WÜRZBURG

Neues Museum oder Besuchercafé?

Einblicke in den alten Fundus: Zahlreiche Exponate gab es zu bestaunen, das Meiste verbrannte am 16. März 1945.
Einblicke in den alten Fundus: Zahlreiche Exponate gab es zu bestaunen, das Meiste verbrannte am 16. März 1945. Foto: Privat

Die Idee, nach dem geplanten Umzug des Staatsarchivs nach Kitzingen im Zuge der Behördenverlagerung der bayerischen Staatsregierung ein naturkundliches Museum in Würzburg wieder auferstehen zu lassen – diese Idee ist nicht neu. Der Naturwissenschaftlichen Verein Würzburg betreibt schon seit Jahren Anstrengungen, ein solches Projekt zu verwirklichen. Bereits im März vor fünf Jahren stellten Professor Gerhard Kneitz und Frank Stößel – ausgerechnet in der Residenz – ihre Pläne vor.

Der Würzburger CSU-Landtagsabgeordnete Oliver Jörg hatte bereits bei der Vorstellung der Pläne für den Umzug des Staatsarchivs nach Kitzingen nun angeregt, über eine neue, attraktive Nutzung nachzudenken. Er hält das „Filetstück mit interessanten Räumlichkeiten“ für die Unterbringung einer naturkundlichen Sammlung für geeignet. Solch ein kleines Museum könnte besonders für Schulklassen interessant sein.

„Das ist grundsätzlich eine gute Idee“, sagt Jörg. „Es wäre eine gute Ergänzung zur Schulausbildung und würde einen Mehrwert bieten.“ Allerdings würde der Restfundus des Vereins in der Adalbert-Stifter-Schule, den er zusammen mit Kneitz schon einmal gesichtet habe, bei weitem nicht für so ein Museum ausreichen. „Aber eventuell würde ja manche der Schulen aus ihrem Fundus etwas beisteuern“, meint Jörg.

Über die weitere Nutzung der Räume entscheiden würde die Schlösserverwaltung vor Ort und ihre vorgesetzte Stelle in München in enger Absprache mit dem Finanzministerium für den Freistaat als Eigentümer. Mögliche Träger eines solchen Museums könnten der Naturkundliche Verein selbst, die Stadt oder auch die Universität sein, sagt Jörg. Die Universität deshalb, weil auch ihr Martin-von-Wagner-Museum Raumwünsche dort angemeldet habe.

Jörgs SPD-Kollege Georg Rosenthal weiß, dass so ein Museum in der Stadt ein großes Anliegen ist, hat aber Bedenken. „Ich kenne den Raumbedarf eines solchen Museums nicht, und auch die Frage, wer der Träger eines solchen Museums sein soll, muss geklärt sein“, sagt Rosenthal.

Die Unesco habe der Schlösserverwaltung schon vor Jahren weitere Verpflichtungen auferlegt, weiß der frühere Oberbürgermeister. „Die möchten mehr Platz und sagen, wer mit unserer Auszeichnung als Weltkulturerbe Werbung macht, der muss sich auch nach unseren Standards richten. Da hat die Residenz noch erheblichen Nachholbedarf und ich weiß nicht, wie lange die Unesco dem noch zusieht“, so Rosenthal.

Für die jährlich über 300 000 Besucher seien nach Unesco-Standards unter anderem dringend neue Verkaufsräume nötig. Rosenthal: „Das Stichwort heißt Merchandising.“ Auch Ruheräume, ein Museumscafé und Barrierefreiheit gehörten dazu. „Da muss eine intensive Nutzungsprüfung für die frei werdenden Räume stattfinden.“

Grundsätzlich seien Museen im Zentrum der Stadt „eine gute Sache“, so Rosenthal. „Allerdings halte ich nichts davon, dass das Staatsarchiv Würzburg verlässt.“ Es habe eine sehr enge Anbindung an die Ausbildung an der Universität. „Und wer zwei Stunden ins Archiv muss und dafür nach Kitzingen fährt, der muss dann einen halben Tag dafür aufwenden.“

Oberbürgermeister Christian Schuchardt gibt zu bedenken, dass es bereits sehr viele Sammlungen in der Stadt gebe. „Da muss man sehen, was passt zur Residenz.“ Und er fügt an: „Wir haben an der Universität auch eine sehr tolle mineralogische Sammlung. Auch das Martin-von-Wagner-Museum hat ja eine ganz herausragende Sammlung, die sich blicken lassen kann. Wenn es in der Residenz Räume gäbe, die dem hohen Stellenwert der Sammlung entsprechen, wäre das gut“, so seine Stellungnahme. Schuchardt verweist aber auf den Freistaat als Eigentümer sowie auf die Universität. „Die beiden müssen das ab- und erwägen.“

 
Seit vielen Jahren am Thema: Frank Stößel (kniend) und Professor Gerhard Kneitz (Mitte) besichtigen 2010 den Fundus des ehemaligen Naturkunde-Museums in der Adalbert-Stifter-Schule
Seit vielen Jahren am Thema: Frank Stößel (kniend) und Professor Gerhard Kneitz (Mitte) besichtigen 2010 den Fundus des ehemaligen Naturkunde-Museums in der Adalbert-Stifter-Schule Foto: Theresa Müller

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