Mit Jagdwaffen gegen Panzer

Lkr. hassberge Vor 60 Jahren endete der Zweite Weltkrieg auch im Haßgau. Ende März 1945 beginnt mit der Einnahme von Aschaffenburg der Einmarsch der Amerikaner in Bayern. Würzburg und Schweinfurt wurden durch Bombenangriffe zerstört. Die Wehrmacht ist längst in Auflösung begriffen. Am 9. April 1945 erreichen die US-Kampftruppen Aidhausen und die Befreiung des Haßgaus beginnt.
Die amerikanischen Soldaten befreiten Deutschland       -  Die amerikanischen Soldaten befreiten Deutschland von der Naziherrschaft. Nachdem das so genannte Fraternisierungsverbot gelockert worden war,
war es den Soldaten gestattet, mit den Kindern zu sprechen. Auf dem Bild verteilt ein farbiger Soldat Süßigkeiten.
Die amerikanischen Soldaten befreiten Deutschland von der Naziherrschaft. Nachdem das so genannte Fraternisierungsverbot gelockert worden war, war es den Soldaten gestattet, mit den Kindern zu sprechen. Auf dem Bild verteilt ein farbiger Soldat Süßigkeiten. Foto: FOTO MP
Würzburg wurde Anfang April von den Amerikanern eingenommen, Schweinfurt kapitulierte am 11. April. Doch bereits Tage hatten US-Kampftruppen die Stadt umgangen und waren weiter ostwärts vorgedrungen. Die 3. US-Infanterie-Division rückte von der Rhön aus über das Grabfeld vor. Nach der Besetzung von Königshofen am 7. April vereinigte sich die 3. mit der vom Spessart anrückenden 7. US-Division im Haßgau. Starke Panzerverbände rollten zudem durch das Maintal in Richtung Bamberg. Sie trafen nur noch auf vereinzelten Widerstand.

 

Zwar waren überall in aller Eile von den Nazi-Schergen noch Volkssturm-Einheiten aufgestellt worden. Antreten mussten alle Männer, auch alte Männer und Jugendliche. Diese sollten mit der Panzerfaust, meist aber mit Jagdwaffen den feindlichen Panzern entgegentreten. Ein Himmelfahrtskommando! Der Volkssturm war vollkommen ungenügend ausgerüstet. Er hätte nie den Ansturm der Amerikaner aufhalten können. Dennoch wehrten sich die damaligen Machthaber mit allen Mitteln, wollten ihren Untergang aufhalten - auch um den Preis des Todes weiterer unschuldiger Menschen und der Zerstörung der fränkischen Dörfer und Städte. Doch der Widerstand löste sich beim Einmarsch der Amerikaner größtenteils auf. Ein unsinniges Sterben wurde vielfach verhindert, da besonnene Menschen weiße Flaggen hissten und so den einrückenden Amerikanern signalisierten, dass die Stadt oder die Gemeinde kampflos übergeben wird. Auf das Hissen weißer Fahnen standen allerdings schwere Strafen. Ein so genannter "Flaggenbefehl" Hitlers vom März 1945 ordnete an, dass in Häusern, die eine weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation zeigten, alle männlichen Bewohner sofort zu erschießen seien. Zum Glück war meistens niemand mehr da, der diesen Befehl vollstreckte.

Als die Amerikaner mit ihren Panzern vor der Stadt Hofheim standen, verlangten sie, das innerhalb 30 Minuten die weiße Fahne gehisst werde, andernfalls werde die Stadt beschossen. Der Hofheimer Adalbert Lutz hat dann aus einem Betttuch und einem Stecken eine Fahne gebastelt und diese aus dem Kirchturmfenster geschwenkt. Unten auf dem Marktplatz wurde er von den Nazis als "Verräter" beschimpft. Doch die Besonnenen setzten sich durch. Gerade noch rechtzeitig. Drei Jagdbomber kamen angeflogen, machten einen Schwenk über den Marktplatz und drehten ab.

Zu einem Todesfall ist es in Rügheim gekommen. Im damaligen Spar-Geschäft, so berichten Zeitzeugen übereinstimmend, wurde ein amerikanischer Soldat getötet. Daraufhin musste die gesamte Bevölkerung auf dem Marktplatz antreten. Es drohte eine Sühneaktion. Zehn Rügheimer sollten erschossen werden, wenn der Täter nicht gefunden wird. Dann Entwarnung. Bei Hellingen wurden die Täter, zwei Angehörige der SS, geschnappt.

In Königsberg versperrten den Amerikanern Panzersperren den Zugang zur Stadt. Dies werteten die Amerikaner als ein Zeichen von zu erwartendem Widerstand. Sie hätten dann erst einmal alles zusammen geschossen, was deutschen Truppen als Deckung hätte dienen können. Doch durch das besonnene Eingreifen einiger Königsberger entging die historisch bedeutende Altstadt von Königsberg der Gefahr, durch Artillerie oder Flugzeugangriffe zerstört zu werden. Die Panzersperren wurden rechtzeitig geöffnet.

So eroberten in diesen letzten Kriegstagen die Amerikaner die Städte und Dörfer im Haßgau und im Maintal. Zunächst - noch beeinflusst von der Nazi-Propaganda - sahen die meisten Bürger sie als Feinde an, allein verantwortlich für den Verlust von Eigentum und Sicherheit, für die Verletzung und Tötung von Verwandten und Freunden. Doch mit der Besetzung begann ein rascher Wandel im Stimmungsbild. Schnell wurden aus den amerikanischen Feinden und Zerstörern Freunde und Verbündete, deren Lebensart bewundert und bald nachgeahmt wurde.

In der Montagsausgabe lesen Sie
in unserer Serie, wie Anni Fischer
einen Bombenangriff in Schweins-
haupten erlebte.

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