Würzburg

Nachhaltigkeit: So soll Würzburgs Uni grüner werden

Alle reden vom Klimaschutz. Und was ist mit Würzburgs Universität und ihren fast 30 000 Studierenden? Öko-Initiativen gibt es, doch auch die Leitung ist gefordert.
Nachhaltige Universität: Im studentischen Referat Ökologie setzen sich (von links) Pascal Bunk, Molina Klingler und Fabian Onkels für naturnahe Flächen und Kleinbiotope ein - wie hier unterhalb des zentralen Hörsaalgebäudes. Foto: Andreas Jungbauer

Alle reden vom Klimaschutz, Bienenretten und dem Höhenflug der Grünen - die neue Ökowelle hat auch die Universität Würzburg erfasst: Bei den Hochschulwahlen im Juli holte die Grüne Hochschulgruppe zwölf von 20 Sitzen im studentischen Konvent. Doppelt so viele wie noch vor einem Jahr - wenn auch bei gleichbleibend niedriger Wahlbeteiligung von nur 11,5 Prozent.

Grün ist in. Doch nicht erst mit Greta Thunberg und den Freitagsdemos, an denen sich auch Studierende beteiligen, ist man an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) aktiv geworden. Schon seit längerem gibt es eine Reihe studentischer Umweltinitiativen an Instituten.

Nachhaltige Universität: Pascal Bunk vom Referat Ökologie der Studierendenvertretung zeigt auf eine "Wuselfläche" - ein Kleinbiotop, das selten gemäht wird. Foto: Andreas Jungbauer

Hinter dem Students' House auf dem Hubland-Nordgelände wächst und gedeiht der Campusgarten mit mittlerweile 80 Beeten, gepflegt von ebenso vielen Gärtnern. Auch Professorinnen und Uni-Angestellte sind darunter. Gemanagt wird der Garten - unter dem Dach der Studierendenvertretung - vom Referat Ökologie, das dafür vor zwei Jahren den ersten Nachhaltigkeitspreis der Uni bekam.  Auch eine Ringvorlesung zur Nachhaltigkeit hat das Referat organisiert.

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Und es gibt "Wuselflächen": Wiesenstücke auf dem Campus, die als Kleinbiotope nur noch einmal im Jahr gemäht werden und auf denen Insekten Totholz und Eidechsen einen Steinhaufen finden. Informationstafeln erklären, worum es hier geht. Verantwortlich dafür ist die Initiative "Lebendiger Campus"  angehender Biologen: Sie erfassen, auch mit Wildtierkameras und Spurentunnel, systematisch die Artenvielfalt am Campus. Sogar ein Dachs wurde schon gesichtet.

Eine zentrale Anlaufstelle soll geschaffen werden

Was diesen Öko-Aktionen fehlt: studentische Mitstreiter - beispielsweise für das aufwändige Mähen der Wiesen mit Sensen, aber auch fürs Organisieren. Interesse an den Themen scheint da, trotzdem winken die meisten ab: Zeitmangel. Und es fehlt an einer zentralen Stelle, die koordiniert, bündelt und Wissen weitergibt.

Nachhaltige Universität: Promotionsstudentin Molina Klingler mit frischer Ernte aus ihrem Beet im Campus-Garten. Foto: Andreas Jungbauer

Studenten wechseln nach zwei oder drei Jahren häufig die Hochschule. "Dann fangen die nächsten von vorne an", beklagt Pascal Bunk vom Referat Ökologie. Man müsse die Initiativen verstetigen. Der 37-Jährige und seine 30-jährige Kollegin Molina Klingler fordern deshalb ein Nachhaltigkeitsbüro oder "Green Office" der Uni, das hauptamtlich besetzt werden soll. Ein vorläufiges Konzept dazu gibt es.

Andere Universitäten haben bereits Nachhaltigkeitsbüros

Das Büro bekäme ein offizielles Mandat der Uni-Leitung und wäre ein anerkanntes Organ. Andere Hochschulen wie in Berlin, Konstanz oder Hildesheim machen es seit Jahren vor. Unterstützung kommt in Würzburg vom Sprecherrat der Studierenden. Mitglied Lucie Knorr schwebt eine Art "Umweltstation" für die Uni vor. Zudem vermisst sie ein "Leitbild" für eine nachhaltige Entwicklung und einheitliche Maßnahmen. 

Mitarbeiter des studentischen Referats Ökologie an einem Steinhaufen für Eidechsen im Campus-Garten (von links) Pascal Bunk, Molina Klingler und Fabian Onkels. Foto: Andreas Jungbauer

Uni-Vizepräsidentin Barbara Sponholz ist dankbar für das Umwelt-Engagement der Studierenden. Die Geografieprofessorin leitet die seit 2013 bestehende Nachhaltigkeitskommission. Ein großer Wurf ist dem Gremium mit etwa 15 Leuten aus verschiedenen Bereichen indes noch nicht gelungen. Einmal im Semester trifft man sich - zu selten. Um Nachhaltigkeit an der Uni wirklich voranzutreiben, "genügt das nicht", räumt Sponholz ein.

Befragung zeigt Wildwuchs an Initiativen

Immerhin, 2018 hat die Kommission eine breit angelegte Umfrage zur Nachhaltigkeit unter Studierenden und Beschäftigten durchgeführt. Das Positive für die Uni-Vize: "Wir haben gesehen, wie viele Initiativen wir an der Hochschule bereits haben." Deutlich wurde bei der Befragung aber auch der Wunsch nach einer zentralen Anlaufstelle, um Informationen zu bündeln.

Geografieprofessorin Barbara Sponholz leitet die Nachhaltigkeitskommission der Uni Würzburg. Foto: Daniel Peter

Und so rennen die Studierenden mit ihrem Vorstoß für ein "Green Office" zumindest bei Sponholz offene Türen ein: "Wir suchen nach Wegen, um das in der Uni zu verorten." Beim Ministerium will sie einen Antrag auf Förderung stellen. "Es soll primär eine Informations- und Austauschplattform sein, damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss."

Erster Nachhaltigkeitsbericht noch in diesem Jahr?

Noch im Laufe des Jahres will Sponholz mit der Kommission auch den ersten Nachhaltigkeitsbericht für die Uni Würzburg herausgeben. Er soll - künftig wohl alle zwei Jahre - Vorhandenes sammeln und neue Ziele formulieren. Nicht nur für die ökologische, sondern auch für die wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit.

Ob Fahrradstellplätze, Mülltrennung oder Umstellung auf E-Autos: Dass noch viel mehr Anstrengung nötig ist, das hat auch Unipräsident Professor Alfred Forchel unterschrieben: in einem "Memorandum of Understanding", einer Absichtserklärung im "Netzwerk Hochschule & Nachhaltigkeit Bayern", dem alle Hochschulen im Freistaat angeschlossen sind.

Studierende müssen eigenes Verhalten hinterfragen

Und die Studierenden selbst? "Es wäre viel gewonnen, wenn sich die Studierenden an der Uni so benehmen würden wie zuhause", sagt Pascal Bunk vom Referat Ökologie. Ergo: Licht ausschalten, Fenster schließen, Türen im Winter nicht offen stehen lassen - oder mit Bus oder Rad zur Uni fahren und Mehrwegbecher nutzen. Klingt banal, ist es aber nicht. Man dürfe nicht nur auf die große Politik warten, mahnt Molina Klingler. "Wir brauchen mehr Verantwortungsbewusstsein für das eigene Handeln."

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