Rottendorf

Mit dem Hubschrauber gegen den Schwammspinner?

Die Schwammspinner-Raupen schlüpfen Ende April und machen sich dann über die frischen Blätter her. Foto: Christian Ammon

Der Schwammspinner ist in Unterfranken auf dem Vormarsch. Besonders stark von den gefräßigen Raupen einer Schmetterlingsart befallen ist das kleine Rottendorfer Wäldchen "Spreth" am Dettelbacher Mainfrankenpark.

Aufgrund des "kritischen Schädlingsbefalls" drohe den alten Eichen des Wäldchens der Kahlfraß und im schlimmsten Fall deren Absterben, schilderte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Förster German-Michael Hahn die angespannte Situation. Besonders die Kombination trockener Sommer - trockener Winter bereitet ihm Sorgen. "Diese Kombination hatten wir noch nie", stellte er fest. "Keiner weiß, was auf uns zukommt."

Gemeinde setzt auf alternative Methoden

Die Gemeinde Rottendorf setzt dennoch auf eine alternative Methode der Bekämpfung: Statt per Hubschrauber das umstrittene Insektizid Mimic über den Bäumen zu versprühen, sollen die natürlichen Gegenspieler der Raupe zum Zug kommen. Begleitend könnte in enger Zusammenarbeit mit einer Universität eine wissenschaftliche Studie entstehen. Ein Gifteinsatz ist nur im Notfall und auch dann nur auf einer Fläche von einem Drittel des Wäldchens geplant. "Bei einer Befliegung ist garantiert, dass nur sehr wenige Eichen absterben", erklärte Hahn bei einem Einsatz des Insektizids garantiert. Bei einer "biologischen Schädlingsbekämpfung" könnten die Schäden dagegen größer ausfallen. Allerdings gebe es sehr hoffnungsvolle Hinweise darauf, dass die Natur in der Lage ist, das Problem in den Griff zu bekommen.

Die Stockhieb-Eichen des Mittelwaldes sind sehr artenreich, aber auch anfällig für Schädlinge. Foto: Christian Ammon

Natürliche Gegenspieler wie die Raupenfliegen, die ihre Eier direkt auf die Raupe legen und deren Maden sich in sie hineinbohren, oder die Schlupfwespe, die ihre Eier gleich in die Raupe hineinlegt, seien, so der Förster, effektive Fressfeinde. Auch seien die Eichen bei wiederholtem Befall in der Lage, Bitterstoffe in den Blättern anzusammeln. Eine einfache, aber erst mittelfristige Lösung sei es, die alten Bäume mit Rot- und Hainbuche, Esche oder Kirsche zu unterpflanzen, um so dem licht- und wärmeliebenden Schädling die Lebensgrundlage zu nehmen. Die Eiche sei eine Baumart, die anders als Fichte und Kiefer für den Klimawandel hervorragend gewappnet ist und als Lebensraum mit etwa 500 Insektenarten ökologisch besonders wertvoll.

Nur wenige Hektar groß: Auf der Fläche des Spreth befinden über 1000 dickstämmige Eichen. Foto: Christian Ammon

Aus einem Gelege schlüpfen 400 Raupen

Dennoch wirken die Beobachtungen des Försters im Spreth besorgniserregend: mit 20 Schwammspinner-Eigelegen auf Augenhöhe weise das Waldstück eine "sehr hohe Dichte" auf, stellte er fest. Was sich weiter oben tue, sei zudem unklar. Doch auch hier dürften sich weitere Gelege befinden. Da aus jedem Gelege etwa 400 Raupen schlüpfen, kommt er für jeden Baum auf mehrere Zehntausende der etwa fingerdicken Raupen. In Rottendorf kommt ein besonderer Risikofaktor hinzu: Viele der gut 1200 Eichen im Spreth sind zwischen 120 bis 160 Jahre alt. Doch die Wurzeln sind oft deutlich älter. Dies ist eine Folge der hier bis heute verbreiteten Mittelwald-Wirtschaft, bei der Holzrechtler den immer wieder von neuem austreibenden Stamm schlagen. Die Folge sei, so Hahn, eine "mangelhafte Vitalität" der alten "Stockhieb-Eichen" mit einer erhöhten Gefahr, dass sie absterben.

CSU-Gemeinderat Herbert Siedler gab denn auch zu bedenken, dass der 400 Jahre alte Rottendorfer Mittelwald "eine sehr rare Waldgemeinschaft in Mitteleuropa" darstelle, deren Schutz im Vordergrund stehen müsse. "Wenn wir nichts tun, riskieren wir, dass wir ein ganz wertvolles Habitat zerstören." Im Gemeinderat gibt es dennoch fraktionsübergreifend Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Mimic, das die Raupen dazu bringt, sich vorzeitig zu häuten. Anke Schneider von den Grünen setzt auf die selbstregulierende Kraft der Natur und stellte heraus, dass das Insektizid für Wasserorganismen sehr giftig sei, und auch auf den Menschen krebs- und diabeteserregend wirke. Es gibt jedoch strenge Auflagen bei der Anwendung. Laut Förster Hahn ist ein Abstand zu Feuchtbiotopen und ebenfalls zu Waldrändern einzuhalten. Geflogen werde nur bei Trockenheit und absoluter Windstille. Die dichte Laubdecke verhindere zudem das Eindringen in den Boden.

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