Würzburg

Menschen ohne Wohnung und die Corona-Krise

Für Menschen ohne festen Wohnsitz ist es derzeit besonders schwer, sich durchzuschlagen. Die Christophorus-Gesellschaft hilft, wo sie kann.
Für Menschen ohne festen Wohnsitz ist es derzeit besonders schwer, sich durchzuschlagen. Die Christophorus-Gesellschaft hilft, wo sie kann. Foto: Günther Purrlein

Die Menschen, mit denen es die Christophorus-Gesellschaft zu tun hat, sind arm, leben in prekären Umständen oder auf der Straße. „Für sie halten wir unsere Dienste aufrecht“, betont Fredy Arnold von der gemeinnützigen GmbH in einer Pressemitteilung.

Schnell konnte die Christophorus-Gesellschaft auf die geänderte Situation durch das Coronavirus reagieren. Die ökumenische Organisation war vor Jahren schon darangegangen war, ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) aufzubauen. „Das haben wir nun zu einem Krisenstab umfunktioniert“, so BGM-Beauftragter Fredy Arnold. In der ersten Woche, in der sich die Probleme häuften, kam das siebenköpfige Gremium jeden Tag zusammen.

Schnell war klar, so Fredy Arnold, dass die Bahnhofsmission weiterhin Essen ausgeben muss: „Denn die allermeisten Menschen, die zu uns kommen, sind darauf existenziell angewiesen.“ Inzwischen wandern täglich Lebensmittel über die Theke der Bahnhofsmission: „Und zwar drei Stunden am Vormittag und drei am Nachmittag.“ Rund 60 Lebensmittelrationen werden jeden Tag ausgegeben. Jeweils nur eine Person darf in die Bahnhofmission gehen, um das Essen in Empfang zu nehmen. 

Noch ungelöst ist laut Arnold das Problem, wo Menschen ohne festen Wohnsitz auf Toilette gehen können: „Denn nun sind alle bislang genutzten Lokale und Geschäfte zu.“ Die Einschränkungen wwegen der Pandemie machen Menschen in Obdachlosenunterkünften besonders schwer zu schaffen. Sie leben dort beengt und umgeben von Männern und Frauen, die eine Menge sozialer und emotionaler Probleme haben.In der Bahnhofsmission können nach wie vor zwei Frauen in zwei getrennten Räumen übernachten. Für diese Frauen ist es auch möglich, die Toilette zu benutzen und am nächsten Morgen zu duschen.

Nach wie vor haben Menschen Probleme, einen Kredit zurückzuzahlen oder andere Schulden zu tilgen. Daran hat die Corona-Krise nichts geändert. Im Gegenteil, so Arnold: „Die telefonische Beratung unserer Schuldnerberatung läuft auf Hochtouren.“Arnold: „Wir versuchen, noch mehr Dienstleistung in der Schuldnerberatung anzubieten.“

Die Mitarbeiter des Johann-Weber-Hauses, eine sozialtherapeutische Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft, haben einen ganz besonders fordernden Job, betont Fredy Arnold: „Sie bekommen sehr viel Unmut der Bewohner wegen der räumlichen Enge ab.“ Hier leben Menschen, die mehrere Jahre auf der Straße verbracht haben und sich nun wieder gesellschaftlich integrieren wollen.

Etwas ruhiger geht es in der Wallgasse - in der Kurzzeitübernachtung für Männer - zu. Nach wie vor werden hier bis zu sechs Männer, die nachts nicht im Freien schlafen wollen, aufgenommen. Jeder schläft separat in einem Zimmer.

Fredy Arnold ruft derzeit in aller Regel zweimal am Tag in allen Einrichtungen der Christophorus Gesellschaft an, um sich nach der jeweiligen Situation zu erkundigen.

Anlauf- und Beratungsstellen
Schuldnerberatung Stadt und Landkreis Würzburg: Die telefonische Erreichbarkeit des Fachberatungsteams ist derzeit Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 0931-322-413. Link zur Onlineberatung https://beratung.caritas.de/schuldnerberatung/registration?aid=197
Zentrale Beratungsstelle für Strafentlassene mit Betreutem Wohnen: Die Besuchsbeschränkungen in der JVA sind für Angehörige Inhaftierter eine große Belastung. Die Christophorus Gesellschaft bietet eine Onlineberatung für die Angehörigen Gefangener an. Nach der Haftentlassung kann die persönliche Beratung zu den bisherigen Zeiten wahrgenommen werden. Tel.: (0931) 3210-218.
Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose mit Betreutem Wohnen: Die Beratungsstelle ist Montag bis Freitag wie bisher erreichbar,  Tel.: (0931) 3210-217.
Kurzzeitübernachtung für Männer: Einzelbelegung je Mehrbettzimmer, ab 18 Uhr geöffnet, Tel.: (0931) 3210-216 und -225. Bei in der Wallgasse 3 nicht leistbarem Andrang hilft die kommunale Obdachlosenbehörde. Ein Notfallzimmer in der Sedanstraße 11-13 ist eingerichtet. Security belegt auch nachts und am Wochenende (Männer und Frauen).
Johann-Weber-Haus (stationäre Männereinrichtung): Keine Aufnahmegespräche bis auf weiteres, Besuchsverbot für alle Externen. Bewohner, die in eine andere Stadt reisen (Freunde/Bekannte/Familie), werden bei Rückkehr nicht mehr aufgenommen.
Bahnhofsmission: (Lebensmittelausgabe): Tagdienst:  7 bis 21.30 Uhr Telefondienst, Ausgabezeiten von 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr (Lebensmittel zum Mitnehmen), Nachtdienst: Zwei Nachtschlafplätze für besonders gefährdete Frauen verfügbar. Telefonisch 24 Stunden für Notfälle erreichbar (0931) 7304-8800.
Wärmestube (Körperhygiene und medizinische Notversorgung für Wohnungslose) Rüdigerstr. 2, Körperhygiene/Dusche, Zutritt je eine Person, Dienstag, 31. März,  12 Uhr bis 14 Uhr.
Medizinische Notversorgung durch ehrenamtlichen Arzt und die Straßenambulanz: Terminvereinbarung über Tel.: (0931) 7304-8800
Weitere Informationen zu den Angeboten und Einrichtungen unter www.christophorus-wuerzburg.de


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