Rottendorf

Mit 10 000 neuen Bäumen gegen den Klimawandel

Zwei Dürrejahre haben auch im Rottendorfer Wald Spuren hinterlassen, obwohl die Fichte hier  bisher kaum eine Rolle gespielt hat: Befürchtungen zu Jahresbeginn, dass es die von der Schwammspinner-Raupe heimgesuchten Eichen besonders hart treffen könnte, haben sich jedoch nicht bestätigt. In dem Waldstück Spreth waren Helikopter im Einsatz, um den Schädling mit Gift zu bekämpfen. Förster German-Michael Hahn hat dennoch mehrere alte Eichen entdeckt, die dabei sind abzusterben. Vor allem der von Rußrindenkrankheit betroffene Ahorn und einige Rotbuchen weisen schwere Schäden auf.

Um die im Gemeindewald entstandenen Lücken wieder zu schließen und ihn für den Klimawandel zu stärken, wollen Gemeinde und Förster 10 000 neue Bäume zu pflanzen. Wie seit Jahrhunderten soll der Rottendorfer Wald dennoch als ökologisch besonders wertvoller Mittelwald bewirtschaftet werden. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass einige Bäume ein hohes Alter erreichen dürfen, während das Unterholz als Brennholz genutzt wird. Dabei soll es auch bleiben.

Gewinn ist nicht das Ziel

Bürgermeister Roland Schmitt betonte, dass es weiterhin nicht das Ziel sei, mit dem Wald Gewinn zu erzielen. Im Gemeinderat gibt es jedoch auch weitergehende Überlegungen. Anke Schneider von den Grünen regte an, den Waldgürtel, der einst den ganzen Ort umgeben hatte, wiederherzustellen. Nach Ansicht des Försters wäre dies sogar möglich. In Abstimmung mit dem Amt für ländliche Entwicklung könnten etwa schmale Baumbänder oder Alleen die einzelnen Rottendorfer Wäldchen miteinander verbinden.

Als konkrete Maßnahme, die schon dieses Jahr in Angriff genommen werden soll, hat Hahn Neupflanzungen im Ameisenholz vorgesehen. An den Steilhängen entlang der Bahnstrecke hat der Förster drei Flächen mit knapp vier Hektar festgelegt. Hier sollen noch in diesem Jahr 6300 Bäumchen für 14 000 Euro gesetzt werden. Damit die Setzlinge nicht gleich wieder vom Wild abgefressen werden, sind sie mit einem Zaun umgeben. Weitere 3700 Bäumchen sind von ihm dafür vorgesehen, Lücken im Gemeindewald zu schließen. "Ein warmes und freies Haupt, aber einen schattigen Fuß braucht die alte Eiche", beschrieb er die Ansprüche der für Rottendorf typischen Baumart. Einige der größeren, abgestorbenen Bäume will er zudem als Totholz im Wald belassen.

Ein breites Spektrum an Baumarten

Der Förster setzt bei der Waldverjüngung auf ein breites Spektrum an Baumarten. Ihnen ist gemeinsam, dass sie an Wärme gewöhnt sind. Dazu gehören die Esskastanie, die türkische Baumhasel oder die kalabrische Tanne, aber auch die einheimische Flatterulme, die als einzige Ulmenart nicht vom Ulmensterben betroffen ist, die Eibe, die Sommerlinde oder die Vogelkirsche. Aber auch Exoten möchte er pflanzen, wie die Pflaumeiche, die in Deutschland allein am Kaiserstuhl vorkommt, oder den Schneeballblättrigen Ahorn, die – so Hahn - seltenste Baumart Deutschlands, von der es nur am Bodensee ein Vorkommen gibt.

Die Auswahl blieb nicht ohne Kritik. Josef Pohly, ebenfalls von den Grünen, sieht hierin ein "gewagtes Experiment": "Niemand weiß, wie sich Mittelmeerpflanzen bei uns hier entwickeln", stellt er fest. Er befürchtet, dass die zum Teil im Mittelmeerraum beheimateten Baumarten bisher im mitteleuropäischen Wald unbekannte Krankheiten und Schädlinge mitbringen könnten.

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