Würzburg

Nach dem Bienen-Volksbegehren: Was Imker kritisch sehen

Auch die Bienen haben dem Volksbegehren zur Artenvielfalt Anfang des Jahres zum Erfolg verholfen. Für Imkerpräsident Peter Maske war das Motto "Rettet die Bienen" allerdings Etikettenschwindel. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

"Superbiene" steht in honigfarbenen Lettern auf dem Schild, das von der Decke der Messehalle hängt. Darunter die Zeichnung eines schwarz-gelben Insekts, das tatsächlich an die Helden aus Comicheftchen erinnert. Die Biene lächelt triumphierend, Daumen nach oben und Eimer mit der Aufschrift "Power Honey" in der Hand. Superkräfte könnte man der Biene schon unterstellten: Kein  Volksbegehren in Bayern war so erfolgreich wie das unter dem Motto "Rettet die Bienen" Anfang des Jahres.

Im Juli hat der Bayerische Landtag die Gesetzesvorlage zum Schutz der Artenvielfalt angenommen. Kein Zufall, dass sich der Fachbereich Verbraucherschutz, Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung der Stadt Würzburg die Biene als Thema für ihren Stand auf der Mainfranken-Messe entschieden hat und die "Superbiene" als Maskottchen wählte. "Wir freuen uns, dass die wichtigen Aufgaben der Biene in diesem Jahr so in den Fokus gerutscht sind", sagt Veterinärdirektor Lieven Pool. Die Messebesucher können am Stand der Behörde unter anderem Honig verkosten und in einem Quiz ihr Wissen über die Blütenbestäuber testen.

Honigbienen nicht vom Aussterben bedroht

Der Hype um das Insekt hält an. Dabei müsse die Westliche Honigbiene, im alltäglichen Sprachgebrauch schlicht Biene genannt, gar nicht gerettet werden, sagt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes. Tatsächlich nehme die Zahl der Bienenvölker europaweit und weltweit sogar zu. Allein die Zahl der Imker sei in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren von rund 85.0000 auf etwa 125.000 gestiegen. "Der Aufhänger des Volksbegehrens war eigentlich Etikettenschwindel. Man hat damit aber den Nerv der Bevölkerung getroffen", so der Verbandspräsident aus Schwarzach am Main (Lkr. Kitzingen). 

Hätte das Motto „Rettet die Stubenfliege“ gelautet, hätte es wohl nicht so einen Erfolg gegeben, meint Maske. Von einer Täuschung der Bevölkerung könne keine Rede sein, findet hingegen Veterinärdirektor Lieven Pool. "Der gut informierte Bürger wusste, dass es um mehr ging als um die Honigbiene."

Nahrungsmangel für Insekten 

Dass durch das Volksbegehren vielmehr die Insektenvielfalt im Allgemeinen und vor allem  Wildbienenarten geschützt werden sollten, sagt auch Bio-Imker Christian Peter aus Leinach (Lkr. Würzburg). Durch die Gesetzesänderung sollen künftig 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern ökologisch bewirtschaftet werden. Außerdem ist nun der Einsatz von Pestiziden in Naturschutzgebieten verboten. Und den Insekten sollen mehr Blühwiesen zu Verfügung stehen, wenn Bauern einen Teil ihrer Flächen erst später im Jahr mähen. 

"Wir brauchen insgesamt ein Umdenken in der Landwirtschaft", sagt Peter. Durch den Mangel an Sträuchern, Blühstreifen und Hecken gebe es einen Nahrungsmangel in der Flur, der alle Insekten betrifft. Während Imker mit ihren Honigbienen-Völkern dorthin umzuziehen können, wo sie Pollen und Nektar finden, haben wildlebende Bienen das Nachsehen. Von den rund 560 Wildbienenarten sind nach Angaben des Bund Naturschutzes rund die Hälfte gefährdet.

"Naturschutz ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft."
Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes

Für Imkerpräsident Maske führen die neuen Regelungen im bayerischen Naturschutzgesetz in die "richtige Richtung". Dennoch übt Maske auch Kritik: Durch das Volksbegehren hätten die Landwirte  "ein noch schlechteres Image" bekommen. Außerdem missfalle ihm, dass nur die Bauern von den gesetzlichen Maßnahmen betroffen seien. "Naturschutz ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Jeder kann und sollte einen Beitrag leisten."

Bio-Imker Christian Peter hofft, dass das Volksbegehren etwas zum Positiven verändert: "Dazu sind wir aber alle gefordert. Nicht nur der Landwirt, sondern auch der Verbraucher." Der müsse sein Kaufverhalten ändern, also mehr regionale Lebensmittel und Bioprodukte nachfragen - auch wenn sie häufig teurer sind. Beim Geld, so Peter, höre die Freundschaft bei vielen auf. 

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