WÜRZBURG

Mein Montag: Selfie mit Angie

Holger Welsch
Holger Welsch Foto: Theresa Müller

Was wir diese Woche machen? Vielleicht ein Selfie? Mit wem? Natürlich mit der Kanzlerin. Angela Merkel kommt heute Abend ins CCW. Zum Neujahrsempfang der Diözese. Dieser war bislang wie die meisten dieser Jetzt-ist-das-neue-Jahr-da-da-müssen-wir-uns-mal-treffen-Treffen nicht der ganz große Bringer. Doch mit dem Stargast aus Berlin, der Ikone der Flüchtlingsszene, ist Bischof Friedhelm Hofmann auf letzter Rille seiner Amtszeit ein großer Coup gelungen. Ob Merkel kommt, weil es vielleicht auch ihre letzte Amtszeit ist, ist nicht bekannt.

Die hiesige CSU hatte für ihren Neujahrsempfang ja nur einen Bediensteten der CDU-Chefin, Generalsekretär Peter Tauber als Festredner abgekriegt. Der sagte dabei, dass man in diesem Jahr an Martin Luther nicht vorbeikomme. Das sei ein Mann, der für mehr Klarheit in der Sprache stehe. Und klare Sprache sei auch ein Markenkern der CSU. Interessant. Bislang wusste niemand, das Luther CSU-Mitglied war.

Und was spricht Merkel im CCW? Klartext. Ihr Vortrag lautet „Verbundenheit in offener Gesellschaft: Pluralität und Identität – Herausforderung und Chance“. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. So müssen sich diejenigen nicht grämen, die keine Eintrittskarte mehr bekamen. Denn überraschenderweise gibt es bei Merkel doch eine Obergrenze.

2000 Zuhörer im CCW sind dennoch eine ganze Menge, weshalb die Stadt mit Verkehrsbehinderungen rechnet und eine Umfahrung empfiehlt. In der Mitteilung ist nur von einer „Großveranstaltung“ die Rede, weshalb man vermuten könnte, im Rathaus wissen sie gar nicht, dass die Kanzlerin kommt. Vielleicht ist der OB gar nicht eingeladen? Oder fiel der Obergrenze zum Opfer?

Werden wir heute Abend sehen. Aber wo wir schon bei Neujahrsempfängen sind: Bei dem der Würzburger FDP hat Fraktionschef Karl Graf kritisiert, dass der Stadtrat eine weitere Bebauung am Nikolausberg ablehnte. „Als ob das Weltklima in Würzburg am Nikolausberg gerettet wird“, sagte er. Tja, alles ist relativ. Wir könnten uns auch fragen, ob die FDP mit einem Neujahrsempfang in Würzburg gerettet wird.

Aber blicken wir lieber in die Zukunft, denn die Woche geht noch ordentlich was ab: Morgen öffnet die modernisierte Stadtbücherei, in der wir unsere gelesenen Bücher künftig am Automaten zurückgeben. Das soll unter anderem diskreter sein. Klingt gut. Hoffentlich können wir dann unsere Rosamunde-Pilcher- oder Shades of Grey-Bände ohne das spöttische Grinsen unseres Hintermannes loswerden.

Lesen tun wir diese Woche aber sowie nix, weil wir beim Filmfestival fleißig Filme und Untertitel gucken. Und am Samstag steht der Fußballkracher Kickers gegen den Tabellenführer Braunschweig an. Hoffentlich ernähren sich die Rothosen vorher richtig. Nicht, dass es ihnen wie ihrer U 23 bei der Stadtmeisterschaft geht. Die mussten ihre mitgebrachte Extrawurst an der Straba-Haltestelle essen – und verloren das Finale.

Was das Selfie mit „Angie“ angeht: Wir lassen das. Am Ende landet das Foto auf Facebook und wir haben wie Merkels-Flüchtlings-Selfie-Freund nur Ärger an der Backe.

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