WÜRZBURG

Neue Beleuchtung: Schonendes Licht für Kilian

Neue Beleuchtung für das Kiliansbanner: Regierungspräsident Paul Beinhofer (zweiter von links) sammelte bei seinem Geburtstag; die Firma von Matthias Bruhnke (links) entwickelte und installierte das regulierbare LED-Licht. Museumsleiterin Claudia Lichte (Zweite von rechts) und Restauratorin Susanne Wortmann freuten sich. Foto: Thomas Obermeier

Besucher des Fürstenbau-Museums auf der Festung können eine knapp 750 Jahre alte Fahne endlich scharf ins Auge fassen: Die Rede ist vom Kiliansbanner, das rund fünf Meter hoch ist. Mit dem wehenden Riesentextil zogen hiesige Streitkräfte anno 1266 den Hennebergern entgegen, um die Selbstständigkeit der Region mit Waffengewalt zu erhalten.

Es gelang. „Andernfalls wären wir vielleicht ein Teil von Südthüringen geworden.“ So blickt jemand zurück, der sich in der Verwaltung von Territorien auskennt, nämlich der unterfränkische Regierungspräsident Paul Beinhofer. Weil das „älteste Feldzeichen Deutschlands“, eben die Fahne mit dem Würzburger Patron, in der Schlacht am Cyriakustag 1266 solch eine eminente Bedeutung gewann – schließlich kam sie anschließend für Jahrhunderte in den Dom –, ist das Banner für Paul Beinhofer „viel wichtiger als das fränkische Herzogsschwert“.

Letzteres hütet heute bekanntlich der Freistaat Bayern, Beinhofers Dienstherr, und möchte es keinem mainfränkischen Museum überantworten. Sein Top-Beamter, Regierungspräsident Beinhofer, setzte sich nun für das Kiliansbanner ein. Nicht nur ideell, indem er es als „bedeutendes Zeichen fränkischer Geschichte“ pries, sondern auch materiell.

Bei seinem 60. Geburtstag bat er um Geldgeschenke, die er dem stadtgeschichtlichen Museum weiterleitete. 5150 Euro kamen einer Lichtinstallation „unseres Banners“ zugute.

Zuvor hing das Exponat in der Stadt-Abteilung des Mainfränkischen Museums reichlich duster. Denn geschaffen wurde es im Hochmittelalter aus Leinen, mit Aufnähern aus Seide und Leder, zudem mit eiweißgebundener Farbe koloriert.

Dieses extrem empfindliche Kriegsgerät leidet ebenso unter ultravioletter wie unter infraroter Strahlung. Deshalb lastete jahrzehntelang fast gar kein Licht auf den Stoffen. Doch just die genannten gefährlichen Spektralbereiche bleiben bei der neuen Illumination ausgespart: LED macht's möglich. Die Würzburger Firma Stridelight baute die Speziallampen, deren Lichttemperatur extrem textilschonend und energiesparend geregelt werden kann. Außerdem lassen sich wechselnde Details des Kiliansbanners mit verändertem Licht besonders hervorheben, etwa wenn bei einer Führung auf gelbliche oder bräunliche Applikationen verwiesen werden soll.

Stridelight-Geschäftsführer Matthias Bruhnke demonstrierte eine solche Farb-Light-Show mit steuernden Griffen auf seinem Smartphone. Denn das ist das Einzigartige dieser Würzburger Entwicklung: Das LED-Licht lässt sich von einem Touchscreen aus drahtlos über das Internet regulieren.

Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte dankte Beinhofer und auch Bruhnke, mit dem ihr Haus seit vier Jahren zusammenarbeitet. Die Kooperation begann mit den Vorbereitungen zur Inszenierung eines barocken Sekretärschrank. Der war das erste „Leuchtturmobjekt“ im Mainfränkischen Museum. Damals musste noch jede Lampe von Hand als Einzelstück gefertigt werden, inzwischen hat Bruhnke seine Entwicklung für Galerien und Architekturausleuchtung serienreif gemacht.

„Ohne den Sieg in der Schlacht am Cyriakustag 1266 wären wir vielleicht ein Teil von Südthüringen geworden.“
Paul Beinhofer Regierungspräsident

Jubilar Beinhofer sprach bei der ersten Lichtdemonstration am Kiliansbanner auch den künftigen Entwicklungsbedarf von Mainfränkischem und Fürstenbau-Museum an, verdanke es „seinen heutigen Zustand“ doch dem Umstand, dass Würzburg vom Krieg zerstört wurde und die Exponate eben „irgendwo untergebracht“ werden mussten.

Er sieht die Einrichtung auf der Festung als langwährendes Provisorium. Doch falls Deutschland von keiner „übertriebenen Wirtschaftskrise“ heimgesucht werde, sieht er gute Chancen für die Umwandlung des Regional- in ein Landesmuseum.

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