Würzburg

Neue Bücher: Wie Würzburg zerstört wurde und was danach geschah

Die Geschichtswerkstatt hat zum 75. Jahrestag der Zerstörung Würzburgs zwei Broschüren veröffentlicht. Beide sind sehr eindrucksvoll geraten.
Nur noch Ruinen: Blick von der Neubaustraße zur Festung Marienberg nach dem 16. März 1945
Nur noch Ruinen: Blick von der Neubaustraße zur Festung Marienberg nach dem 16. März 1945 Foto: Sammlung Willi Dürrnagel

Alljährlich zum Jahrestag der Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 veranstaltet die Geschichtswerkstatt im Verschönerungsverein eine Fotoausstellung (noch bis 27. März im Rathaus) und veröffentlicht dazu eine umfangreiche Broschüre mit den ausgestellten Bildern und Texten. So auch in diesem Jahr, in dem freilich der 75. Jahrestag in seiner öffentlichen Wahrnehmung stark beeinträchtigt war. Die Geschichtswerkstatt hat in diesem Jahr gleich zwei Broschüren herausgebracht, die sich deutlich voneinander unterscheiden, aber doch auch gegenseitig ergänzen.

Das 100-seitige Heft „Chronologie der Zerstörung Würzburgs im Zweiten Weltkrieg“ ist stark an der Ausstellung ausgerichtet, die im Foyer des Rathauses gezeigt wurde. Es ist aber mehr als nur ein Ausstellungskatalog. Die zweite 50-seitige Broschüre hat den Titel „Die Jahre danach“ und enthält Erinnerungen von Helmut Försch an die Jahre 1945 bis 1950.

Dokumenation der Bombenangriffe auf Würzburg, die schon 1942 begonnen haben.
Dokumenation der Bombenangriffe auf Würzburg, die schon 1942 begonnen haben. Foto: Geschichtswerkstatt

Viele kleinere Angriffe vor dem 16. März

Denkt man die Zerstörung Würzburgs im Zweiten Weltkrieg, dann fällt einem unweigerlich das Datum 16. März 1945 ein. Doch war dies bei weitem nicht der erste und einzige Angriff auf die Stadt, in dem von den Nationalsozialisten angezettelten Krieg. Es gab im Vorfeld viele kleinere Angriffe, die teils großen Sachschaden anrichteten und auch Menschenleben forderten. Diese Luftangriffe sind in der Chronologie in Text und Bild dokumentiert.

Bereits am 21. Februar 1942 fielen die ersten Bomben auf Würzburg und zwar im Frauenland. Große Sachschäden entstanden dabei nicht, auch waren keine Opfer zu beklagen. Dann war ziemlich genau zwei Jahre lang Ruhe, ehe am 21. Juli 1944 schwere Sprengbomben zahlreiche Häuser am Nikolausberg verwüsteten, dabei starben 42 Würzburger. Eindrucksvolle Bilder zeigen die Wirkung dieser Angriffe, gezeigt wird aber auch, wie sich Würzburg auf weitere Angriffe vorbereitet. Beispielsweise durch "Tarngärten" auf dem Residenzplatz, die aber völlig unwirksam waren.

Im Februar 1945 wurden die Angriffe intensiver, als mehrfach Luftminen auf Würzburg abgeworfen wurden und teils erhebliche Schäden verursachten. Und schließlich folgte der Großangriff am 16. März. Die zahlreichen Bilder werden ergänzt durch mehrere Zeitzeugenberichte, die das Geschehen ebenso eindrucksvoll vor Augen führen wie die Fotografien und abgebildeten Dokumente.

Was Helmut Försch erlebte, als er nach der Zerstörung wieder nach Würzburg kam.
Was Helmut Försch erlebte, als er nach der Zerstörung wieder nach Würzburg kam. Foto: Geschichtswerkstatt

Helmut Försch erinnert sich

Helmut Försch ist bekannt dafür, dass er eine klare und deutliche Sprache spricht. Ganz speziell dann, wenn es um die Zeit des Nationalsozialismus und die daraus resultierenden Ereignisse geht. Zehn Tage nach der Zerstörung Würzburgs kam er in die Stadt zurück und steht vor dem Nichts.

Er berichtet, wie er seine Verwandtschaft sucht und findet, er beschreibt eine tote Stadt, durch die Menschen schweigend schleichen und versuchen, das aufzuräumen, was übrig geblieben ist von der Stadt. Sie suchen nach brauchbaren Resten ihrer persönlicher Hab und versuchen in Kellern einen Unterschlupf zu finden.

Es gibt erste Begegnungen mit den US-Soldaten, die Würzburg eingenommen haben, Försch erzählt vom Wiederaufbau und vom Hunger, unter dem die Menschen litten, und wie langsam wieder Leben in die Stadt kam. Förschs Bericht sollten vor allem jüngere Menschen lesen, wenn sie wissen wollen, welche Folgen ein derart verheerender Krieg nach sich zieht und wie die sich auf einen einzelnen Menschen auswirken.

Ausstellung im Rathaus bis 27. März

Die beiden Broschüren sind im Würzburger Buchhandel erhältlich. Die Chronologie kostet 16 Euro, der Band mit Förschs Erinnerungen acht Euro. Zusätzlich hat die Geschichtswerkstatt zum 75. Jahrestag des 16. März 1945 auch eine DVD veröffentlicht, die die Chronologie der Bombenangriffe auch in bewegten Bildern zeigt.

Die  Broschüren können auch bei der Geschichtswerkstatt bestelllt werden: geschichtswerkstatt-wue@t-online.de. Die Ausstellung im Rathaus ist noch bis 27. März zu sehen. 

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