WÜRZBURG

Moz-Entscheid: Zitterpartie endet mit Sieg der Abrissgegner

Der Jubel der Moz-Retter: Der Bürgerentscheid ist gewonnen – und das feiert die Bürgerinitiative mit ihren Unterstützern am Sonntagabend vor der Mozartschule.
Der Jubel der Moz-Retter: Der Bürgerentscheid ist gewonnen – und das feiert die Bürgerinitiative mit ihren Unterstützern am Sonntagabend vor der Mozartschule. Foto: Patty Varasano

Um 19.37 ist die Zitterpartie dann zu Ende: Das Bürgerbegehren „Rettet das Moz“ ist erfolgreich: Es bekommt 10 452 Ja-Stimmen – nur 199 mehr als nötig. Das Ratsbegehren „Ja zur attraktiven Neugestaltung des Moz-Faulhaber-Areals“ scheitert.

Der Nachmittag beginnt ruhig. Im Wahllokal in der Steinbachtalschule staut sich nur die Hitze. Die Wähler tröpfeln nur vereinzelt herein. Heiß ist es auch um 18 Uhr in der Hofstraße. Zwei Handvoll Unterstützer der Bürgerinitiative (BI) „Rettet das Moz“ haben sich im Eiscafé gegenüber der Mozartschule versammelt. Die Stimmung ist gespannt. Hat sich der Einsatz gelohnt? Das erste Ergebnis erreicht den BI-Sprecher Jörg Töppner um 18.30 Uhr auf dem Handy: „Wir liegen vorne.“ Vorsichtiger Applaus.

Um 18.45 Uhr sind bereits 42 von 78 Stimmbezirken ausgezählt. 42 Grad zeigt auch das Thermometer in der Domstraße. Aber im Ratssaal ist es deutlich kühler. Mit 4389 Ja-Stimmen liegt das Bürgerbegehren jetzt knapp 600 Stimmen vor dem Ratsbegehren. Auch im Rathaus sind einige BI-ler. Außerdem warten Stadträte, Verwaltungsmitarbeiter und Medienvertreter auf die nächsten Ergebnisse.

Standpunkt: Eine Klatsche für die Kommunalpolitik

19.01 Uhr: Der Aufwärtstrend für die Abriss-Gegner setzt sich fort. Der Abstand zwischen Bürger- und Ratsbegehren stabilisiert sich. Doch es bleibt spannend. Schafft das Bürgerbegehren das Quorum? 10 253 Bürger müssen ihm zustimmen, damit es Erfolg hat. 7602 hat es um 19.01 Uhr. 65 Stimmbezirke sind ausgezählt. Nur 13 fehlen noch.

„Das Quorum wird die entscheidende Größe“, sagt jetzt Rathaussprecher Georg Wagenbrenner, der von seinem Laptop aus die aktuellen Ergebnisse auf die Leinwand wirft. Viele im Ratssaal hängen am Handy und geben Zwischenstände durch. „Das wird ein ganz enges Ding“, sagt Josef Hofmann, Fraktionschef der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG). Hunderte von Flyern mit Mozartkugeln für den Abriss hat der Neubau-Befürworter in den vergangenen Wochen verteilt. Um 19.16 Uhr fehlen den Moz-Erhaltern zum Quorum nur noch gut hundert Stimmen. Dass das Ratsbegehren den Sprung über die Quorumshürde noch schafft, glaubt da keiner mehr. Doch für deren Anhänger wäre diese Niederlage leichter zu ertragen, wenn auch die Gegenposition keinen Erfolg hat.

19.22 Uhr: Jubel von den Bänken! Linken-Stadtrat Sebastian Roth, SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow, Heiner-Reitberger-Stiftungs-Vorsitzende Suse Schmuck atmen auf. Mit 10 255 Ja-Stimmen haben sie es geschafft.

Jetzt warten alle noch auf die zwei fehlenden Stimmbezirke aus Rottenbauer und der Altstadt. Doch am Ergebnis werden die nichts mehr ändern. Um 19.37 ist alles ausgezählt. Ordnungsreferent und Wahlleiter Wolfgang Kleiner gibt das vorläufige, amtliche Endergebnis durch: Mit 9436 Stimmen hat das Ratsbegehren für Abriss der Mozartschule und Neugestaltung des Areal keinen Erfolg und scheitert am Quorum. Das Bürgerbegehren „Rettet das Moz“ ist mit 10 452 Stimmen dagegen erfolgreich – ganze 199 Stimmen mehr als die Mindestanzahl. Die Beteiligung liegt bei 19,5 Prozent.

Begleitet vom Applaus der Sieger machen sich die ersten Unterlegenen davon. „Schade“, ist das einzige, was Marcus Müller, der Vertreter von Investor Strabag, auf der Treppe im Rathaus jetzt sagen möchte. CSU-Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender Oliver Jörg ist ebenfalls enttäuscht. Meint nur: „Der Bürger hat gesprochen. Das gilt es zu akzeptieren.“ Man werde sich einsetzen, um Stillstand zu verhindern.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt erklärt das Scheitern des von ihm angestoßenen Ratsbegehrens mit zwei Faktoren: „Zum einen die ersten Visualisierungen der geplanten Bebauung auf dem Faulhaberplatz.“ Diese Bilder hätten die Angst geschürt, „dass hier etwas zu Großes hinkommen könnte“. Der andere Grund sei die „Liebe zur Nostalgie“, die viele Würzburger pflegten.

Und Jörg Töppner? Der BI-Sprecher feiert mit seiner Truppe den Sieg. Offensichtlich so ausgelassen, dass er nicht mehr ans Handy geht.

Beteiligung der Bürger

Fünf Bürgerentscheide gab es bislang in Würzburg. Die Wahlbeteiligung bei den verschiedenen Themen lag zwischen rund 16 und 43 Prozent.

1997 Verlagerung Röntgen-Gymnasium in den Süden: 17,7 Prozent

2006 Einkaufszentrum Arcaden am Bahnhof: 43 Prozent

2008 Neubau Fachhochschule im Alandsgrund: 26 Prozent

2013 Bebauung des Platz'schen Gartens: 15,7 Prozent

2014 Tunnel statt Troglösung beim Ausbau der A3: 17,6 Prozent

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