WÜRZBURG

Mein Montag: Schön schöppeln fürs schöne Leben

Holger Welsch
Holger Welsch Foto: Theresa Müller

Was diese Woche ansteht? Nach dem Bürgerentscheid ist vor dem Bürgerentscheid. Deshalb überlegen wir mal, was wir mit unserer Stimme als nächstes erstreiten könnten: Zum Beispiel den Umbau der Frankenhalle – zum Museum für unlösbare Nutzungsfragen. Müsste man nicht viel umbauen. Oder ein Verbot für symbolische Spatenstiche, weil wir Fotos von behelmten Anzugträgern mit Schäufelchen in der Hand – wie jüngst an der Baustelle zum Zentrum für digitale Innovationen– nicht mehr sehen können. Oder vielleicht den Abbau des Berliner Rings, damit es ein paar Auswärtige mehr in die Innenstadt schaffen.

Wobei der Anreiz groß ist, die Blechkiste draußen zu lassen. Weil einem, wie neulich beim Firmenlauf, irgendwelche Läufer vor der Kühlerhaube herumhampeln. Oder immer mehr Radfahrer rumkreuzen.

Die Gefahr, dass uns die Lust am Autofahren vergehen könnte, hat der Verkehrsunternehmens-Verbund Mainfranken zum Glück erkannt. Und erhöht im August wieder die Preise fürs Bus- und Straßenbahn-Fahren. Wenn das nicht hilft, weiter Autos in die Stadt zu bringen, könnten wir noch eine Mautgebühr für Radler herbeistimmen.

Auf jeden Fall aber sollten wir per Bürgerentscheid fordern, den „Brückenschoppensong“ zur offiziellen Stadthymne zu erklären. Das weinselige Liedchen mit der beglückenden Feststellung, wie schön doch das Leben sei, sofern es in Würzburg stattfindet, wirbt nämlich bereits bayernweit kräftig für die Regiopole am Main mit der Partnerpole Schweinfurt (Kurzform RaMSch): „Eine Würzburg-Hymne, von der einem schlecht werden muss“, adelte eine süddeutsche Zeitung das Meisterwerk.

Der Zeitungsschreiber aus dem fernen Nürnberg gelangt denn auch zu der Feststellung, dass Würzburg notorisch unterschätzt werde. Wegen des Brückenschoppensongs. Denn dieser sei ohne Witz und völlig ironiefrei. Und die vermutete Unterschätzung der Provinz auf Weltniveau könne am mangelnden Humor liegen.

Das ist lachhaft. Erstens wird Würzburg höchstens überschätzt. Vor allem von den Würzburgern. Und zweitens und mal ganz im Ernst: Wer in dem ausgefeilten Schunkel-Refrain „Ja wie ist das Lääbe schöö, hier in Würzburch, ja wie ist das Lääbe schöö, hier am Mee, da in Würzburch, ja da bleib ich, will a nimmer geh, da in Würzbuch, ja da lääb ich, weil da is es schöö“ keine Ironie erkennen kann, dem ist doch nicht mehr zu helfen. Es steht allerdings zu befürchten, das etlichen von uns nicht mehr zu helfen ist.

Vor allem, wenn wir die Grundregel beim Zuhören nicht beachten. Wenigstens die hat der süddeutsche Kritiker richtig erkannt: Der Text sei „ohne ortsübliche Spezialitäten, flüssig und möglichst groß dosiert“, nicht zu ertragen. Logisch. Ist ja auch ein Schoppensong. Inwieweit der oberste Festbeauftragte der Stadt, Bürgermeister Adi Bauer, der bei der „Brückenschoppensong“-Premiere eifrig mitträllerte, diese Bedienungsanleitung befolgte, wissen wir nicht.

Wir wissen nur: Der „Brückenschoppensong“ funktioniert bestimmt auch mit Bier: zu vorgerückter Stunde ab Freitag im Kiliani-Festzelt.

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