WÜRZBURG

Mit neuem Leitungsteam: Neustart für den Hafensommer

Nachdem Kulturreferent Muchtar Al Ghusain Ende 2016 dem Stadtrat vorgeschlagen hatte, den Vertrag mit Jürgen Königer, dem damaligen künstlerischen Leiter des Hafensommers, nicht zu verlängern, arbeitet jetzt ein neues Team an der Vorbereitung des diesjährigen Sommerfestivals. Der erste Hafensommer der Nach-Königer-Ära findet vom 21. Juli bis 6. August auf der schwimmenden Bühne im Becken des Alten Hafens statt.

Zehn Jahre lang war Königer für die Programmgestaltung des Hafensommers zuständig. Ihm gelang es, durch eine Mischung bekannter und weniger bekannter Künstler dem Hafensommer ein Image zu verleihen, das im letzten Jahr seiner Tätigkeit vom neu gegründeten Freundeskreis mit der Bezeichnung „Entdeckerfestival“ beschrieben wurde.

Allerdings war der Entdeckergeist des künstlerischen Leiters in einigen Fällen wohl größer als der des Publikums, das manchen Konzerten dann doch nicht den nötigen Zuspruch bescherte, um neben dem Kunstgenuss auch den erhofften wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.

Neues Team wird am 2. Februar vorgestellt

Auch war das Wetter dem Hafensommer nicht immer wohl gesonnen, weshalb so manche Veranstaltung, gerade mit bekannten Namen, geradewegs ins Wasser fiel. Es schüttete aber nicht nur hin und wieder vom Himmel auf den Hafensommer, auch aus der Politik hagelte es Vorwürfe, weil die Defizite des Hafensommers immer mehr anwuchsen.

Doch das soll jetzt anders werden. Wie Kulturreferent Al Ghusain im Gespräch mit dieser Redaktion erläuterte, sei zwischenzeitlich ein neues Leitungsteam für den Hafensommer zusammengestellt worden. Auch in der Programmzusammenstellung soll es einige Änderungen geben. Beides will er am Donnerstag, 2. Februar, im Schul- und Kulturausschuss vorstellen. Zum neuen Leitungsteam, so viel ließ der Referent vorab verlauten, sollen auch externe Experten gehören, die Erfahrungen mit der Veranstaltung von Festivals mitbringen.

Teamgedanke spielt wichtige Rolle

„Nach zehn Jahren ist es folgerichtig, einen Schnitt zu machen und neu anzusetzen“, beschreibt Al Ghusain die Ausgangsbasis. Man habe in den letzten Wochen und Monaten Gespräche mit alten und neuen Partnern geführt, um auszuloten was man vom bisherigen Hafensommer-Modell übernehmen könne und was neu ergänzt werden müsste. Ein wichtiger Aspekt bei der Neuaufstellung sei gewesen, zukünftig „den Teamgedanken stärker auszuprägen“. Alle Teammitglieder sollten ihre Ideen einbringen können, die dann gemeinsam diskutiert und abgewogen werden sollten. Nach Informationen dieser Redaktion, war es diesbezüglich mit dem früheren künstlerischen Leiter nicht immer ganz einfach.

Als einen denkbaren neuen Aspekt beim Hafensommer bezeichnet der Kulturreferent die stärkere Einbeziehung der Kulturinstitutionen am Alten Hafen. Denn es „muss nicht immer zwingend nur um Musik gehen.“ Ob dies bereits in diesem Jahr gelingt, hänge aber auch von den terminlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der potenziellen Partner ab.

Was gut war, soll bleiben

„Was in der Vergangenheit gut war, muss man nicht ändern“, umreißt Al Ghusain die musikalische Programmstruktur. Aber es habe eben auch Konzerte gegeben, die einfach nicht funktioniert hätten: „Da ist Selbstkritik angebracht“, sagt Al Ghusain, auf dessen Initiative der 2007 gestartete Hafensommer zurückgeht. „Im letzten Jahr gab es fünf Konzerte, zu denen deutlich weniger als 300 Besucher kamen, da hilft dann auch die Bezeichnung Entdeckerfestival nicht mehr“, blickt Al Ghusain zurück: „Das ist finanziell schlecht, für die Künstler irritierend und bietet den Besuchern nicht die wünschenswerte Atmosphäre“.

Man müsse jetzt genau überlegen, was auf das Gelände und die Hafenbühne passt und was nicht. Dazu gehören nicht nur schlecht besuchte, sondern auch zu große Konzerte. Denn Künstler, die deutlich mehr als 1500 Besucher anziehen, verlangen oft auch sehr hohe Gagen. Bei einer Besucherkapazität von 1100 bis 1200 Plätzen auf der Hafentreppe müsse man dies berücksichtigen. Konzerte wie das Wochen vorher ausverkaufte mit Hubert von Goisern könne man nur sehr dosiert ins Programm nehmen und das auch nur dann, wenn die Gage bezahlbar ist.

Hafensommer soll Neugier wecken

Thematisch soll der Hafensommer nicht diametral vom bisherigen Konzept abweichen, sondern auch künftig Neugier bei den Besuchern wecken. Nach wie vor wird eine breite Themenstreuung angestrebt und bewährte Formate wie Worldmusic aus unterschiedlichen Ländern oder bisherige Schwerpunkte wie Nordeuropa oder Afrika sollen weitergeführt werden. „Was uns bisher wichtig war, wird nicht leichtfertig über Bord geworfen“, sagt Al Ghusain.

Am 2. Februar wird das neue Hafensommer-Team offiziell vorgestellt. Dann werden auch das neue Konzept und die ersten Künstler des Hafensommers 2017 präsentiert.

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