nix wird, wird Wirt“, möchte ich kein Gastronom sein. Ständig Gäste, die bedient werden wollen und wenn's dumm läuft, auch noch rummeckern. So soll es jüngst in touristenreichen Lokalitäten Beschwerden über zu warme Schoppen gegeben haben, was an heißen Tagen ja mal vorkommen kann.

Und bringt die Bedienung dann zur Kühlung freundlicherweise Eiswürfel vorbei, isses auch wieder nicht recht. Weinkultur hin oder her, im Ramazotti oder Martini stört sich doch auch keiner am Eis. Und das bisschen Geschmacksverwässerung ...

Es gibt sogar Gäste, die können sich eigentlich gar nicht über etwas beschweren, weil sie nix bekommen haben, also auch kein Eis im Wein – tun es aber trotzdem. Wie jene Dame, die in einem neugestylten Szene-Café mit ihrer Freundin frühstücken wollte, was der Freundin auch gelang, weil ihr bereits nach einer Stunde Kaffee und Brötchen kredenzt wurden, während sie selbst nach eineinhalb Stunden noch mit leerem Magen dasaß und mit selbigem auch nach Hause ging. Nun gut, manche Gäste haben's halt immer etwas eilig. Aber muss man deswegen der Wirtin hinterher gleich einen lästerlichen Beschwerdebrief schreiben: „Sollte ich demnächst eine Nulldiät anstreben, weiß ich, welches Café mir dabei hilfreich zur Seite stehen wird.“

Wenn sich die Dame da mal nicht täuscht. Sie hat nämlich eindeutige Antwortpost von der Wirtsfrau bekommen: „Bleiben Sie bitte unserem Lokal und meinen Angestellten fern. Sie gehören zu der Sorte Gäste, die wir hier nicht haben möchten. Nicht jedes Restaurant passt zu jedem Gast, aber nicht jeder Gast passt eben auch zu uns.“ Das klingt hart. Aber besagtes Szene-Café ist nun mal kein Schnellimbiss. Da darf der Wirt schon Gäste ablehnen, die nicht mal eineinhalb Stunden auf ihr Frühstück warten können. Und am Ende noch rumzetern.

Deshalb im folgenden, sozusagen als Hilfestellung für geplagte Restaurantleute, Originalzitate aus dem Werk der Wirtin. Als Musterbrief gegen unliebsame Gäste könnte es Gastronomie-Geschichte schreiben: „Weder ist Ihre Kritik konstruktiv, noch gut gemeint, sondern einfach nur unverschämt.“ – ein guter Einstieg. „Gott sei Dank ist das Gros unserer Gäste in dieser Hinsicht etwas gebildeter und großzügiger.“ – macht klar, dass der Gast dumm und völlig intolerant ist. „Für mich wäre es interessant, mich einmal mit Ihrem Vorgesetzten zu unterhalten. Sicher ist Ihre Arbeitsweise in jeder Hinsicht ohne Fehl und Tadel. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind damit der erste Mensch der Welt, der offensichtlich keine Fehler macht.“ – einfach genial, den Ball an den Gast zurückspielen. Bei Bedarf kann dann noch das Hausverbot (siehe oben) nachgeschoben werden.

Jetzt wollen Sie natürlich wissen, in welchem Café dieser Brief geschrieben wurde. Das müssen Sie schon selbst rausfinden. Einfach öfters frühstücken gehen und schön warten – auf einen Beschwerdegrund.

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