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Moderne Landwirtschaft: Ausgestunken!

Die Zeiten, in denen Gülle zum Himmel stinken durfte, sind vorbei. Allein schon aus wirtschaftlichen Gründen.

Ein moderner Landwirt kann es sich gar nicht leisten, dass wertvoller Stickstoffdünger aus der Gülle einfach so verduftet. Wenn eine Gruppe von Landwirten aber 270 000 Euro in ein neues Güllefahrzeug investiert, geht es den Mitgliedern dabei nicht nur um eine möglichst effiziente Bewirtschaftung der Felder, sondern auch um die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit.

Auf einem Feld bei Rittershausen kam der rote Koloss zum ersten Mal zum Einsatz. Auf dem Acker von Johannes Menth, dem Vorsitzenden des Maschinenrings, der stolz ist, dass sich die Güllegemeinschaft, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts unter dem Dach des Maschinenrings, nun schon seit über zehn Jahren in der Region etabliert hat. Ihren Mitglieder bietet sie Technik auf dem neuesten Stand an. Für eine Region mit vergleichsweise wenigen Tierhaltern ist das ungewöhnlich.

Viele Laien verbinden mit dem dem Thema Gülle noch heute vor allem Anrüchiges; von Traktoren gezogene Fässer, aus denen sich die braune Brühe in breitem Strahl über die Äcker ergießt und kilometerweit üblen Gestank verbreitet. Gegen dieses Bild kämpft die Güllegemeinschaft an. „Alles was stinkt, ist wertvoller Stickstoff, der uns als Dünger verloren geht“, sagt Christian Kraft aus Goßmannsdorf, einer von drei Vorsitzenden. Bis zu 50 Prozent des Stickstoffs entwichen früher als beißend riechender Ammoniak – pure Verschwendung.

Fast schwerer noch als der wirtschaftliche Verlust wiegt der schlechte Ruf, den das Güllefahren anno dazumal den Bauern eingetragen hat.

Moderne Landwirte streben nachhaltige Produktionsweisen an – Klimaschutz und öffentliche Akzeptanz sind wichtige Faktoren, sagt Johannes Menth. Das verlangt auch die europäische Union, die ihre Agrarförderung von der Einhaltung von Umweltstandards abhängig macht, die sogenannte Cross Compliance.

Das Prinzip, mit dem das neue Güllefahrzeug Geruch und Düngeverluste minimiert, ist einfach. Die Gülle wird über Schläuche unmittelbar in Bodennähe ausgebracht. Dabei hat der Ammoniak kaum Gelegenheit zu verdunsten. Im Boden wird er schnell gebunden und steht den Pflanzen direkt zur Verfügung. Wird die Gülle direkt vor der Einsaat ausgebracht, kann sie in einem Arbeitsgang mit einer Scheibenegge in den Boden eingearbeitet werden.

Düngung ist heute eine Wissenschaft für sich, die durch strenge Auflagen und Verordnungen geregelt ist – längst vorbei sind die Zeiten, in denen der Landwirt nach dem Prinzip „viel hilft viel“ verfahren konnte. Bodenanalysen bestimmen die vorhandenen Nährstoffe. Für jede Feldfrucht lässt sich errechnen, wieviel zusätzlich gedüngt werden muss. Wer zu viel ausbringt, schadet nicht nur seinem Geldbeutel, sondern auch der Qualität seiner Erzeugnisse. Hochwertiges Getreide, aber auch die einträglichen Zuckerrüben reagieren empfindlich auf einen schlecht bemessenen Dünger-Cocktail.

Damit dies schnell und optimal passieren kann, ist das Güllefahrzeug mit Computertechnik hochgerüstet, bis hin zur GPS-gestützten Steuerung. Sie sorgt dafür, dass das Geräte bei jeder Fahrt über den Acker nahtlos an die vorangegangene Runde anschließt. Angesichts einer Arbeitsbreite von 15 Meter wäre das ohne die Steuerung per Satellit gar nicht möglich.

Je nach Gülleart und erforderlicher Stickstoffmenge lässt sich die Ausbringmenge exakt regulieren. Der Gärrest aus Biogasanlagen bringt den meisten Stickstoff mit, gefolgt von der Schweinegülle. Die Hinterlassenschaft von Rindern hat nur halb so viel Wirkung auf den Pflanzenwuchs.

Befüllt wird das Güllefahrzeug vom Feldrand aus, ohne dass das Tankfahrzeug auf den Acker muss. So wird die Verschmutzung der öffentlichen Straßen auf eine Minimum verringert. 16 000 Liter fasst der Tank, je nach Entfernung vom Güllelager sorgen zwei bis vier Tankfahrzeuge ständig für Nachschub.

Damit das schwere Gefährt den Ackerboden nicht zu stark verdichtet, rollt es auf drei extrabreiten Reifen, deren Luftdruck sich während der Fahrt auch noch absenken lässt, um den Bodendruck zusätzlich zu verringern.

2001 hatte sich die Güllegemeinschaft Maindreieck unter dem Dach des Maschinenrings gegründet. 26 Landwirte gehören dem Kreis an, Aufträge nimmt man aber auch von Nichtmitgliedern entgegen.

300 000 Kubikmeter Gülle hat man seither ausgebracht, schätzt Vorsitzender Johannes Menth. Der Aktionskreis der Gemeinschaft reicht im Radius von rund 25 Kilometer rund um Ochsenfurt, von Tauberrettersheim im Süden bis nach Rimpar im Norden. „Es ist die ureigene Aufgabe des Maschinenrings, neueste Technik verfügbar zu machen“, sagt Menth. Froh darüber, dass alles so gut funktioniert, ist er schon. Und die Menschen drum herum sind es auch.

Auf großem Fuß: Damit der Bodendruck gering ist, bewegt sich das Güllefahrzeug auf drei einen Meter breiten Reifen.
Auf großem Fuß: Damit der Bodendruck gering ist, bewegt sich das Güllefahrzeug auf drei einen Meter breiten Reifen.

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