Würzburg

Mozartfest-Eröffnung: Nicht nur für Privilegierte

Das Wetter stimmte, der Kaisersaal war voll besetzt und von Intendantin Meining gab es auch nachdenkliche Worte. So war der Start des diesjährigen Mozartfests.
Festlicher Auftakt des Mozartfest 2019 im Kaisersaal der Residenz, wo Oberbürgemeister Christian Schuchardt die Gäste willkommen hießmit dem Empfang der Stadt Würzburg. Die Bürgermeister der Stadt empfangen ihre Gäste auf dem roten Teppich vor der Residenz.
Festlicher Auftakt des Mozartfest 2019 im Kaisersaal der Residenz, wo Oberbürgemeister Christian Schuchardt die Gäste willkommen hießmit dem Empfang der Stadt Würzburg. Die Bürgermeister der Stadt empfangen ihre Gäste auf dem roten Teppich vor der Residenz. Foto: THOMAS OBERMEIER

War Mozart ein Romantiker? Mit dieser Frage beschäftigt sich das 98. Mozartfest, das am Freitagabend im festlichen Ambiente des Kaisersaals der Residenz eröffnet wurde. 75 Konzerte an 26 Spielorten stehen bis 23. Juni, wenn das Festival mit der "Jupiternacht" seinen Abschluss findet, auf dem Programm. Den Auftakt machten am Freitag die Freiburger Barocksolisten gemeinsam mit dem diesjährigen Artiste étoile, dem Tenor Julian Pregardien.  

Der rote Teppich war ausgerollt, über den die geladenen Gäste zur Residenz flanierten, wo sie von Oberbürgermeister Christian Schuchardt und den Bürgermeistern Marion Schäfer-Blake und Adolf Bauer willkommen geheißen wurden. Nach Sekt und Begrüßungsplausch begab man sich durchs Treppenhaus hoch in den Kaisersaal, wo vor dem Musikgenuss die Festansprachen auf dem Programm standen. Auch dabei spielte das Thema "Romantik"eine prägende Rolle.

Schuchardt: In Franken kennt man sich aus mit der Romantik

Oberbürgermeister Schuchardt konnte neben dem bayerischen Kunstminister Bernd Sibler auch die früheren Bundesminister Annette Schavan und Michael Glos, die ehemalige Landtagspräsidentin "unsere Barbara Stamm", mehrere Parlamentarier, Vertreter des öffentlichen und kirchlichen Lebens sowie Gäste aus den Partnerstädten begrüßen. Die früher übliche lange namentliche Aufzählung ersparte er sich diesmal, ehe er sich dem Thema Romantik zuwandte. 

In Franken kenne man sich gut aus mit der Romantik und auch in Würzburg, das liege schließlich an der Romantischen Straße, so Schuchardt. Da das diesjährige Mozartfest, das auch eine Auseinandersetzung zwischen Geschichte und Gegenwart sei, zwei Tage vor der Europawahl begann, holte er auch zu einem kurzen politischen Exkurs aus. "Die Geschichte bestimmt die Gegenwart und ist Ausgangspunkt für die Zukunft", sagte Schuchardt. Die Wahl am Sonntag biete die Gelegenheit, sich für Freiheit und Frieden auszusprechen. Dem Team um Mozartfest-Intendantin Evelyn Meining spendete er "ein Riesenkompliment" und stellte fest, dass das Mozartfest nicht nur weit über Würzburg hinaus, sondern auch direkt in die Stadtgesellschaft hinein strahle.

Meining: Das Mozartfest ist kein Ereignis für Privilegierte

Mnister Sibler berichtete über seine persönliche Mozart-Woche, weilte er doch zuvor in Augsburg, wo an dessen Geburtsort in diesem Jahr der 300. Geburtsort von Mozarts Vater Leopold gefeiert wird. Danach ergriff Intendantin Evely Meining das Wort und spielte zunächst auf Stimmen aus dem Vorjahr an, als der rote Teppich kritisiert worden war. "Das Mozartfest ist im Jahr 2019 längst kein Ereignis mehr für wenige Privilegierte. Kein 'Red Carpet'-Event für Eliten oder Geldadel. Das Mozartfest ist ein Fest für alle. Jeder kann in dem vielfältigen Programm etwas finden - unabhängig von  akademischer Bildung oder finanziellem Status".

Fotoserie

Eröffnung Mozartfest Teil 1

zur Fotoansicht

 

Fotoserie

Eröffnung Mozartfest Teil 2

zur Fotoansicht

 

Fotoserie

Eröffnung Mozartfest Teil 3

zur Fotoansicht

Evelyn Meining schlug auch eine gedankliche Brücke, zwischen Romantik früher und und heute.  Früher sei Romantik mit den Gemälden von Caspar David Friedrich, den schwermütigen Klängen Robert Schumanns oder den gefühlstrunkenen Versen Eichendorffs in Verbindung gebracht worden. Das scheine weit weg vom heutigen Lebensgefühl in einer entzauberten Welt, "die längst vermessen, erklärt und erobert ist", und der die Menschen ungeschützt ausgeliefert seien. 

Das Mozartfest und der Wunsch nach einer besseren Welt

"Wo bleibt da der fühlende Mensch", fragte Meining. Sensibilität und Selbstzweifel stünden in solchen Zeiten nicht hoch im Kurs. Sie seien vielmehr ein Zeichen von Schwäche. "Was ist mit der Seele des gläsern gewordenen Menschen im 21. Jahrhundert?", fragte Meining in den Saal. Die moderne Freizeitindustrie habe die Sehnsucht nach einer Entzauberung der Welt erkannt und locke mit Verführungen wie Traumschiff oder Candlelight-Dinner. Das seien jedoch nur Verführungen, die für kurze Zeit vorgaukeln, "was wir uns wünschen: eine bessere, intakte und unberührte Welt".

