WÜRZBURG

Musik trägt nur Aufklärung bei

Viele Ehrengäste konnte OB Christian Schuchardt am Freitagabend im Kaisersaal der Residenz zur Eröffnung des Mozartfestes begrüßen.
Viele Ehrengäste konnte OB Christian Schuchardt am Freitagabend im Kaisersaal der Residenz zur Eröffnung des Mozartfestes begrüßen. Foto: T. Obermeier

Einen Traumstart erwischte das diesjährige Mozartfest, das mit einem Kaisersaal-Konzert mit der Camerata Salzburg und dem anschließenden Empfang der Stadt Würzburg am Freitagabend begann.

Mit Mozarts selten zu hörender Sinfonie „Il re pastore“, dem Kammerkonzert für Klarinette, Streichquartett und Streichorchester von Karl Amadeus Hartmann mit Annelien van Wauwe an der Klarinette und dem Schumann Quartett (dem diesjährigen Artiste etoile) sowie einer fulminanten Jupiter-Sinfonie zum Abschluss bot das Orchester unter Leitung von Hartmut Haenchen ein musikalisches Festmenü allererster Güte.

Zum Auftakt des Mozartfests 2018, das unter dem Leitmotiv „Aufklärung. Klärung. Verklärung“ steht, waren der Kaisersaal und der Weiße Saal voll besetzt und Oberbürgermeister Christian Schuchardt konnte zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Botschafter aus Irland und Japan, Parlamentarier aus Bundes- und Landtag, Vertreter der Konfessionen und Repräsentanten aus Wirtschaft, Verwaltung, Verbänden und Hochschulen waren gekommen. Auch die Partnerstädte Caen, Dundee, Umea, Trutnov und Otsu waren vertreten.

Musik hat Ideenwelt befeuert

Das Mozartfest-Motto 2018 zeige, so Schuchardt, wie sehr die Musik zur Aufklärung beigetragen und die Ideenwelt des 18. und 19. Jahrhunderts befeuert habe. So seien die Religions- und Meinungsfreiheit, die heute selbstverständlich seien, aufklärerische Errungenschaften. Aufklärung sei auch heute noch eine Aufgabe, der sich die Demokratie immer wieder neu stellen müsse:„Sie ist heute so notwendig wie damals.“

Wunsch nach Humanität

Bayerns Justizminister Winfried Bausback, der Ministerpräsident Markus Söder vertrat, betonte, dass das Mozartfest seit nunmehr 97 Jahren Gäste aus aller Welt begeistere und ein Höhepunkt im bayerischen Musikjahr sei. Auch er ging auf das Festivalmotto ein und sagte, dass Mozarts Werk von Gedanken der Aufklärung geprägt sei, die heute noch Gültigkeit hätten. Das gelte vor allem in Zeiten zunehmender Intoleranz. Besonders hob er hervor, dass das Mozartfest, beispielsweise mit dem MozartLabor, neue Wege beschreite.

Mozartfest-Intendantin Evelyn Meining stellte fest, dass Kunst und Musik in diesen Jahren mehr denn je ein Ideal beschwören – den Wunsch nach verbindender und verbindlicher Humanität. Die von Kant postulierte Mündigkeit habe der heutige Mensch längst errungen: „Aber er ist über das Ziel hinausgeschossen. Seine Mündigkeit ist in einer Weise übersteigert, dass er er vielfach nur noch sich selbst im Blick hat.“

Musik könne eine ungeheure Kraft entwickeln, so Meining. Es gehe nicht um Alltagsverschönerung und Freizeitvergnügen, es gehe ums Ganze. Es gehe auch darum, in einer immer komplexeren Welt, in der die einfachen Gesetze immer häufiger nicht mehr passen, einen furchtlosen Umgang mit Komplexität zu üben. „Monteverdi, Beethoven, Schönberg, Bach, Strawinsky bieten sich als Trainer an. Sie klingen auch noch schön.“

Rückblick

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