Würzburg

Neue Partei: Volt will Menschen für Europa elektrifizieren

Volt ist eine Partei, die konsequent europäisch denkt – und in ganz Europa vertreten ist. Kandidat für Franken ist ein Schauspieler aus Bamberg – mit Rhöner Wurzeln.
Hans-Günter Brünker (links) und Marie-Isabelle Heiss sind bayerische Kandidaten der Partei Volt für die Europawahl am 26. Mai.
Hans-Günter Brünker (links) und Marie-Isabelle Heiss sind bayerische Kandidaten der Partei Volt für die Europawahl am 26. Mai. Foto: Patty Varasano

Für Europa treten viele Parteien ein – mal mehr, mal weniger enthusiastisch. Warum braucht es da jetzt auch noch Volt? "Weil nur Volt konsequent europäisch denkt und handelt." Sagt Hans-Günter Brünker. Der Schauspieler aus Bamberg engagiert sich seit der Gründung für diese paneuropäische Bewegung, die in über 30 Staaten auf dem Kontinent vertreten ist. Brünker steht auf Platz 13 der Volt-Deutschland-Liste. Chancen auf einen Sitz im EU-Parlament hat er nicht. Schon ein oder zwei Mandate wären eine Überraschung, sind aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Eine Prozent-Hürde gibt es bei der Europawahl am 26. Mai nämlich auch diesmal nicht. 

Der 52-jährige Brünker streitet mit viel Herzblut für die neue Partei, die "eine Europapolitik aus einem Guss" verspricht, "unabhängig von nationalen Interessen". Brünker ist in Bad Brückenau (Lkr. Bad Kissingen) groß geworden, in Würzburg hat er Chemie studiert und promoviert. Für eine Unternehmensberatung arbeitete er in München, Sydney, Toronto und Frankfurt, bevor er sich vor zehn Jahren entschied, eine Schauspielschule zu besuchen. Heute arbeitet er von Oberfranken aus als freier Darsteller für Theater und Fernsehen. In "Verbotene Liebe" war er ebenso zu sehen wie in der "Lindenstraße".

Brünkers Großvater musste in Verdun kämpfen

Mit Parteipolitik hatte Brünker nach einem kurzen Intermezzo bei der SPD eigentlich abgeschlossen. Geblieben aber sei der Glaube an Europa als Friedensprojekt, erzählt er beim Gespräch in der Redaktion. Sein Großvater habe in den Schützengräben von Verdun gekämpft, sein Vater sei als 15-Jähriger von den Nazis an die Front geschickt worden. Dass seine Generation und die seiner Kinder derartiges nicht erleben und erleiden mussten, grenze an ein Wunder. "Da wurde wahnsinnig viel erreicht in Europa."

Dass Nationalisten und Populisten immer öfter diese Errungenschaften in Zweifel ziehen und gefährden, wurmte Brünker. Da kam Volt mit seinem Credo "Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger" gerade recht und motivierte ihn, wieder auf die Straße zu gehen. Die Partei wurde 2017 vom Italiener Andrea Venzon, der Franzosin Colombe Cahen-Salvador und dem Deutschen Damian Boeselager (Berlin) nicht zuletzt als Antwort auf den Brexit gegründet. Ziel ist eine Europapolitik unabhängig von nationalen Befindlichkeiten, ein Programm, das in Rumänien oder in Malta genauso gilt wie in Polen oder Deutschland. Die parteiinterne Kommunikation läuft viel über digitale Plattformen.

"Volt wird in jeder Sprache verstanden."
Marie-Isabelle Heiss, Volt-Kandidatin für das Europaparlament

Benannt ist die Partei nach der Einheit für elektrische Spannung. "Volt wird in jeder Sprache verstanden", sagt Marie-Isabelle Heiss (München), Zweitplatzierte auf der Bundesliste zur EU-Wahl hinter Gründer Boeselager. Außerdem stehe der Parteiname symbolisch für die Idee, "Europa zu elektrifizieren, in Spannung zu halten", so die 29-jährige Wirtschaftsanwältin. 1300 Mitglieder habe Volt mittlerweile in Deutschland, 18 000 in Europa. In acht EU-Staaten rechne man mit der Zulassung zur Europawahl. 

Inhaltlich fordert Volt unter anderem eine gemeinsame Klimapolitik für Europa, eine menschenfreundliche Migrationspolitik, gemeinsame Streitkräfte, aber auch ein Miteinander in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. "In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit weiter bei über 30 Prozent, in Deutschland gibt es Arbeitskräftemangel. Warum findet man da nicht gemeinsam  Lösungen, die allen helfen", fragt Heiss. Auch das gegenseitige Ausspielen von Wirtschaftsstandorten durch Steuerdumping müsse ein Ende haben.

Fernziel ist ein föderaler Staat Europa

Möglich machen sollen es gemeinsame Strukturen. Kurzfristig müsse das Europäische Parlament endlich die Möglichkeit erhalten, selbst Gesetze zu initiieren. Mehrheitsbeschlüsse sollen den Europäischen Rat handlungsfähiger machen. Auf Dauer aber stellen sich Heiss und Brünker einen föderalen europäischen Staat vor, mit einem nach gemeinsamen Regeln gewählten Zwei-Kammern-Parlament, einem vom Parlament gewählten Premierminister und einem von den Bürgern direkt gewählten europäischen Präsidenten. Aber das ist Zukunftsmusik. Bei der ersten Europawahl-Teilnahme wäre schon der Einzug von ein paar wenigen Abgeordneten ins Parlament für Volt ein Erfolg.

Parteien zur Europawahl
Der Bundeswahlausschuss hat 41 Parteien und Vereinigungen zur Europawahl am Sonntag, 26. Mai, zugelassen. 39 Parteien treten mit einer bundesweit einheitlichen Liste an, darunter die Grünen, die SPD, die AfD, die FDP, die Linke und die Freien Wähler, aber auch Exoten wie "Menschliche Welt", "Europäische Partei Liebe", die "Sozialistische Gleichheitspartei" oder eben "Volt Deutschland". Mit Listen für einzelne Länder zugelassen wurden die CSU, die, wie gehabt, nur in Bayern antritt, und die CDU, die in allen anderen 15 Bundesländern vertreten ist. Auf dem Stimmzettel stehen also 40 Parteien zur Auswahl.    

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