In diesem Kontext betrachtet sei es eine reizvolle, dankbare und auch schöne Art, mehr über Herkunft und Identität zu erfahren durch ein sommerliches Musikfestival. Sinnlich begreifbar zu machen, dass die Gegenwart aus der Vergangenheit lebt, dafür sei ein Musikfestival da, so die Mozartfest-Intendantin. Und zum Abschluss ihrer Ansprach zitierte sie - natürlich - Wolfgang Amadeus Mozart: "Ohne Musik wär' alles nichts".

Anschließend lud die Stadt Würzburg zum Eröffnungsempfang. Die geladenen Gäste trafen sich im Gartensaal oder nutzten den lauen Frühlingsabend, um sich im illuminierten Hofgarten zu unterhalten.  Für die Verköstigung sorgte dabei das Casino der Stadt Würzburg.

Rückblick

  1. Standpunkt: Mozartfest 2020 - eine enorm wichtige Geste!
  2. Corona-Auflagen: Das Würzburger Mozartfest 2020 gibt nicht auf
  3. Mozartfest 2020: Zum Schluss sind vier Live-Konzerte geplant
  4. Corona: Es gibt noch Hoffnung für Mozartfest und Hafensommer
  5. Zwei Widerständige: Mozart und Beethoven beim Mozartfest 2020
  6. Die Jupiternacht des Mozartfests zaubert ein U in die E-Musik
  7. Auslastung 93 Prozent: Das Mozartfest 2019 ist Geschichte
  8. Mozartfest: Dramatik im Freien und Bravorufe im Treppenhaus
  9. Mozartfest im Kino: Im Mythos der Tiefe
  10. Kleine Nachtmusik: Romantik im Hofgarten der Residenz
  11. Mozartfest: Virtuose Eskapaden beim Hummel-Konzert
  12. 25 Jahre Freundschaft mit dem Mozartfest
  13. Wie Mozart im digitalen Zeitalter klingen könnte
  14. Musikalisches Plädoyer gegen den Brexit beim Mozartfest
  15. Mozartfest: Magische Klänge und das Eigenleben des Kaisersaals
  16. Dramatische Kammeroper beim Mozartfest
  17. Ein moderner Blick auf Clara Schumann
  18. Wie Mozart Strauss zu einer Oper inspirierte
  19. Was passiert, wenn sich fünf Musiker optimal verstehen
  20. Wenn aus Laborergebnissen Musik wird
  21. Was Kritiker über die "Winterreise" zu sagen haben
  22. Das lauteste Wiegenlied aller Zeiten
  23. Unsuk Chin: Wut und Träume als Quelle der Kreativität
  24. Mozartfest: Leidenschaft und hinreißende Anmut aus Finnland
  25. Residenzgala: Die Kunst der Kellermeister und der Komponisten
  26. Mozartfest: Don Giovanni als selbstgefälliger Gute-Laune-Bär
  27. Kurzweil im Kaisersaal
  28. Eine Mission: Wie Jugendliche für Klassik motiviert werden
  29. Armstrong und Prégardien verzahnen Schubert und Mozart
  30. Isabelle Faust beim Mozartfest: Schumann aus dem Schatten geholt
  31. Julian Prégardien: "Ich mache mir jetzt nicht ins Hemd"
  32. Mozarts Messen: Kurz und genial
  33. Mozartfest im Dom: Wo Klänge und Farben funkelten
  34. Mozartfest: Eine Nachtmusik voller Beziehungszauber
  35. Romantik pur bei der Nachtmusik im Hofgarten
  36. Lise de la Salle als virtuose Nachfolgerin Clara Schumanns
  37. Was Kleist an Würzburg hasste und Wagner am Mozartfest stinkt
  38. Wie die Romantiker Mozart zum Romantiker machten
  39. Mozartische Fröhlichkeit nicht nur bei Mozart
  40. Mozartfest: Erste Nachtmusik im Hofgarten
  41. Das Quintett, das Mozart für das beste seiner Werke hielt
  42. Ein Mozart-Openair in der ganzen Innenstadt
  43. Mozartfest: Der Namensgeber als Zauberer und Bilderstürmer
  44. Mozartfest-Eröffnung: Nicht nur für Privilegierte
  45. Mozart für alle in der Würzburger Innenstadt
  46. Zum 100. Jubiläum erklingt Mozarts eigene Geige
  47. "Man muss sich nicht permanent anbiedern"
  48. Würzburger Mozartfest 2019: Karten, Programm und Livestreams
  49. Mozartfest: Wo die Stars heiße Milch mit Honig bekommen
  50. Mozartfest 2019: Zahlen und Vorverkauf

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Karl-Georg Rötter
  • Abgeordnete
  • Adolf Bauer
  • Annette Schavan
  • Barbara Stamm
  • Bernd Sibler
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Caspar David Friedrich
  • Christian Schuchardt
  • Freizeitbranche
  • Konzerte und Konzertreihen
  • Kunst- und Kulturfestivals
  • Landtagspräsideninnen und Landtagspräsidenten
  • Marion Schäfer-Blake
  • Michael Glos
  • Mozartfest Würzburg
  • Musikfestivals
  • Robert Schumann
  • Spielcasinos
  • Stadt Würzburg
  • Städte
  • Wolfgang Amadeus Mozart
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!