ESTENFELD-MÜHLHAUSEN

Mühlhausen erinnert sich an Valentin Kraus

„Des Heilands letzte Rast“ von Valentin Kraus: Das Modell steht in der barocken Ortskirche von Mühlhausen, die Ausführung in der St. Adalbero-Kirche in Würzburg.
„Des Heilands letzte Rast“ von Valentin Kraus: Das Modell steht in der barocken Ortskirche von Mühlhausen, die Ausführung in der St. Adalbero-Kirche in Würzburg. Foto: nadja kess

Am 23. August 1873 wurde einer der größten Männer der Gemeinde in Mühlhausen geboren – Valentin Kraus. Kaum einem Mühlhausener ist der Künstler und spätere Frater Maurus Kraus heute noch bekannt. Dabei steht ein Entwurf von ihm in der barocken Ortskirche St. Georg. Es handelt sich dabei um eine weiß glasierte Tonfigur, deren Original in der St. Adalbero-Kirche in Würzburg steht – „Des Heilands letzte Rast“.

Abgebildet ist Jesus mit gebeugtem Rücken, die Hände kraftlos zwischen den Knien gefaltet. Damit der Künstler nicht völlig in Vergessenheit gerät, wird an der Friedhofsmauer in Mühlhausen eine Gedenktafel aus fränkischem Muschelkalk für ihn errichtet. In Auftrag gegeben wurde das Werk in Abstimmung mit Bürgermeister Michael Weber und der zweiten Bürgermeisterin Rosi Schraud an die Künstler Willi und Helmut Grimm aus Kleinrinderfeld.

Valentin Kraus hatte ein bewegtes Leben. Die Eltern hätten es gerne gesehen, wenn ihr kleiner Valentin einmal Pfarrer geworden wäre und schickten ihn zu den ersten Lateinstunden zum Pfarrer nach Hilpoltshausen. Doch in der Schule stellte sich schnell heraus, dass seine Begabung auf einem ganz anderen Gebiet lag, nämlich in der „bildnerischen Kraft seiner Hände“ wie in der Ortschronik nachzulesen ist.

So kam es, dass der Junge durch Vermittlung eines Lehrers auf der Schnitzschule in Bischofsheim v. d. Rhön landete. Er arbeitete danach in verschiedenen Kunstwerkstätten in Bad Kissingen, Marburg, Frankfurt und Würzburg. 1897 siedelte er nach München über und besuchte die Akademie der Bildenden Künste. 1905 eröffnete er dort seine eigene Werkstatt und wurde schnell über die Grenzen Deutschlands bekannt. Werke von ihm finden sich in Afrika und Asien.

Doch mit den Jahren dachte er immer öfter darüber nach, seine Arbeit ganz in den Dienst der christlichen Kunst zu stellen. Schon lange stand er in Verbindung zu Bruder Franz Blaser aus der Abtei Münsterschwarzach, der dort eine Kunstwerkstätte errichtet hatte. Als Bruder Franz ihn bat am großen Hochaltarkreuz für die Kirche mitzuarbeiten, sagte er zu und nannte diese Zeit in Münsterschwarzach später als seine „Brautschau“. Als Bruder Franz Blaser plötzlich verstarb, erklärte sich Valentin Kraus bereit, sein Erbe anzutreten.

Die Seele des Münsters sollte nach seinem Willen der große Christus des Hochaltars werden. Als Nebenaltäre schuf er die Plastiken des heiligen Benedikt und der heiligen Scholastika. Seine letzte große Arbeit war die überlebensgroße Statue des heiligen Josef, der schützend seine Hand über den Jesusknaben hält. Er konnte zwar das Modell noch schaffen, erlebte aber dessen Ausführung nicht mehr.

Professor Frater Maurus Kraus verstarb an seinem 68. Geburtstag, am 23. August 1941. Seine Ruhestätte fand er zunächst auf dem Mühlhausener Friedhof, wurde aber nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Münsterschwarzach zur Ruhe gebettet. Zu seinen großen Werken gehört auch der Herz-Jesu-Altar in der Rimparer Pfarrkirche St. Peter-und-Paul. Das Oppauer Denkmal, ebenfalls ein Werk des Paters, steht am Eingang zum neuen Friedhof in Rimpar und erinnert die Besucher an die Explosion eines Stickstoffwerkes in Oppau (Rheinland-Pfalz), bei der sieben Rimparer Maurer ums Leben kamen.

Gedenkstein-Feier

Bedeutender Mühlhäuser: Am Samstag, 20. August, um 19 Uhr, wird der Gedenkstein für Professor Frater Maurus Valentin Kraus an der alten Friedhofsmauer in Mühlhausen enthüllt und gesegnet. Im Anschluss an den Gedenkgottesdienst hält Christian Will einen Dia-Vortrag über das Wirken und Schaffen von Frater Maurus. Danach sind die Bürger zu einem Empfang ins Bürgerhaus eingeladen.

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