Würzburg

Mordfall Peggy: Ermittlung gegen Ermittler eingestellt

Würzburger Ermittler fanden nichts Belastbares gegen Bayreuther Ermittler. Woher Journalisten Bilder und eine Tonbandaufnahme hatten, bleibt deren Geheimnis.
Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof. Das neunjährige Mädchen Peggy aus Lichtenberg (Oberfranken) war 2001 verschwunden, 2016 wurde seine Leiche gefunden. nach dem Mörder sucht die Kripo bisher vergeblich. Foto: David-Wolfgang Ebener, dpa

Die Ermittler der Sonderkommission (Soko)  „Peggy“ können sich wieder auf die Lösung des 18 Jahre alten Mordfalls an dem neunjährigen Mädchen konzentrieren.Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Soko in Bayreuth eingestellt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen in Würzburg auf unsere Anfrage.

Beweise durchgereicht, um Druck auf Verdächtige zu erhöhen?

Die Würzburger Ermittlungsbehörde sollte im Auftrag von Generalstaatsanwalt Thomas Janowski  prüfen, ob die oberfränkischen Ermittler belastende Tonbandaufnahmen aus ihren Akten an Medienvertreter durchgereicht haben, um den Druck auf zwei Verdächtige zu erhöhen.  "Die Rechtsanwältin des zwischenzeitlich vom Vorwurf des Mordes rechtskräftig freigesprochenen Ulvi K. hatte drei Anzeigen erstattet, die der Staatsanwaltschaft Würzburg zur Prüfung und Entscheidung zugewiesen waren," sagte Raufeisen auf Anfrage. 

Eine richtete sich mit dem Vorwurf des Geheimnisverrats gegen einen Staatsanwalt und zwei Polizeibeamte, eine weitere gegen unbekannte Ermittler. Sie sollen - angeblich rechtswidrig -  Zeugen ein abgehörtes Gespräch zwischen den früheren Beschuldigten Ulvi K. und seinem Vater vorgespielt haben. Eine weitere richtete sich mit dem Vorwurf des Geheimnisverrats gegen einen Journalisten. Der Vorwurf lautete hier, dass rechtswidrig Auszüge aus dem vorbezeichneten Gespräch öffentlich online zitiert worden seien.

Journalisten aus ganz Deutschland begleiteten jede Phase der seit 18 Jahren laufenden Mordermittlungen. Das Bild entstand vor dem Wiederaufnahmeprozess gegen den verurteilten Ulvi K. im Schwurgerichtssaal des Landgerichts in Bayreuth (Bayern). Foto: David Ebener, dpa

Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat alle drei Verfahren eingestellt, "da in jedem der Fälle schon ein strafbares Verhalten nicht ersichtlich ist," erklärte der Pressesprecher. Das Vorspielen der Tonbandaufnahme gegenüber Zeugen im Rahmen der Vernehmung sei gerechtfertigt, der Aufnahme lag der Beschluss des Amtsgerichts Hof vom 4. Juli 2002 zugrunde.

Tonband wurde Zeugen vorgespielt

Reporter wie Otto Lapp ("Nordbayerischer Kurier"), Jörg Völkerling ("Bild-Zeitung") und der "Frankenpost" in Hof verfolgen den Fall seit Jahren. Sie hatten aus dem abgehörten Gespräch zitiert.  Denn 15 Jahre später versuchten Ermittler der Bayreúther Kripo, neue Hinweise auf den Mörder des kleinen Mädchens zu finden. Sie spielten das Tonband in Peggys Heimatort Lichtenberg mehreren Einwohnern vor. In der Aufnahme bezichtigte Ulvi K. sich selbst und den heute 41 Jahre alten Manuel S. des Mordes – eine von mehreren Versionen, die der Behinderte im Lauf der Zeit erzählte.

Die Tonbandaufnahme sei bereits 2004 im Prozess gegen Ulvi K. inhaltlich erörtert worden. "In der Folge wurde auch seitens der Presse über die Tonbandaufnahme und deren Inhalt berichtet, so dass ein Geheimnis nicht mehr gegeben ist,"  urteilt die Staatsanwaltschaft. Damit hat sich auch der angezeigte Pressevertreter nicht strafbar gemacht. 

Eingriff in die Pressefreiheit

Unabhängig davon würde "eine strafrechtliche Verfolgung der Pressevertreter auch einen erheblichen Eingriff in die grundgesetzlich garantierte Pressefreiheit begründen", gibt die Staatsanwaltschaft Würzburg zu bedenken.  Bei einer Güterabwägung ergab "die Bedeutung des Falles, das Interesse der Öffentlichkeit, der Umstand, dass nur auszugsweise aus der Datei zitiert wurde und weil die Datei bereits in öffentlicher Sitzung erörtert wurde, den Vorrang der Pressefreiheit".

Keine Rolle spielte bei den Ermittlungen offenbar, dass auch ein Bild den Weg in "Bild" gefunden, das zu den Unterlagen der Soko gehört. Es erschüttert das Alibi des verdächtigen Manuel S., der im vergangenen Herbst überraschend zugegeben hatte, die Leiche des Mädchens 2001 beseitigt zu haben. Später widerrief er dieses (angeblich unter Druck entstandene) Geständnis wieder.

Foto dokumentiert Anwesenheit zur Tatzeit

Bilder einer Überwachungskamera zeigen ihn am Tag von Peggys Verschwinden in der Lichtenberger Sparkasse. Das belegt, dass S. am Tattag - entgegen seiner ursprünglichen Aussage - in der Nähe des Tatorts mit dem Auto unterwegs war. Das ist neben Pollenresten und Farbspuren an den Knochen des Kindes am Fundort der Leiche eines der Indizien, die den Bekannten des einstigen Hauptverdächtigen Ulvi K. heute schwer belasten.

Sie können sich jetzt wieder auf die Mördersuche konzentrieren: Daniel Götz (r), Staatsanwalt als Gruppenleiter der Staatsanwaltschaft Bayreuth und Uwe Ebner, Leiter der SoKo Peggy. Das Bild entstand bei einer Pressekonferenz, nachdem der Verdächtige Manuel S. im vorigen Jahr gestanden hatte, die Leiche des Mädchens im Wald in Thüringen vergraben zu haben. Foto: Daniel Karmann, dpa

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