WÜRZBURG

Neue Idee: Ein Sozialrathaus in die Mozartschule

Den Charme einer Sozialverwaltung hat die Mozartschule schon: Beim Bürgerdialog haben Würzburger vorgeschlagen, den Bau künftig als Sozialrathaus zu nutzen.
Den Charme einer Sozialverwaltung hat die Mozartschule schon: Beim Bürgerdialog haben Würzburger vorgeschlagen, den Bau künftig als Sozialrathaus zu nutzen. Foto: ARCHIVTHERESA MÜLLER

Es gibt eine neue Idee zur Nutzung der Mozartschule: Nachdem zuletzt der mögliche Umzug des evangelischen Gymnasiums in das Architekturdenkmal in der Hofstraße Schlagzeilen gemacht hat, favorisieren einige im Rathaus offensichtlich jetzt etwas ganz anderes: Ein Sozialrathaus im Moz.

Mehrmals ist dieser Begriff in der jüngsten Stadtratssitzung zum Dauerthema Moz gefallen. Vorgestellt wurde den Räten die vielfältigen Ideen aus dem Bürgerdialog im Dezember sowie deren erste Einschätzung durch die Verwaltung. Oberbürgermeister Christian Schuchardt erklärte, wie es jetzt weiter geht: Die Stadtverwaltung entwickelt Hauptnutzungsvorschläge, die bereits in vier Wochen wieder dem Stadtrat vorgestellt werden sollen. Wenn die Politik eine Vorauswahl getroffen hat, ist eine weitere Bürgerbeteiligung geplant.

Einwände hatten die Stadträte nicht. Vielleicht lag das an der späten Stunde der Stadtratssitzung, vielleicht ist die Politik aber auch einfach mit dem Vorgehen der Verwaltung zufrieden: Am Donnerstagabend war das Dauerthema Mozartschule in einer Viertelstunde abgehakt.

Schuchardt lobte das „höchst transparente und partizipatorische Verfahren“, stellte aber auch klar: „Legitimiert für die Auswahl des Konzeptes ist der Stadtrat.“ Gleichzeitig ließ der OB erkennen, dass er Wünsche der Bürger ermöglichen möchte. Da viele der beim Bürgerdialog gesammelten Ideen für ihre Verwirklichung nicht die ganze, sondern nur Teile der Schule benötigen, sei das möglich. So ließe zum Beispiel das Gesamtkonzept eines Sozialrathauses weitere Nutzungen zu.

Was ist ein Sozialrathaus? So etwas gibt es zum Beispiel in Stadtteilen von Frankfurt. Unter einem Dach sind städtische Anlaufstellen für Kinder, Familien, Senioren, Menschen mit Behinderungen und Sozialhilfeempfängern vereint. Zum einem verspricht man sich von der Ämter-Bündelung mehr Bürgerfreundlichkeit, zum anderen soll die Verwaltung von den kurzen Wegen profitieren.

In Würzburg sind die Dienststellen des Sozialamtes neben der in der Karmelitenstraße noch an verschiedene Außenstellen im Stadtgebiet verteilt. Das Sozialreferat begrüßt in seiner schriftlichen Stellungnahme für die Stadträte die Nachnutzung des Moz als Sozialrathaus. Dieses soll kein reines Ämtergebäude sein: So könnten dort auch Beratungs-, Informations- oder Kommunikationsangebote von nichtstädtischen sozialen Einrichtungen untergebracht werden.

Für öffentliches Leben im Moz könnte ein Inklusions-Café, ein Treffpunkt oder ein Begegnungszentrum im „Sozial- und Familienrathaus“ sorgen. Diese Wünsche hatten Bürger geäußert. Laut Sozialreferat ist dies alles unter dem Dach des neuen Verwaltungssitzes möglich.

„Die Schaffung eines Sozialrathauses an zentraler Stelle in der Stadt Würzburg im Moz-Areal wird unisono befürwortet und bietet erhebliche logistische (Zentralisierung der Dienste), finanzielle (Einsparungen) und sozialkulturelle Chancen“, heißt es in der Stellungnahme von Sozialreferentin Hülya Düber.

Die Finanzabteilung im Rathaus nennt als Vorteil dieser Lösung, dass die Stadt ihr bisher vom Sozialamt genutztes Gebäude in der Karmelitenstraße verkaufen könnte. Außerdem würde man sich in Zukunft Mietkosten sparen.

Die Stadt muss nicht nur die auf 25 Millionen Euro geschätzte Sanierung der Schule, sondern auch dauerhaft die laufenden Bewirtschaftungskosten und den Unterhalt für das Gebäude tragen. So ist der finanzielle Aspekt bei der Suche nach einer Nutzung sehr wichtig. Einige Bürgervorschläge wie Kindermuseum, Tanz- oder alternatives Kulturzentrum erscheinen aus diesem Grund unrealistisch.

Bleibt noch die Zukunft des zum Gesamtareal zählenden Faulhaber-Platzes. Darüber nachzudenken forderten die Grünen in der jüngsten Sitzung. Ihre Fraktion favorisiert dort eine öffentliche Grünfläche. Die SPD dagegen, will den heutigen Parkplatz gegenüber des Mainfranken Theaters „maßvoll bebauen“. Ihr Antrag, mit den Planungen dafür zu beginnen, lehnte die knappe Mehrheit des Stadtrats ab.

