UNTERFRANKEN

Neues Passgesetz: Fotografen fürchten um ihre Existenz

Passfotos sollen künftig in den Meldeämtern unter Aufsicht gemacht werden, um Fälschern das Handwerk zu legen. Unter Fotografen in der Region sorgt das für Unruhe.
Passfotos sollen künftig in den Meldeämtern unter Aufsicht gemacht werden, um Fälschern das Handwerk zu legen. Unter Fotografen in der Region sorgt das für Unruhe. Foto: Andrea Warnecke

Im Bundesinnenministerium gibt es Pläne, das Passgesetz zu ändern. Laut eines Gesetzentwurfs sollen für neue Reisepässe und Personalausweise nur noch Fotos verwendet werden, die in den Behörden unter Aufsicht in Selbstbedienungsterminals gemacht wurden. Fotografen und Fachhändler in Unterfranken sehen das kritisch. Sie befürchten, dass ihnen eine wichtige Einnahmequelle wegbricht.

So etwa Waldemar Hartmann von "Foto Weber" in Würzburg. Passfotos seien für sein Fotofachgeschäft zwar nicht die Haupteinnahmequelle, sagt er. Dennoch seien sie für sein Geschäft wichtig: "Derzeit macht das Anfertigen von biometrischen Fotos zirka ein Drittel unserer Rendite aus. Darüber hinaus bescheren Passfotos dem Laden durchschnittlich 60 Kundenaufträge pro Tag." Sollten diese Aufträge in Zukunft wegfallen, sieht Hartmann sich gezwungen, mehrere Fotografen zu entlassen.

Ralf Mausold von "Ralf's Fotocenter" am Bad Neustädter Marktplatz drückt es noch krasser aus: "Das ist ein ganz heißes Thema, das macht uns kaputt, wir sind eh schon am Minimum." Für viele seiner Kollegen aus dem Fotofachhandel seien die Passbilder eine äußerst wichtige Einnahmequelle, deren Verlust sie kaum verkraften könnten. Auch Eva Piszczek von "Eva's Fotoecke" in Kitzingen sieht ihre Existenz bedroht: "Ich weiß nicht, ob wir uns hier in Kitzingen dann noch halten können!" Passbilder seien für ihr Fotostudio unabdingbar, um Kunden überhaupt erst in den Laden zu bringen.

Verband: 80 Prozent der Fachhändler droht das Aus

Piszczek und ihren Kollegen wäre es am liebsten, wenn der Plan aus dem Innenministerium im Papierkorb landen würde. Exakt dieses Ziel verfolgt Michael Gleich, Geschäftsführer der United Imaging Group in Fürth. Die von ihm vertretene Fotoverbundgruppe vertritt nach seinen Angaben die Interessen von 95 Prozent des Fotofachhandels in Deutschland. Sollten der Referentenentwurf realisiert werden, würden "mindestens 80 Prozent dieser Fachhändler verschwinden", so Gleich gegenüber dieser Redaktion.

Er hat durchaus Verständnis für die Bestrebung des Innenministeriums, Personalausweise und Reisepässe fälschungssicher zu machen. Aber: "Fälschungssicherung, das kann unsere Branche schon." Sein Verband verfüge schon seit Jahren über die Software, die digitalisierten biometrischen Passfotos sicher an die Passämter oder Rathäuser zu mailen oder in einer Cloud zur Verfügung zu stellen. Das Bundesinnenministerium, die Bundesdruckerei und das Bundesamt für Sicherheitstechnik müssten sich nur mit den Entwicklern an einen Tisch setzen und die Sicherheitsstandards für die Übergabe der Bilddaten definieren.

Appell an Seehofer

Kein Verständnis hat Michael Gleich dafür, dass der Staat Steuergelder in die Selbstbedienungsterminals investiert. Er rechnet mit einem Investitionsvolumen von 200 Millionen Euro. Auch Rainer Müller vom gleichnamigen Fotostudio in Haßfurt kritisiert die hohe Summe: "Gelder von Steuermitteln werden verwendet, um Dinge umzusetzen, die dem Einzelhandel schaden." Dies stehe stark im Widerspruch zum Versprechen der Regierung, den Einzelhandel stärken zu wollen.

In einem Brief appelliert Michael Gleich an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), die Pläne zu überdenken und die oben beschriebenen Alternativen in Betracht zu ziehen. Auch Waldemar Hartmann und sein Team wollen sich mit ihren Beschwerden direkt an Seehofer wenden. Die Hoffnung der Einzelhändler bleibt, dass man sich doch noch für sie und gegen den Gesetzesentwurf entscheidet.

Warum plant das Ministerium ein neues Gesetz?

Anlass für die Neuregelung ist nach Angaben des Ministeriums die Sorge vor Bildmanipulationen durch sogenanntes Morphing. Dabei werden die biometrischen Gesichtsmerkmale von mehreren Menschen zu gleichen Teilen in einem Bild zusammengefügt – sie verschmelzen ineinander. Mittels Morphing können Kriminelle Passbilder manipulieren, indem sie ein gemorphtes Lichtbild in ein Ausweisdokument einbauen. "Ist ein auf dem Pass enthaltenes Lichtbild auf diese Weise manipuliert, kann nicht nur der Passinhaber, sondern unter Umständen auch eine dritte Person, deren Gesichtszüge im Passbild enthalten sind, den Pass zum Grenzübertritt nutzen", heißt es im Entwurf des Bundesinnenministeriums.

Wie viel kostet das Passbild auf dem Amt?
Ein Passbild werde voraussichtlich zwischen vier und sechs Euro kosten, so ein Ministeriumssprecher. Dies sei eine Aufwandsentschädigung. Die Gebühr für einen Pass oder einen Personalausweis soll zudem innerhalb der ersten fünf Jahre um rund drei Euro steigen, heißt es in dem Gesetzentwurf "zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen". (dpa)

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