Veitshöchheim

Narrentreffen im Sommer: Fastnacht-Verband feiert Jubiläum

Zur 66-Jahr-Feier in Veitshöchheim kamen die Größen des Faschings und viele Vertreter der Basis. Die Festrede hielt eine Frau, deren Herz an der Fastnacht hängt.
Bei der Jubiläumsgala vom Fastnacht-Verband Franken präsentierten sich sieben deutsche Meisterinnen aus Franken im Gardetanz. Foto: FVF

Manch ein Spaziergänger an diesem lauen Sommerabend am Mainufer in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) wird sich gewundert haben beim Anblick all der Fastnachtsgrößen, die da zu ungewohnter Jahreszeit in die Mainfrankensäle strömten: Der Fastnacht-Verband Franken (FVF) feierte sein 66-jähriges Bestehen mit einer bunten Gala aus Witz, Tanz, Brauchtum, Rück- und Ausblick, und da durften Akteure wie Büttenredner Peter Kuhn und die närrische Putzfraa Ines Procter auf der Bühne genauso wenig fehlen wie etwa das Weinbäuerle Günther Stock oder Feierwehr-Kommandant Norbert Neugirig unter den rund 450 Gästen im Publikum.

Verbands-Präsident Marco Anderlik (links) begrüßte in Veitshöchheim auch die beiden Ehrenpräsidenten Franz "Mecki" Binder (Mitte) und Bernhard Schlereth. Foto: FVF

Verbands-Präsident Marco Anderlik bedankte sich vor allem bei der Basis: 110 von 335 Mitgliedsgesellschaften hatten ihre Abordnungen nach Veitshöchheim geschickt. "Die Förderung der kleinen Vereine ist mir ein großes Anliegen", so Anderlick, der seit vergangenem Jahr als Nachfolger von Bernhard Schlereth im Amt ist und der sich seit Sessionsende in 14 Regionaltreffen einen Überblick über die aktuellen Themen verschafft hat.

FVF-Präsident Anderlik fordert Stärkung des Ehrenamts

Anderlik erinnerte auch an die Anfänge des Verbands in den 50er Jahren und skizzierte die Entwicklung hin zu einem heute fast schon kleinen Unternehmen mit dem Betrieb von Fastnachtsmuseum sowie -akademie in Kitzingen, der Geschäftsstelle in Veitshöchheim und der Umsetzung der beliebten Fernsehformate "Fastnacht in Franken" oder "Närrische Weinprobe". Drei Beschäftigte hat der FVF, daneben sind 80 ehrenamtliche Mitarbeiter für den Verband tätig. Die intensive Förderung der Jugend etwa durch Schulungen sowie die Stärkung des Ehrenamts nannte Anderlik als zwei der Hauptaufgaben des Verbandes, der knapp 100 000 Mitglieder vertritt, darunter 20 000 Kinder und Jugendliche. Von der Politik forderte der FVF-Präsident "dringend eine verbesserte Ehrenamtsförderung".

Im "Haus der Fastnacht" in Veitshöchheim ist auch die Geschäftsstelle des Fastnacht-Verband Franken untergebracht. Foto: Dieter Gürz

Die Festrede in Veitshöchheim hielt Barbara Stamm, die sich selbst "als Närrin der ersten Stunde" bezeichnete und der "fränkischen Fastnacht von ganzem Herzen verbunden" sei. Ihren Fokus legte die ehemalige Landtagspräsidentin auf die Jugendarbeit: "Es ist schön zu sehen, mit wie viel Freude und Begeisterung die jungen Menschen hier dabei sind." Ihre frischen Ideen und ihre manchmal auch andere Sicht auf die Dinge würde den Vereinen gut tun, so Stamm. "Das ist im Sport so, das ist in der Kultur so und das ist in der Politik so – und bei der Fastnacht auch." Sie bezeichnete das Ehrenamt als den "wahren Reichtum in unserem Land", das oft nur nach DAX-Werten und Bruttoinlandsprodukt bemessen werde. In Bayern seien 47 Prozent der Menschen über 14 Jahre ehrenamtlich tätig. 

FVF-Ehrenmitglied Stamm sagt, sie habe den Abend in ihrer "Fastnachtsfamilie sehr genossen". Im Februar hatten sich all die Akteure bei "Fastnacht in Franken" vor laufenden Kameras vor ihr verbeugt und Danke gesagt für ihr Engagement. Danach hatte Barbara Stamm im Gespräch mit dieser Redaktion angedeutet, dass ihr Besuch in der Live-Sitzung der letzte gewesen sein könnte: "Es ist wie mit allem Leben: Irgendwann ist Schluss."

Das habe ein riesiges Echo ausgelöst, sagt sie nun, sie habe unzählige Briefe und Anrufe erhalten: "Viele haben mir gesagt, dass ich das nicht machen könne, ich würde doch dazu gehören." Sie selbst aber hat ein feines Gespür. Endgültig entschieden hat sie sich noch nicht: "Ich bin hin- und hergerissen", sagt sie. Die Tendenz scheint dahin zu gehen, die Sendung etwas aus der Distanz zu verfolgen: "Ich muss ja nicht im Vordergrund stehen."

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