WÜRZBURG

Neue Straßenbahn soll 2017 fahren

Die neue Straßenbahn durchs Frauenland zum Hubland hat am Montag eine ganz wichtige Hürde genommen: Der Stadtrat hat sich in großer Einmütigkeit für die Trasse entlang der Residenz ausgesprochen.
So könnte die Straßenbahn durch die Ottostraße fahren. Foto: Animation WVV

Endgültig vom Tisch ist damit die Variante „2a“ durchs Oegg-Tor und durch die Seinsheimstraße. Ebenso die Trasse „1a“: Sie ist fast identisch mit der beschlossenen Variante „2c“, würde aber am Sanderring enden und alle Hubland-Straßenbahnen durch die Innenstadt zum Bahnhof schicken. Das hielten die Stadtratsmitglieder für zu kurz gesprungen.

Und so musste Thomas Schäfer, Geschäftsführer der Würzburger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe, in der entscheidenden Sitzung nicht einmal seinen Punktekatalog auspacken, den die WVV zum Vergleich der drei Trassen erarbeitet hatte. Werden verschiedenste Kriterien wie Einzugsbereich und nötige Eingriffe berücksichtigt, steht die Trasse 2c mit 33 Punkten vor der 2a (27 Punkte) und 1a (19 Punkte) am besten da. Nur ein einziger wollte sich mit der schon länger favorisierten Strecke nicht anfreunden: ÖDP-Stadtrat Uwe Dolata stimmte dagegen, ohne sein Nein zu erklären. Im Beschluss wird mehrfach die besondere Rücksichtnahme auf die Residenz, etwa mit oberleitungsfreien Systemen, betont.



Bevor es im Ratssaal überhaupt um die Straßenbahn ging, hatte es draußen richtig gebrodelt: Weit über 100 interessierte Bürger wollten die öffentliche Sitzung verfolgen. Doch ließ man sie geschlagene 40 Minuten vor der Tür warten, weil eine geheime Aussprache vorgezogen wurde. Empört und frustriert zogen etliche der Gäste wieder ab. Auch die, die durchgehalten hatten, bekamen keinerlei Erklärung für das Aussperren. Über die „grobe Missachtung der Bürger“ zeterte eine ältere Dame.

Umso harmonischer ging es dann beim eigentlichen Thema der Sondersitzung zu. Alle Fraktionen bekräftigten erneut ihr Ja zur Straßenbahn-Linie 6 und zur gewählten Trasse. Davon unberührt sind Detailfragen – wie zum Beispiel die Ringpark-Querung oder der Residenz-Abschnitt. Als nächster Schritt wird die genaue Planung der Trasse nun europaweit ausgeschrieben. In regelmäßiger Abstimmung mit dem Stadtrat gehe es dann ins Planfeststellungsverfahren, erläuterte Straßenbahn-Chef Schäfer. Er bekam aus allen Reihen dickes Lob für die zweieinhalbjährige Vorarbeit und viele Info-Veranstaltungen.



Die neue Straba soll laut Oberbürgermeister Georg Rosenthal bis Frühjahr 2017 fahren. Ein Jahr später hofft die Stadt, auf dem Gelände der geräumten Leighton Barracks eine Landesgartenschau ausrichten zu dürfen. Nicht nur aufgrund der dortigen Entwicklung mit der Entstehung tausender neuer Studienplätze hält Rosenthal die Straßenbahn für sinnvoll: Sie sei auf lange Sicht wirtschaftlich, schaffe die nötigen Transportkapazitäten und trage zur Reduzierung von Feinstaub und CO•-Emissionen bei.

Im Vergleich zu letzten Sitzung präsentierte Klaus Uphoff vom Planungsbüro BPR eine leicht modifizierte Trasse 2c. So wurde die Haltestelle auf Wunsch der Schlösserverwaltung vom Residenzplatz um die Kurve in die Theaterstraße verlegt. Kein Thema mehr ist ein Kreisverkehr in der Zeppelinstraße. Eine Ampelkreuzung ist laut Uphoff leistungsfähiger. Ebenfalls um die Ecke verlegt (in den Zwerchgraben) wurde die Haltestelle vor der Wittelsbacher Uni.

Der Planer sprach sich ferner für eine Schließung des Rennwegs aus, auch wenn die Straba entlang der Schwarzen Promenade fährt. Ein Ansinnen, für das nicht jeder im Stadtrat Begeisterung hegt. Hier zeichnet sich Diskussionsbedarf ab. Zumal eine Sperrung des Rennwegs für Autos zu den stärksten Verkehrsverlagerungen führen würde, wie Manfred Michael vom Verkehrsbüro WVI deutlich machte. Die beschlossene Trasse bedeutet laut Prognosen für das Jahr 2025 weniger Autos in Bahnhofstraße, Theaterstraße, Balthasar-Neumann-Promenade und Sieboldstraße, dagegen ein Plus in der Schweinfurter Straße, auf dem Friedrich-Ebert-Ring und auf dem Mittleren Ring.

Wie eine Straßenbahn bereichernd in ein Stadtbild eingepasst werden kann, erläuterte Stephan Bezier von der Schweizer Hüsler AG anhand von Beispielen aus ganz Europa. Beziers Büro soll auch Würzburg städtebaulich bei der Linie 6 beraten.

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