WÜRZBURG

Mozart in der Abfüllhalle

Von wegen behäbig: Das Melton Tuba Quartett bot bei der Würzburger Hofbräu delikate Kammermusik und gefühlvollen Jazz.THERESA MÜLLER Foto: Foto:

In der Pause klirrten die Gläser, die Zuhörer saßen mit kühlem Pils in der Hand auf ihren Stühlen, es roch ein wenig malzig – und während des Konzert zischte und fauchte im Hintergrund leise eine Maschine. „Die schrägste Location, die wir haben“, freute sich der Künstlerische Leiter des Mozartfests, Christian Kabitz, am Dienstagabend beim Auftritt des Melton Tuba Quartetts. Schräg? Man war zu Gast in der Abfüllhalle der Würzburger Hofbräu. Zum dritten Mal bereits, aber der technische Geschäftsführer der Hofbräu, Michael Haupt, wollte von Tradition noch nicht sprechen.

Seine Brauhaus-Mannschaft hatte die Maschinen gestoppt und die Halle geputzt. Und wo sonst Bier gebraut wird, ertönte am Abend Musik. Einmarsch des Melton Tuba Quartetts! Ulli Haas, Hartmut Müller, Heiko Triebener und Jörg Wachsmuth wollten beweisen, dass die Tuba kein behäbiges, schwerfälliges Instrument ist. Sondern ein liebenswertes, das weit schneller und melodischer gespielt werden kann, als der Laie annimmt.

Das erste Stück schon bewies, wie unterschätzt die Tuba sein kann: die Badinerie aus Bach'schen h-moll-Suite, im Brauhaus nicht von einer Flöte gespielt, sondern zwei Tuben. „Hätte Bach die Tuba gekannt, hätte er die Badinerie sicher für Tuben geschrieben“, versicherte Hartmut Müller. Weil nun aber das imposante Instrument mit dem warmen, schön runden Klang erst vor 170 Jahren erfunden wurde, konnte auch Mozart seine „Kleine Nachtmusik“ nicht für Tuben komponieren. Doch sein berühmtes Allegro hätte dem Namensgeber des Würzburger Musikfests in der Version des Melton Tuba Quartetts sicher gefallen.

Über acht Kilo wiegt eine Basstuba, mit allen Rohren und Ventilen hat sie eine Länge von siebeneinhalb Metern – aber wenn sie vom Bamberger Symphoniker Heiko Triebener und seinen drei Kollegen gespielt wird, dann wird Rimski-Korsakows „Hummelflug“ fast so schnell wie bei David Garrett auf der Geige. Eine Komposition aus Würzburg hatte das Quartett auch mitgebracht: einen Vier-Tuba-Blues von Posaunist Richard Roblee, des langjährigen Professors für Jazz und Big Band an der Würzburger Hochschule für Musik.

Am Ende gab es Frischgezapftes und viel Applaus vom bestens unterhaltenen Publikum. Und was die „anderen“ Konzertorte anbetrifft: An diesem Freitagabend spielt das David Orlowsky Trio ab 20.30 Uhr in der Kelterhalle des Bürgerspitals.

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