WÜRZBURG

Neue Studie: Tagestouristen überfluten Würzburg

Wohlfühl-Oase Würzburg: Zwölf Millionen Tagestouristen strömen pro Jahr nach Würzburg. Sie suchen neben Einkaufsattraktionen auch Entspannungsmöglichkeiten wie hier am Stadtstrand. Eine Studie zeigt: Würzburg ist unter den Besuchern beliebt.
Wohlfühl-Oase Würzburg: Zwölf Millionen Tagestouristen strömen pro Jahr nach Würzburg. Sie suchen neben Einkaufsattraktionen auch Entspannungsmöglichkeiten wie hier am Stadtstrand. Eine Studie zeigt: Würzburg ist unter den Besuchern beliebt. Foto: Thomas Obermeier

Dem Städtetourismus in Würzburg kommt unbestritten eine überdurchschnittliche Bedeutung zu, sagt der Chef des Eigenbetriebes Congress Tourismus Wirtschaft (CTW), Peter Oettinger, in einer Vorlage für den Stadtrat. Und jetzt hat er auch die Zahlen, um das zu untermauern, denn es gibt eine brandneue Studie vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) an der Uni München. Und die lässt Würzburg in einem hellen Licht erstrahlen.

Überraschend hoch sind vor allem die Zahlen des Tagestourismus, die es bisher so nicht gab. Dr. Manfred Zeiner vom Institut in München stellte sie bei einer Pressekonferenz vor. Nach den Berechnungen von dwif besuchen zwölf Millionen Menschen pro Jahr die Stadt, ohne zu übernachten. Das Wort Tagesausflug wird von Tourismusexperten sehr genau über die Ausnahmen definiert. Das sind nicht die Leute aus dem Landkreis, die nach Würzburg fahren, um sich Lebensmittel zu kaufen oder zum Arzt zu gehen.

Diese Zahl ist äußerst erstaunlich. Heruntergerechnet heißt das, es kommen täglich 12 000 Touristen nach Würzburg, die nach ihrem Aufenthalt in der Stadt am Abend wieder wegfahren. Wie kommt das Forschungsinstitut zu diesen Daten? „Wir führen eine Grundlagenuntersuchung durch“, erläuterte Zeiner.

Unter anderem wurden 108 000 Telefoninterviews in Deutschland in drei Jahren geführt, die Fragen bezogen sich auf die Tagesreisen der vergangenen Woche. 3,5 Milliarden Tagesausflüge errechneten die Statistiker in der BRD, und da ist Würzburg mit zwölf Millionen gut dabei.

Einfacher war die Zählung der Übernachtungsgäste, schließlich bekommt Oettinger sie zumindest von den Hotels geliefert. 745 000 Besucher zählt Würzburg da. Die kommen in Hotels unter (76,5 Prozent), auf Campingplätzen (6,8 Prozent), Pensionen (4,2 Prozent), Jugendherbergen (3,8 Prozent) und in Erholungsheimen, privat oder in Gasthöfen.

Nun macht es keinen Sinn, Würzburg und dessen Zahlen mit Berlin oder Essen zu vergleichen, die Größenordnungen sind andere. Aber Tourismus-Experten rechnen sie im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen herunter. Und da positioniert sich die Domstadt ganz erstaunlich: je 100 Einwohner haben Würzburg 558 Übernachtungen, Berlin 552 und Essen nur 201.

Interessant ist die Übernachtungsentwicklung unterschieden nach In- und Ausländern. Die Deutschen haben offensichtlich Würzburg ins Herz geschlossen, denn die Zahlen steigen konstant. 82,8 Prozent der Übernachtungsgäste kommen aus Deutschland, nur 17,2 aus dem Ausland.

Und dann listete Zeiner auf, was für Geld nach den Hochrechnungen seines Institutes in Würzburg hängen bleibt. Touristen, die in Hotels übernachten, geben pro Tag und Person danach 167,80 Euro aus. Das ergäbe einen Bruttoumsatz von 112,4 Millionen Euro. Gäste in Privatquartieren lassen täglich 75,10 Euro, also 1,9 Millionen Euro jährlich in Würzburg. Dazu kommt noch das Camping-Geschäft mit 32,70 Euro täglich und 1,6 Millionen Euro jährlich dazu.

Den Riesenumsatz bringen die Tagestouristen mit zwar „nur“ 46,50 Euro täglich aber in der Summe mit Einnahmen von 558 Millionen Euro. Vier von fünf Euro, die der Tourismus nach Würzburg bringt stammen von Tagesgästen, sagt Zeiner. Das ist auch für den Einzelhandel ein hoher Wirtschaftsfaktor, so der Statistik-Experte. Das Flanieren, das Einkaufen müsse funktionieren. Touristen kämen gerne in Städte, in denen man attraktive, individuelle Einkaufsmöglichkeiten vorfindet und keinen Einheitsbrei.

Das Münchner Institut hat alles zusammengezählt und kommt auf einen jährlichen Bruttoumsatz von 673,9 Millionen Euro pro Jahr. Das zeigt eindeutig, so Oettinger, welch bedeutender Wirtschaftsfaktor der Tourismus doch ist. Zieht man die Mehrwertsteuer und die Vorleistungen der Gastronomie und des Einzelhandels ab, bekommt man jährlich laut Zeiner ein Einkommen von 284,4 Millionen Euro. Statistisch gesehen beziehen also 12 700 Personen ihr Durchschnittseinkommen aus dem Tourismus. Und die Stadt erhält rechnerisch vom Tourismus 14,6 Millionen Euro Steuereinnahmen.

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