WÜRZBURG

Monteverdichor mit Hector Berlioz in der Neubaukirche

So knausrig sind die Vertreter der klassischen Musik gar nicht. Nicht nur Rocksänger und Jazzmusiker geben großzügige Zugaben. Beweis: der Monteverdichor nach dem romantischen Weihnachtsoratorium „Die Kindheit Jesu“ von Hector Berlioz.

Mit einem „Kein schöner Land in dieser Zeit“ im Refrain bedankte sich Chor und Dirigent Matthias Beckert für den langen Applaus beim Publikum.

Ursache für die Begeisterung waren wohl der Mut und die Kunst, ein französisches Werk auf Deutsch zu singen sowie ein überzeugendes logistisches Großaufgebot aus über 40 Instrumentalisten der Mainphilharmonie Würzburg, dem 80-köpfigen Chor und raumfüllenden Solostimmen (und die Raummaße der Neubaukirche sind beachtlich), die Opernqualität versprühten.

Besonders beeindruckend war der Schlusschor, den Berlioz im gregorianischen Stil komponierte. Der Gesang über die Seele neigte zum unaufhörlichen Weiterfließen, weil die Töne von gleichmäßiger Dauer waren, weder der höhere Ton noch der tiefere als lang oder kurz empfunden wurde.

Außerdem strömten die Frauenstimmen von vorne und hinten auf das Publikum ein. Genauer gesagt gab es einen Chor beim Orchester und einen Fernchor, der sich im hinteren Teil des Kirchenschiffs auf der Empore oben sammelte.

Angenehm ist Berlioz „Die Kindheit Jesu“, weil es eine ruhige religiöse Oper ist, ein behagliches Gegengift zur hektischen Einkaufsrally in der Weihnachtszeit. Hector Berlioz (1803-1869) ist ein ganz anderes Kaliber als die evangelischen Hauskomponisten Bach und Mendelssohn.

Nicht nur, weil er Franzose und Katholik ist, sondern weil er einen ganz eigenständigen Stil entwickelte und nach neuen Klangfarben suchte.

Dies spürt man auch bei Dirigent Beckert. Er aktiviert geschickt den musikalischen Kosmos des Franzosen. Beckers dirigierende Hand einigt und belebt das Orchester, schafft Freiraum für die Solostimmen und haucht den Chorsängern den Liedertext entgegen.

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