Zellerau

Mut zur Wahrheit beim Filmdreh

Der Pics4Peace-Filmdreh in der Turnhalle der Don Bosco-Schule war emotional, nun soll die Botschaft auf der Frankfurter Buchmesse an die Öffentlichkeit getragen werden
Filmdreh für Freiheit, Frieden und Demokratie: In der Don-Bosco-Turnhalle kamen 55 Mitwirkende zusammen. Foto: Johannes Kiefer
Filmdreh für Freiheit, Frieden und Demokratie: In der Don-Bosco-Turnhalle kamen 55 Mitwirkende zusammen. Foto: Johannes Kiefer

Rund 55 Menschen stehen im Scheinwerferlicht einer Turnhalle. Zahlreiche Kameras sind auf sie gerichtet. Was genau auf sie zukommen wird? Das wissen sie nicht. Bei der Anmeldung gab es nur wenige Informationen zum Ablauf. Neugierde veranlasste viele zur Teilnahme und der Wille, eine politische Botschaft zu unterstützen - für Freiheit, Frieden und Demokratie.

Die Idee zu der Veranstaltung, die am vergangen Sonntag in der Don Bosco Schule stattfand, hatten die pics4peaceYoungsters. Das ist eine Gruppe junger Menschen, die sich innerhalb des gleichnamigen Vereins der ehemaligen Oberbürgermeisterin Pia Beckmann organisiert haben. Die Dreharbeiten liefern Material für einen Kurzfilm, der sich mit den Themen Extremismus, Populismus und Rassismus auseinandersetzt. Regie führte Alex Draheim von der Würzburger Firma boxfisch-Film.

Darsteller über Mund-zu-Mund-Propaganda gesucht

Die Darsteller wurden über Anzeigen oder Mund-zu-Mund-Propaganda gesucht. Die angestrebten 80 Teilnehmer wurden zwar nicht erreicht. Aber bereits die 55 Mitwirkenden demonstrierten eine gewisse gesellschaftliche Vielfalt. So waren alle Altersgruppen vertreten - von Schülern bis Rentnern.

Die Teilnehmer mussten 35 Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Foto: Johannes Kiefer
Die Teilnehmer mussten 35 Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Foto: Johannes Kiefer

Auch verschiedene Nationalitäten waren unter den Freiwilligen. Einige Personen kamen in ihrer Arbeitskleidung, wie beispielsweise der Anästhesiepfleger Christof Stein (38) oder Lorenz Böck (28) und Leonie Fröhner (22) von den Maltesern. Auch acht Mitglieder der "Harley Friends Würzburg" mit passendem Logo auf den T-Shirts waren Teil der Gruppe.

Erschrocken über eigenes Schubladendenken

Durch das Mikrofon ertönt die Stimme von Lukas Keller (22), der als Moderator durch die Veranstaltung führt: "Ihr seid mutig. Es wäre durchaus bequemer an einem Sonntagnachmittag zu Hause Netflix zu schauen. Aber stattdessen seid ihr hier." 35 Fragen stellt Keller, die alle wahrheitsgemäß mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden sollen. Bei einem "Ja" geht's einige Schritte nach vorne, man stellt sich vor eine Leinwand und schaut direkt in die Kamera.

Die Dreharbeiten sind dynamisch. Die Darsteller lösen sich aus der großen Gruppe und begeben sich in ein neues Team Gleichgesinnter. Die Antworten der Anderen lösen oft Erstaunen aus: "Die Person hätte ich anders eingeschätzt!" Im gleichen Moment ist man erschrocken über das eigene Schubladendenken.

Antworten lösen Erstaunen aus

"Wer hat Angst vor der Zukunft? Wer hat in seiner Umgebung bereits fremdenfeindliche Angriffe erlebt? Wer hat schon einmal persönliche Gewalt erfahren? Wer hat in seiner Schule, Hochschule, privat oder am Arbeitsplatz gemerkt, dass eine Person diskriminiert wurde? Wer hat Angst vor Überfremdung?"

Während des Filmdrehs bekommen die Teilnehmer Fragen zu Religion, Diskriminierung und persönlichen Gefühlen gestellt. Foto: Johannes Kiefer
Während des Filmdrehs bekommen die Teilnehmer Fragen zu Religion, Diskriminierung und persönlichen Gefühlen gestellt. Foto: Johannes Kiefer

Es ist still im Raum. Unter den Scheinwerfern wird es immer wärmer. Die Darsteller konzentrieren sich. Gehen in sich. Suchen nach Antworten. Und bringen den Mut auf, ehrlich zu sein - vor den vielen fremden Menschen und den Kameras.

Wer fühlt sich einsam?

Nächste Aufgabe: "Stellt euch vor, ihr geht die Treppe hinunter in einen dunklen Keller. Dort ist eine Lampe. Ihr setzt euch in den Lichtkreis. Es ist keiner weiter da. Ihr seid ganz allein. Stellt euch dieses Gefühl vor... und beantwortet die Frage: Wer kennt das Gefühl? Wer fühlt sich einsam?"

Zunächst bewegt sich keiner. Doch dann löst sich eine ältere Frau aus der Menge und geht zur Leinwand. Wieder ist sie einsam. Sie steht allein vor der Kamera. Der Moment ist nur schwer auszuhalten. Man spürt die Spannung im Raum und die eigene Gänsehaut. Die Stille wird kurz unterbrochen - mit anerkennendem Applaus für ihren Mut.

Neugierde auf den fertigen Film 

Der Filmdreh zeigt die Emotionalität von Wahrheiten. Das Erlebnis rege zum Nachdenken und intensiven Gesprächen an, sagt Teilnehmer und Jugendseelsorger Thorsten Kneuer. Auch die Veranstalter sind begeistert: "Ich bin überwältigt, wie gut die Menschen mitgemacht haben", sagt pics4peaceYoungster-Sprecher Lucas Peuser. Auch Pia Beckmann ist beeindruckt: "Ich bin sehr neugierig auf den fertigen Film."

Die Premiere wird im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse gefeiert. Danach wird der Kurzfilm auf den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Die Initiatoren haben die Hoffnung, dass ihre Botschaft viele Menschen erreicht: "Wir haben alle die gleichen Interessen, Sorgen und Ängste, auch wenn wir verschieden sind." 

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Zellerau
  • Frankfurter Buchmesse
  • Kurzfilme
  • Mut
  • Pia Beckmann
  • Schauspieler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!