WÜRZBURG

Nachwuchssorgen in der Notfallsorge

Leben retten können gut ausgebildete Rettungskräfte, die bei Unfällen, in medizinischen Notfällen und bei Katastrophen in Windeseile vor Ort sind. Die Windeseile, mit der die Rettungsdienste eintreffen sollen, hat der Gesetzgeber sogar gesetzlich erfasst. Zwölf Minuten, so lautet die Vorgabe, sollen Helfer maximal brauchen, um an den Unglücksort zu eilen.

Im Landkreis Würzburg, machte Eva-Maria Löffler vom Zweckverband Rettungsdienst und Alarmierung deutlich, trifft das in neun von zehn Fällen zu. Das ist erfreulich, weil Betroffene im Landkreis damit besser dran sind als anderswo. Denn bayernweit kommt nur in 85 Prozent der Einsätze Hilfe innerhalb der geforderten Zeit, heißt es in einer Pressemitteilung.

Warum sich bei dem Informationsgespräch von Vertretern und Rettungsdiensten in Giebelstadt mit den Landespolitikern trotzdem keiner über das bessere Ergebnis freute, liegt auf der Hand: Schließlich möchte niemand Angehörigen mitteilen müssen, dass Mutter, Opa, Sohn, Tante oder Braut ausgerechnet der oder die eine von Zehn waren, bei denen es mit der schnellen Hilfe leider nicht klappte. Insofern ist Handlungsbedarf in jedem Fall gegeben.

Das bestätigten die Verantwortlichen von BRK der integrierten Leitstelle, von der Rettungswache und der Berufsfeuerwehr, von BRK, Maltesern und Johannitern den Abgeordneten Harry Scheuenstuhl und Volkmar Halbleib. Die beiden SPD'ler hatten zu einem Informationsaustausch mit den Fachleuten eingeladen. Dabei erfuhren sie, dass das zwar gute, aber eben nicht ausreichende Ergebnis bei einer Alarmierung in der Region nur aus der reibungslosen und selbstverständlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten resultiert. Nur diese verhindere auch, wurde Löffler deutlicher, dass weitere Probleme nicht noch stärker zutage träten.

Diese allerdings sind elementar. Die wichtigsten Handlungsschwerpunkte kristallisierten sich in allen Gesprächen mit Berufsgruppen und Verbänden im Bereich Notfallsorge heraus: fehlende Kapazitäten bei Material, Finanzen und Personal, Nachwuchssorgen, nicht an die heutige Arbeitswelt angepasste Ausbildungsformalitäten sowie bürokratische und technische Hindernisse für Nothelfer. Immer höhere Hygiene- und Qualitätsstandards, auch bei der Ausbildung, seien zwar wichtig. „Aber wir müssen den Notdiensten im Gegenzug dafür auch mehr Ressourcen zur Verfügung stellen.“

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht das Problem: Wegen der Gefährlichkeit von Krankenhauskeimen wurden diesbezügliche Kontrollen verstärkt. Das verlängert die Dauer der Einsätze: Die Volldesinfektion eines Rettungswagens dauert vier Stunden. In dieser Zeit stehen Fahrzeug und Personal für weitere Einsätze nicht zur Verfügung.

Noch zwei weitere Möglichkeiten, den Problemen entgegenzutreten, sehen die SPDler: „Wir müssen den Beruf des Rettungssanitäters attraktiver machen und neue Wege bei der Qualifizierung gehen“. Auch hier sei der Gesetzgeber gefordert.

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