Mozart-Fest im Nationalsozialismus

Aufnahmen eines unbekannten Fotografen aus den späten 1930er oder frühen 1940er Jahren zeigen einen Ausschnitt aus dem Schäferspiel zum Mozartfest im Hofgarten.       -  Aufnahmen eines unbekannten Fotografen aus den späten 1930er oder frühen 1940er Jahren zeigen einen Ausschnitt aus dem Schäferspiel zum Mozartfest im Hofgarten.
Aufnahmen eines unbekannten Fotografen aus den späten 1930er oder frühen 1940er Jahren zeigen einen Ausschnitt aus dem Schäferspiel zum Mozartfest im Hofgarten. Foto: FOTO arcHIV ANDREAS METTENLEITER
würzburg (met)

 

Wenig Eindruck hinterließ Würzburg auf Wolfgang Amadeus Mozart, als er 1790 auf der Fahrt zur Kaiserkrönung nach Frankfurt kurz Halt machte und einen Kaffee trank.

Umso beachtlicher bis heute die Wirkung des großen Komponisten auf die ehemals fürstbischöfliche Residenzstadt: Professor Hermann Zilcher war so beeindruckt vom genialen Zusammenspiel von Architektur, Figurenschmuck und Malerei im barocken Stadtschloss, dass er im Juli 1921 hier und im Veitshöchheimer Rokokogarten erstmals eine „Würzburger Musik- und Theaterwoche“ veranstaltete, die sich von Beginn an regen Interesses erfreute. Bald bezog man auch den Hofgarten als Veranstaltungsort mit ein, wo sich die gestaltete Natur mit der Musik und der architektonischen Kulisse zu einem harmonischen Dreiklang vereinte.

Die Gartenanlagen, schon zu Zeiten der Fürstbischöfe zumindest zeitweilig für die Öffentlichkeit zugänglich, scheinen Zilcher mit ihrem verspielt-heiteren Figurenschmuck 1928 schließlich zu seiner „Fantasie für Tanz, Orchester und gemischten Chor“ inspiriert zu haben, die unter dem Titel „An Mozart“ im Rahmen der „Nachtmusik“ uraufgeführt wurde.

Zum Chorgesang von den Wallterrassen und den Orchesterklängen vor dem Gartensaal drehten sich auf der Rasenfläche um den Brunnen bis zu 100 Paare der Würzburger Tanz- und Gymnastikschulen sowie des Stadttheater-Balletts. Letzteres stellte aus seinem Fundus auch die prächtigen Rokoko-Kostüme. Die Gesamtchoreographie wurde übrigens zunächst von einer der großen Tanzschulen übernommen.

Bilder, aufgenommen von der nördlichen Wallterrasse, zeigen die Tänzer in symmetrischen Gruppen um den Brunnen, darum eine zweite Gruppe in historischen Gewändern, wie zu einem Picknick gelagert, und schließlich im Rund um das Geschehen, auf Klappstühlen, die Zuschauer in feinen Garderoben. So stellte man sich damals das höfische Leben der Rokokozeit vor.

Tatsächlich, so ist überliefert, wurden für Theateraufführungen der Schönbornzeit lebende Schafe auf die Bühne gebracht. Der tanzende Schäfer, eine lebensgroße Sand-steinplastik von Ferdinand Tietz (1767/68), die eigentlich in Veitshöchheim steht, ist bis heute zum Symbol und Wahrzeichen des Mozartfestes geworden; eine verkleinerte Porzellankopie wird seit 1980 vom Würzburger Stadtoberhaupt als nicht dotierter Kulturpreis verliehen oder als Gastgeschenk an auswärtige Besucher gegeben. Die auf den Bilder erkennbaren „wilden Büsche“ mussten später übrigens gepflegten Zierrosenbeeten weichen.

Zunehmend ideologisch gebraucht

Mit der Machtergreifung wurde auch das Mozartfest zunehmend ideologisch instrumentalisiert: Das lässt sich nicht zuletzt an den, ab 1936 in Frakturschrift gedruckten Programmheften erkennen. Gauleiter Otto Hellmuth legte großen Wert auf die Feststellung, dass das Mo-zartfest mit dem germanischen Sonnwendfest zusammenfiel und interpretierte das „deutsche Singspiel“ „Zaide“ als Beleg für die Emanzipation „deutscher“ Musik von französischer und italienischer Operntradition.

Zilcher wurde vom Kulturamt der Gauhauptstadt Würzburg zunehmend die Leitung der seit 1943 als „Würzburger Mozarttage“ benannten und als willkommene Ablenkung vom Kriegsalltag aufgefassten, jedes Jahr um einige Tage verlängerten Festspiele entzogen. Seit 1942 übernahm der Tanzausschuss der NS-Kultusgemeinde zusammen mit Hitlerjugend, BDM und dem Reichsausschuss für Leibesübungen die Tanzdarbietungen. Schwarz-Weiß-Aufnahmen der bekannten Fotografin Erika Groth-Schmachtenberger zeigen Mitglieder einer Berliner KdF-Gruppe unter der Leitung der be-kannten Ballettmeisterin Friderica Derra de Moroda im Juni 1941 im Treppenhaus der Residenz.

Verdunklungsvorschriften und Luftschutzvorkehrungen erschwerten die Durchführung der Mozarttage in den letzten Kriegsjahren: 1944 finden sich auf der letzten Seite des Programmhefts eine Übersicht über die nächstgelegenen Schutzräume. Wenige Monate später wurde auch die Residenz ein Opfer des Bombenkriegs. Doch bereits 1947 fand, vor den ausgebrannten Fenstern der Gartenfassade, wieder ein „Frühlingsfest“ statt, das die bis heute fortgeführte Tradition der Mozartfeste wieder aufnahm.

Amateur-Aufnahmen eines unbekannten Fotographen aus den späten 1930er oder frühen 1940er Jahren zeigen zwei Ausschnitte aus dem Schäferspiel.

Diese und andere bislang unbekannte Farbaufnahmen aus dem alten Würzburg finden sich in der demnächst erscheinenden erweiterten Neuauflage von Harald Zoepffel/Andreas Mettenleiter: „Würzburg 1943-1945. Bilder aus einer versunkenen Zeit“.

Wer weitere Farbbilder aus dieser Zeit besitzt, wird gebeten, sich bei den Autoren zu melden.

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