WÜRZBURG

Musikalische Visitenkarte aus Moskau

Mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Klang und Gestaltung traten im Kiliansdom zwei Knabenchöre zum Internationalen Chorkonzert der Würzburger Dommusik an: die Sängerknaben der Moskauer Chorschule „Debut“ mit der künstlerischen Leiterin Alla Yastrebova und die Würzburger Domsingknaben.

Die jungen Moskauer und ihr Dirigent Eldar Abasov widerlegten die Idee, russische Chormusik sei melancholisch und schwer, mit Hilfe des Gegenteils. Von Denis Denisov hochvirtuos am Klavier begleitet, ließen sie mit unterhaltsamen, oft nur ein- bis zweiminütigen musikalischen Visitenkarten weltlich und geistlich keck aufeinander prallen: Pergolesi auf britischen Jazz, Vivaldi auf Jenkins‘ „Adiemus“, ein swingendes When you‘re smiling“ auf russische Volkslieder von exotischem Reiz – vieles bereichert mit charmanten Schlagwerkeffekten.

Schlanke Stimmen aus Russland

Wie schlank die großen Russen klingen können! Unermüdlich vorwärts fühlend, machten die Moskauer Sänger Rachmaninovs „Bogoroditse devo“ zu einem Wunder des linearen Musizierens. Auch Tschaikowskys Legende“ zeigte sich in feiner Eleganz, federleicht und durchsichtig, wodurch man Lautstärke und Volumen nicht vermisste. Diese Schwerelosigkeit ermöglichte den Sängern hüpfende Tempi, so in Donatis „Chi la gagliarda“ oder in Vivaldis Magnificat“ mit leichtgängig arbeitenden Zwerchfellen.

Die Würzburger unter Leitung von Domkapellmeister Christian Schmid hatten sich auf ernste geistliche Chormusik verlegt und als Begleitung – wo nicht a capella – die Orgel gewählt (Domorganist Stefan Schmidt). Schon in „Ruhm und Preis und Ehre“ des zeitgenössischen Komponisten Rolf Rudin schien der dunkle, deutsche Wald durchzutönen.

Würzburger schwerer und satter

Ob Schütz („Also hat Gott die Welt geliebt“), Mendelssohn („Jauchzet dem Herrn alle Welt“) oder Poulenc: Aus den deutschen Kehlen klang alles runder, schwerer, satter. Die Konzentration lag mehr auf dem Klangerleben im Moment, dem Genießen des gepflegten, schönen Einzelton, auf dem Vertikalen in der Musik – was zu mehr Volumen, seltener wie in einem von Poulencs „Quatres prieres de S. Francois d‘Assise“ zu mehr Statik führte.

Vertikal oder horizontal? Das blieb letztendlich eine Geschmacksfrage, die die Qualität beider Chöre nicht berührte: ihre Intonationssicherheit.

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