Würzburg

Missbrauch: Neue Vorwürfe gegen Würzburger Ruhestandspriester

Der Priester aus Unterfranken ist bereits wegen Missbrauchs verurteilt worden, nun soll er sich wieder Minderjährigen genähert haben. Wie reagiert die Bistumsleitung?
Im Fall eines mehrfach beschuldigten Ruhestandspriesters gibt es neue Vorwürfe. Noch ist nicht alles geklärt. Das Bistum bereitet derzeit eine neue Eingabe bei der Glaubenskongregation in Rom vor. Foto: Daniel Peter

Aussagen von Frauen aus dem Raum Main-Spessart beschreiben Distanzverletzungen. Der Ruhestandspriester, der sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierte, suchte den Beschreibungen zufolge die Nähe zu teilweise minderjährigen männlichen Asylbewerbern. Er soll ihnen über Arm und Rücken gestreichelt und per Handy Nachrichten geschrieben haben wie: "Ich habe Sehnsucht nach dir!" oder "Ich vermisse dich" - versehen mit Kuss-Emojis und Herzchen. Gezielt habe der Mann Kontakt zu Asylbewerber-Familien mit Kindern aufgenommen, Wohnungen für sie gesucht. Auch soll er großzügige Geschenke verteilt haben. Das weckte irgendwann Misstrauen.

Der Mann wurde daraufhin Ende des Jahres von Johannes Heibel, der die Aussagen der Frauen zusammengetragen hat, bei der Staatsanwaltschaft Würzburg angezeigt. Der Vorsitzende der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen mit Sitz im Westerwaldkreis informierte zudem Bischof Franz Jung.

Bistum will erneut Glaubenskongregation informieren

Die Redaktion fragte aktuell beim Bistum nach: Die Vorwürfe habe Generalvikar Thomas Keßler am 21. Dezember 2018 an die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg weitergeleitet, so Bistumssprecher Bernhard Schweßinger. Dort befinde sich bereits die Akte des Beschuldigten. Ebenso sei der Diözesancaritasverband informiert worden. Zudem bereite die Diözese derzeit "eine neue Eingabe bei der Glaubenskongregation in Rom aufgrund der neu aufgekommenen Sachverhalte" vor.

Die Betonung "neu" in diesem Zusammenhang hat einen Grund. Es gibt bereits alte Vorfälle - über die diese Redaktion mehrfach berichtet hat. In diesen Artikeln kürzt sie seinen Namen mit X. ab

Bistum verkaufte dem wegen Missbrauchs Verurteilten ein geerbtes Haus

So wurde X. wegen Missbrauchs eines Schülers zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Das war 2002. Der Geistliche wurde suspendiert und darf laut Bistum Würzburg ausschließlich nur im privaten Rahmen zelebrieren. Das Bistum finanziert seinen Ruhestand, obwohl X.,  der unter bislang nicht restlos geklärten Umständen in Rumänien geweiht wurde, nicht der Diözese angehört. Die Kirche verkaufte ihm darüber hinaus im Jahr 2007 "für knapp 150 000 Euro" ein Haus, das ihr von einer als fromm beschriebenen Lehrerin vererbt worden war.  Auf Nachfrage bezeichnete das Bistum diesen Verkauf "aus heutiger Sicht" jedoch als Fehler.

Diese "heutige Sicht" beruht wohl darauf, weil mittlerweile bekannt ist, dass der Missbrauch von 2002 nicht der erste war - wie der einstige Personalreferent damals vermutet hatte. Vor zwei Jahren wurde ein weiterer Übergriff des Mannes bekannt. Er geschah in Österreich. Dort soll er sich 1993 an einem Jugendlichen vergangen haben. Der Mann, damals Chorherr, musste das Stift Klosterneuburg verlassen.

Neuer Verdacht: Betroffener meldet sich nach 30 Jahren 

Und nun rückt X. erneut in den Fokus. Es soll einen weiteren, noch älteren Vorfall geben. Ein Mann beschuldigt den Ruhestandespriester eines massiven Übergriffs Ende der 1980er Jahre - ebenfalls im Stift Klosterneuburg. Damals war der Betroffene Anfang 20.

Diese Redaktion informierte in seiner Anfrage das Bistum Würzburg auch über diesen Vorwurf, über den die Journalistin Edith Meinhart im österreichischen Nachrichtenmagazin "Profil" zuerst berichtete. Auch darüber sei die Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg und die Glaubenskongregation in Rom "unverzüglich" informiert worden, so Schweßinger.

Der Beschuldigte X. bestreitet den Vorwurf. Auf Nachfrage sagte er: "Ich kann mit ruhigem Gewissen sagen: Ein Übergriff gegenüber dieser Person hat nie stattgefunden. Ich bin dieser Person nie zu nahe getreten."

Bistum untersagt Beschuldigtem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen

Es bleiben Fragen zu diesem komplexen Fall. Dringlich sind folgende: Wie will die Bistumsleitung sicherstellen, dass der Ruhestandspriester künftig keinen Kontakt mehr zu Kindern und Jugendlichen hat? Und: Ist das Bistum überzeugt, dass die Therapie, die X. nach seiner Verurteilung absolviert hat, vor weiteren Übergriffen schützt?

Die Antworten: "Aufgrund der neuen Vorwürfe wird ihm der Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und Familien untersagt." Und weiter: "Das Bistum Würzburg ist sich bewusst, dass eine Therapie nie einen absoluten Schutz vor weiteren sexuellen Missbrauch bieten kann. Eine Therapie kann lediglich ein Wiederholungsrisiko mindern."

Die Antworten passen zu einer Aussage des Bischofs beim Podiumsgespräch über sexuelle Gewalt in der katholischen Kircheund zur Missbrauchsstudie am 12. Dezember im Burkardushaus. Damals gestand Franz Jung ein: "Es gibt keine Sicherheit." Wichtig sei es, dauerhaft zu agieren und genau hinzusehen.

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