REGION WÜRZBURG

Mit dem Traktor nach Brüssel

Kämpfen für den Milchpreis: Die Landwirte, die sich mit dem Traktor auf den Weg nach Brüssel machten, bei der Rast in Eichelsee. Das Bild zeigt von links BDM-Teamleiterin Christina Nöhring (Neustadt/Aisch), Alwin Reuter (Fuchsstadt), Albert Fuchs (Eichelsee), Thomas Meyer (Geroldshausen) und Bernhard Hiltl (Neumarkt). Foto: Hannelore Grimm

Einmal Brüssel hin und zurück ist sicher mit dem Zug oder dem Auto bequemer und vor allem schneller als mit dem Traktor. Für die langsamere Art des Reisens haben sich einige Landwirte aus Unterfranken und der Oberpfalz entschieden, um in der belgischen Hauptstadt den Politikern der Europäischen Union das Fürchten zu lehren.

Während einer kurzen Rast bei ihrem Berufskollegen und Landkreisvertreter des Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) Albert Fuchs in Eichelsee erklären dessen Stellvertreter Thomas Meyer (Geroldshausen) und der Kitzinger Landkreisvertreter Bernd Hörner (Kleinlangheim) die Hintergründe für die Aktion:

Die Milcherzeuger sind, so Bernd Hörner, ziemlich sauer. Den Grund dafür liefert die Milchmarktkrise der vergangenen Monate. Die hat, laut Hörner, bei den deutschen Milchbauern Verluste von mindestens vier Milliarden Euro verursacht und wird von der Politik als „kleine Delle“ verharmlost.

Mit Blick auf die für diesen Herbst erwartete Markterholung seien die Milcherzeuger von der Politik lange vertröstet worden. Obwohl sich langsam eine Markterholung abzeichnet, bleibe für die Milcherzeuger zu wenig übrig.

Skandalös niedrige Preise

Albert Fuchs vertritt die Meinung seiner Berufskollegen, wonach mit der geringen Erhöhung des Milchpreises die Verluste nicht einmal annähernd auszugleichen sind. Laut dem Eichelseer sei es besonders ärgerlich, dass beim Verbraucher suggeriert wird, die Bauern erhielten jetzt mehr Geld, weil die Milch für den Verbraucher deutlich teurer geworden ist. Dabei bleibe, so Bernd Hörner, völlig unberücksichtigt, dass sich die Milcherzeugnisse bisher auf einem skandalös niedrigen Preisniveau befunden haben.

Mit der vom BDM organisierten großen europäischen Schleppersternfahrt, die mit einer Kundgebung vor dem Europäischen Parlament endet, wollen die Milchbauern ihrer Forderung nach einer erzeugerfreundlicheren Politik im EU-Ministerrat Nachdruck verleihen, so Thomas Meyer.

Falscher Kurs der Politik

In der Gruppe herrscht die einhellige Meinung, dass die Politik der Bundesregierung in der Milchpreisregelung einen völlig falschen Kurs fährt. Nach den Worten des stellvertretenden BDM-Kreisvorsitzenden Bernhard Hitl aus Neumarkt blockiere vor allem die Union eine langfristige Verbesserung der Situation für die Milchbauern. Eine der Kernforderung dabei ist, dass die Milchmenge nicht von der Industrie, sondern von den Erzeugern geregelt wird. In anderen EU-Ländern stehe die Politik den Vorstellungen der Landwirte positiv gegenüber.

Vor allem Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner haben Hitl und seine Berufskollegen im Visier. „Unsere Ilse“, sagt einer der Oberpfälzer spöttisch, „die verspricht uns alles Mögliche und in Brüssel weiß sie nichts mehr davon.“

Die Milchbauern wollen mit ihrer Demonstration zumindest die Politiker wachrütteln und zum Nachdenken anregen.

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