Bürger-Ideen zur Mozartschule: Brückenschoppen an der Residenz und mehr

Die Bürger haben mit ihrem Entscheid im Sommer die Mozartschule vor dem Abriss gerettet. Etliche Vorschläge, wie das Denkmal genutzt werden könnte, kamen beim Bürgerdialog im Dezember zusammen. Hier sind sie stichwortartig zusammengefasst:

• BILDUNG:
Gemeinschaftsschule, Dag-Hammerskjöld-Gymnasium, Sing- und Musikschule, Universität, Mittelschule, kleine Privatschulen, Nachhilfe/Hausaufgabenbetreuung, Verfügungsklassenzimmer, freier Schulraum, Musikunterricht, Bibliothek, VHS, Abendgymnasium

• KULTUR:
Kulturelles Zentrum, Ausstellungen, (Kinder-)Museum, Erinnerungskultur und Stadtmodell, Konzertsaal, Proberäume, Mozartfestbüro, Skulpturengarten im Hof, Kulturpädagogik, Yogaschule, Tanz, Kino, freie Ateliers, offene Kreativräume, Mainfranken Theater (Bühne, Proberäume, Fundus)

• SOZIALES:
Begegnungszentrum, Bürgerforum oder -haus, psychologische Beratungsstelle, alternatives Hotelprojekt, Beratungs- oder Integrationszentrum für Flüchtlinge mit Deutschkursen, Selbsthilfe-Werkstatt, Sozialrathaus

• SONSTIGES:
Öffentliche WCs, Teile der Verwaltung, 50er Jahre Hostel, Touristeninfo, Tourismus-Zentrale, Fab Lab, Start-up-Räume, Gründerzentrum, Fahrradwerkstatt, kleine Läden, gemeinsamer Verkauf der großen Weingüter, Gastronomie mit Café im Hufeisen, im Garten oder Schulhof, vegan oder im Stil der 50er Jahre, Haus der Vereine, Genossenschaft, urbane Gärten, Hatzfeldsche Gärten für alle öffnen – ohne oder mit Gastronomie. Eine Bürgermeinung dazu: „Der Brückenschoppen auf der Alten Mainbrücke braucht eine Zwillingsschwester mit Blick auf die Residenz.“

Rückblick

  1. Mozart-Areal: So geht es mit der Sanierung weiter
  2. Nutzungskonzept für das Moz-Hufeisen ist beschlossene Sache
  3. Bürgerinitiative begrüßt neues Nutzungskonzept für das Moz
  4. Nutzungskonzept für Moz-Areal nimmt Hürde im Hauptausschuss
  5. OB: Sanierung der Mozart-Schule auf der Zielgeraden
  6. Reitberger-Stiftung: Moz öffentlich nutzen
  7. Kritik an Moz-Plänen
  8. Standpunkt: Die Chance ist da   
  9. Stadt will mit Mozartschule voran kommen
  10. VR-Bank soll bei Mozartschule einsteigen
  11. VR-Bank will Teile der Mozartschule erwerben
  12. Die Gesichter der Nacht
  13. Katharina Strein ist neue Geschäftsführerin des Mozartfests
  14. Olga Scheps und Chopins Träumerei
  15. Der Stadtrat hat einen Plan fürs Moz
  16. Musik soll in die Mozartschule
  17. Standpunkt: Vom Müllhaufen der Moz-Geschichte
  18. Warum Politik manchmal schwierig ist: Beispiel Mozartschule
  19. Ex-Mozartschule: Zoff zwischen SPD und Oberbürgermeister
  20. Moz ohne Central-Kino: Die Aula ist ungenutzt
  21. Kommt jetzt ein Bürgerbegehren zum Faulhaber-Platz?
  22. Neue Idee: Ein Sozialrathaus in die Mozartschule
  23. Mozartschule wieder mal im Stadtrat
  24. Junge Würzburger wollen Moz-Zukunft gestalten
  25. So geht es nach dem Ja zur Mozartschule weiter
  26. Tag der Entscheidung: Die Bürger bestimmen die Zukunft der Mozartschule
  27. Ratsbegehren und Bürgerbegehren: Das sind die Ziele
  28. Bürgerentscheid am Sonntag: Der große Schritt zur Moz-Lösung?
  29. Ein Zettel, drei Fragen: Alle Infos zum Bürgerentscheid
  30. Hintergrund: Die Mozartschule stand schon oft vor dem Abriss
  31. Standpunkt: Warum das Moz nervt und der Bürgerentscheid trotzdem wichtig ist
  32. Vor Bürgerentscheid: Starke Nachfrage nach Briefwahl
  33. Mozartareal: Aufsichtsbeschwerde wegen Ratsbegehren
  34. Mozartschule: Stadtbaurat nimmt Stellung
  35. Demo vom Dom zur Mozartschule
  36. Verbotene Ausstellung nun in Schaufenstern
  37. Stimmen aus der Moz-Diskussion
  38. Vor Bürgerentscheid: Denkmal oder 140 Wohnungen?
  39. OB: „Stadtbild wichtiger als Verkaufserlös“
  40. Teurer durch Nutzungsmix
  41. „Grüne Oase“ Faulhaberplatz
  42. Denkmal für elf Millionen saniert
  43. „Moz müsste völlig entkernt werden“
  44. Moz-Bürgerentscheid: Main-Post lädt zu Podium
  45. Das war der Chat: Strabag-Bereichsleiter Müller zum Moz-Bürgerentscheid
  46. Mozartschule: Statt Kulturfest jetzt zwei Demos
  47. Standpunkt zum Kulturfestverbot
  48. Mozartschule: SPD jetzt doch für Erhalt
  49. Die Tochter des Erbauers der Mozartschule schreibt einen offenen Brief
  50. Wofür steht die SPD am Mozartareal?

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