ESTENFELD

Mit Leib und Seele Bäuerinnen

Blumen und einen Korb mit Spezialitäten aus dem Landkreis Würzburg bekam Landesbäuerin Anneliese Göller (Mitte) aus den Händen von Kreisbäuerin Martina Wild (links) und ihrer Stellvertreterin Lioba Kinzinger beim Landfrauentag in Estenfeld.
Blumen und einen Korb mit Spezialitäten aus dem Landkreis Würzburg bekam Landesbäuerin Anneliese Göller (Mitte) aus den Händen von Kreisbäuerin Martina Wild (links) und ihrer Stellvertreterin Lioba Kinzinger beim Landfrauentag in Estenfeld. Foto: Wilma Wolf

Eine gelungene Mischung aus Bildung, Kultur, Geschichte und Unterhaltung genossen 600 Gäste, überwiegend Frauen, beim Landfrauentag in Estenfeld.

Traditionell eröffnete der Landfrauenchor die Veranstaltung. Für die wenigen Herren im Saal gab es ein extra Lied zum Nachdenken: Was wären die Männer ohne uns? Und noch etwas war neu: Zum ersten Mal hatte Chorleiterin Karin Dürr ein bunt zusammengewürfeltes Bläserensemble zur musikalischen Unterstützung mitgebracht.

Lang war die Liste der Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, von Verbänden und Ämtern, die Kreisbäuerin Martina Wild, im feschen, federbesetzten Dirndl und sichtlich aufgeregt, begrüßte. Nur Manfred Ländner „musste auf die Freude mit den Landfrauen verzichten“, zitierte sie eine Mail. Er weilte in München und hatte am Nachmittag seine Ehefrau Helga geschickt.

Während draußen der Schnee taute, stellten sich im Saal erste Frühlingsgefühle ein. Ortsbäuerin Brigitte Wolz und ihr Team hatten mit zahlreichen Ranunkeln ein farbenfrohes, frisches Ambiente gezaubert.

„Land hat Zukunft“

Eine Welt ohne Frauen, die mochte sich Landrat Eberhard Nuß nicht vorstellen. Sehr wohl hatte er konkrete Vorstellungen zum Jahresmotto der Landfrauen „Land hat Zukunft“. „Die bäuerliche Landwirtschaft ist Teil unseres kulturellen Erbes, Land hat Zukunft, wenn wir diese Zukunft gestalten, wenn Menschen diese Verantwortung mittragen“, sagte er.

Bürgerschaftliches Engagement sei gefragt. „Das ist für Sie nichts Neues, das tun Sie jeden Tag, Sie gestalten mit, sorgen mit, sind mit Leib und Seele Bäuerinnen. Mit Frauen wie Ihnen hat unser Land Zukunft“, meinte Nuß. Der Landkreis habe sich derweil einer großen Herausforderung zu stellen und arbeite an der Stärkung des ländlichen Raumes. „Wir wollen die jungen Familien auf dem Land halten und die Sehnsucht nach dem Land neu erwecken“, erklärte er.

„Sie als Landfrauen haben es in der Hand, Dörfer mit zu gestalten, dass unser Land, das bleibt, was es jahrhundertelang war, ein Ort der Geborgenheit“, meinte Bürgermeister Michael Weber in seinem Grußwort. „Um die Zukunft in unseren Dörfern, müssen wir kämpfen“, forderte Bernhard Weiler, unterfränkischer Bezirkspräsident des bayerischen Bauernverbandes. Denn in der Realität werde den Bauern nichts geschenkt.

„Wir müssen das ausbaden, was andere durch kriminelle Machenschaften anrichten“, sagte Weiler mit Blick auf die aktuellen Lebensmittelskandale. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Kulturlandschaft sprach er sich aus. Mit Verstand sollten die Bauern ihre Arbeit machen, dann sei die Zukunft gesichert. Mit einem Wort Einsteins beendete er sein Statement: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“

Auf das Thema „Land hat Zukunft“ ging Landesbäuerin Anneliese Göller, eine Milchbäuerin aus Frensdorf bei Bamberg, in ihrer Festrede ein. Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben auf dem Land ist wieder da, der Zeitschriftenmarkt rund ums Landleben boomt, und die neue Lust aufs Land ist in aller Munde. Ein ländliches Idyll werde präsentiert, ein ideales, einseitiges Bild ohne Schattenseiten.

„Die Magazine greifen eine Stimmung auf, die in der Gesellschaft als Gegenpol zur Globalisierung entsteht“, meinte Göller. Zurück zur Natur. In einer immer weiter technisierten, nüchternen Welt wachse das Bedürfnis nach Überschaubarkeit, Heimat, menschlichen Kontakten und erlebter Nähe.

Doch Landleben sieht in der Realität anders aus, sagte Göller. Viele Landkreise in Franken haben bereits mit Abwanderung zu kämpfen, vor allem junge Menschen zieht es in die Stadt. Ist das Leben auf dem Land bereits ein Auslaufmodell?

Wertevermittlung

Attraktive Bedingungen schaffen, lautet deshalb eine ihrer Forderungen. Schnelles Internet, gute Betreuungs- und Bildungsangebote, Sicherung von Schulstandorten, eine gute Nahrungsmittel- und medizinische Versorgung, das alles werde in Zukunft immer wichtiger. Zur Bildung gehöre auch Charakterbildung, Vermittlung von Werten wie Ehrlichkeit, Treue, Rücksichtnahme.

Mit Bildung den Boden für die Zukunft bereiten, das sei wichtig. Für Göller gibt es einen Ansatz mit Zukunftsperspektive: Die drei K's, Konflikte lösen, Kreativität fördern und Kooperationspartner finden. Das erfordere Mut zu neuen Wegen. Und mit dem vierten K wie Kommunikation könnte die Zukunft gelingen. Die stellvertretende Bezirksbäuerin Maria Hoßmann brachte es auf den Punkt: „Für mich ist klar, Land hat Zukunft, denn da sind wir daheim.“

Für Begeisterung sorgte beim Landfrauentag zudem die Modenschau „Trachten im Wandel der Zeit“ • Lokales Seite 31

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