WÜRZBURG

Nach Axt-Attentat: Erste Opfer fliegen nach China zurück

Es sind gute Nachrichten, die das Universitätsklinikum Würzburg auf Anfrage unserer Redaktion am Mittwoch verkündet: Der Gesundheitszustand der vier Patienten aus Hongkong, die bei dem Axt-Attentat vom 18. Juli in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt worden waren, hat sich weiter deutlich gebessert. „Zwei Patienten können in den nächsten Tagen die Klinik verlassen“, teilt der Ärztliche Direktor der Klinik, Professor Georg Ertl, mit. Einer der beiden noch im Krankenhaus bleibenden Patienten befindet sich in einer Frührehabilitation. Seine Genesung werde noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Ferner werde die Familie weiter psychologisch betreut.

Chinesisches Ehepaar kann nach Hongkong zurückfliegen

Das chinesische Ehepaar kann jetzt also in seine Heimatstadt Hongkong zurückfliegen. Die Tochter und ihr Freund, der lange Zeit im künstlichen Koma lag, bleiben noch in Würzburg. So auch die Schwester des 30-jährigen Mannes, die zusammen mit ihrer Mutter eigens angereist war, um dem schwer verletzten Bruder beizustehen. Der junge Mann wird weiter in der Uniklinik behandelt. Seine Mutter ist inzwischen nach China zurückgekehrt. Die Schwester wolle so lange bleiben, bis sie gemeinsam nach Hause fliegen können.

Mitglieder der „Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft“ kümmerten sich in den vergangenen Monaten ehrenamtlich um die Opfer-Familien, spendeten Geld und vor allem eines: Trost. Tingyao Lu ist eine der ehrenamtlichen Helferinnen. Die chinesische Germanistikstudentin, die in Würzburg an ihrer Masterarbeit schreibt, ist diejenige, die für Ärzte und Angehörige dolmetscht und die sich seit Beginn um die Opfer kümmert. Ihr Eindruck der vergangenen Monate: „Sie erholen sich gut – körperlich und psychisch.“

Verein organisiert Stadtführung für chinesische Familie

Als Zeichen dafür wertet sie eine Stadtführung, die der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Dr. Hans-Peter Trolldenier, für die Opfer am Dienstagabend organisiert hat. Das Ehepaar und seine Tochter haben daran teilgenommen. Auf Mandarin wurden sie durch die Würzburger Innenstadt geführt, haben die Residenz von innen, den Dom und viele andere schöne Orte der Stadt kennengelernt, um anschließend in einem typischen Würzburger Lokal zu Abend zu essen. Die Gästeführerin, die der Familie in der Landessprache die Geschichte und Kultur Würzburgs näher gebracht hat, meint: „Sie haben es genossen.

Trotz all der schrecklichen Dinge, die hier passiert sind.“ Auch wenn der Rundgang für die Opfer körperlich noch recht beschwerlich gewesen sei, hätten alle entspannt gewirkt. Die Stadtführerin ist froh, dass die Familie die Kraft und Energie gefunden habe, auch etwas von den schönen Dingen hier mitzubekommen. Ähnlich sieht das Tingyao Lu, die bei der Führung mit dabei war. „Sie waren froh, aus dem Krankenhaus herauszukommen.“

„Reiner Zufall, dass das Attentat hier in Würzburg passiert ist“ (Tingyao Lu)

Doch auch wenn der Genesungsprozess sehr lange dauere, hätten sich die Verletzten in Würzburgs Kliniken gut aufgehoben gefühlt. Der junge Mann bekäme Kurse zur Rehabilitation, die Krankenschwestern seien geduldig und nett. Auf die Frage, ob die Betreuung der Opfer sie emotional sehr mitgenommen habe, antwortet die Studentin: „Ich bin froh, dass ich helfen konnte.“ Auch ihre Familie wird in Kürze zu Besuch nach Deutschland kommen.

Der Eindruck, den ihre Verwandten und Freunde in China von Würzburg nach dem Axt-Attentat eines afghanischen Flüchtlings haben: „Sie wissen, dass Würzburg eine sehr sichere Stadt ist und dass es reiner Zufall war, dass das Attentat hier passiert ist.“

Um die Familie des jungen Mannes zu unterstützen, der noch im Krankenhaus liegt und den Aufenthalt seiner Angehörigen in Deutschland zu finanzieren, hat der Verein ein Spendenkonto eingerichtet. „Die Gelder gehen unmittelbar an die Betroffenen“, verspricht Trolldenier.

Spendenkonto:

Sparkasse Mainfranken, Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft Würzburg e. V.,

IBAN: DE87790500000048212328

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