WÜRZBURG

Neue Straßenbahn nimmt erste Hürde

Die geplante Straßenbahn ins Hubland ist ein Stück weiter: Jetzt einigte sich der Stadtrat auf einen Bericht, der an die Welterbekommission der Unesco weitergeleitet wird. Streit über den Titel „Weltkulturerbe“ soll so bei der Straba-Linienführung um die Residenz von vorneherein ausgeschlossen werden.
Wieviel Verkehr verträgt der Rennweg mit dem Oegg-Tor? Der Stadtrat hat sich noch nicht festgelegt. Foto: FOTO Thomas Obermeier

Es war kurz vor 21 Uhr als der Stadtrat am Mittwoch den Bericht über die Planung der Straßenbahn-Trasse zwischen Balthasar-Neumann-Promenade und Theaterstraße mit nur einer Gegenstimme auf den Weg brachte. Der Schritt kam zustande, nachdem sich die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen in einer Sitzungspause auf eine gemeinsame Position geeinigt hatten, um den Vorschlag der Verwaltung zu entschärfen. Denn der ursprüngliche Bericht, der von WVV-Geschäftsführer Thomas Schäfer vorgestellt wurde, gefiel ihnen ganz und gar nicht.

WVV und Stadtverwaltung haben die Pläne in Abstimmung mit Schlösser- und Seenverwaltung sowie der Unesco vorbereitet. Etwas salopp formuliert, kann man sich den Tenor der Verhandlungen so vorstellen: Die Stadt geht auf den Wunsch der Unesco ein, den Individualverkehrs am Weltkulturerbe einzuschränken und darf dafür dort entlang eine Straba-Trasse bauen.

Aus dem Verhandlungsergebnis hat die WVV einen Bericht formuliert, der nun dem Stadtrat vorgestellt wurde, um danach an die Welterbekommission der Unesco geschickt zu werden. Allerdings wurden an diesem Nachmittag Verkehrsplanungen als Tatsachen präsentiert, die vorher eher Möglichkeiten waren: Zum Ärger der Stadträte las Schäfer ihnen vor, dass die Hofstraße Fußgängerzone wird, die Theaterstraße Einbahnstraße und der Rennweg geschlossen.

So konkret wollten sich die Stadträte gegenüber der Unesco nicht festlegen. Außerdem kritisierten sie, dass Schäfer diese Details erst in der Sitzung vorgelegt hatte. So fehle Zeit, sich gründlich damit zu beschäftigen. Die Erklärung Schäfers, dass der Bericht nur den Planungsstand wiedergebe und keine Entscheidungen vorwegnehme, ließen die Stadträte nicht gelten. Der Widerstand machte die Sitzung spannend: Denn der OB betonte, „dieser Bericht muss heute auf die Reise geschickt werden", damit die Kommission in ihrer nächsten Sitzung darüber beraten kann. Eine Vertagung würde den Abstimmungsprozess mit der Unesco und damit den Fortgang der neuen Straba verzögern.

Rosenthal hörte sich den Ärger der Stadträte an, ohne selbst eine Stellungnahme abzugeben. Um 17.30 Uhr zog er die Notbremse: Er unterbrach die Sitzung und gab den Fraktionen Gelegenheit, den Bericht zu ändern. Deren Vorschlag, über die Sperrung von Rennweg oder anderen Straßen erst abzustimmen, wenn ein Verkehrsgutachten vorliegt, wird in den Bericht aufgenommen. Die ursprünglich vorgesehenen konkreten Einschränkungen fallen dafür raus. Festgelegt hat sich der Stadtrat auf die Trasse, die auf der Seite der Volksbank entlang führt. Dass der Bericht an die Unesco problemlos so verändert werden konnte, machte Beobachter und Stadträte nachdenklich. Eine Erklärung des OB gab es nicht mehr, denn dieser kam nach der Sitzungspause nicht mehr in den Ratssaal. Grund dafür war laut Pressestelle eine Magen-Darm-Grippe.

Mit den Einschränkungen des Managementplans der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung war die große Mehrheit des Stadtrats indes einverstanden. In diesem Papier hat die Schlösserverwaltung, der Hausherr der Residenz, festgelegt, wie die Stadt das Weltkulturerbe schützen soll. So soll der Verkehr reduziert und eine Pufferzone, mit eingeschränkter Bautätigkeit eingerichtet werden.

Aufgrund der Diskussionen der vergangenen Tage konnte der OB die Einschränkungen etwas entschärfen. So ist beispielsweise aus „muss in jedem Fall der Rennweg für den Kfz-Verkehr gesperrt werden", die Formulierung „müsste auf dem Rennweg möglicherweise vollständig reduziert werden" geworden. Lediglich sieben Stadträte von Bürgerforum, WL und FDP sahen in der Zustimmung dennoch „eine Vorentscheidung zur Sperrung des Rennwegs" (Karl Graf, FDP) und eine „unnötige Aufgabe von Interessen der Stadt" (Jürgen Weber, WL). Eine deutliche Mehrheit von 40 Räten kann mit den Vorgaben leben und will keine Diskussion um den Titel Weltkulturerbe riskieren.

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