Ochsenfurt

Neujahrsempfang der Grünen: Bei Sanierungen flexibel denken

Nach Ochsenfurt hatten die Grünen diesmal eingeladen. Architekt Felix Tannenberg ging der Frage nach, ob die Angst vor dem Denkmalschutz berechtigt ist.
Landtagsabgeordnete Kerstin Celina und Bezirksrat Gerhard Müller begrüßten die rund 130 Gäste beim Neujahrsempfang der Grünen des Würzburger Kreisverbands in Ochsenfurt.
Landtagsabgeordnete Kerstin Celina und Bezirksrat Gerhard Müller begrüßten die rund 130 Gäste beim Neujahrsempfang der Grünen des Würzburger Kreisverbands in Ochsenfurt. Foto: Patty Varasano

Den Ochsenfurter Gau betrachten die Grünen als nicht gerade einfach zu beackerndes Gelände für ihre Politik. "Du traust Dich was", hatten Parteifreunde Bezirksrat Gerhard Müller ehrfurchtsvoll attestiert, als er zum ersten Mal einen Haustürwahlkampf im südlichen Landkreis Würzburg angekündigt hatte. Dennoch hatte der Kreisverband Würzburg-Land der Grünen diesmal die Aula der Realschule am Maindreieck in Ochsenfurt für seinen Neujahrsempfang ausgewählt, und das nicht ohne Grund. "Beim Wahlkampf 2018 bekamen wir hier Zuspruch von Leuten, bei denen ich das nie gedacht hätte", sagte Müller bei der Begrüßung.

Ein erfolgreiches Jahr für die Grünen

Überhaupt wirkt der Erfolg ihrer Partei bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr bei den Würzburger Grünen noch spürbar nach. "2018 war für uns ein wunderschönes und am Schluss auch erfolgreiches Jahr", sagte die Landtagsabgeordnete Kerstin Celina. Eingeladen war in diesem Jahr wieder ein Gastredner aus dem nicht-politischen Bereich, wenn auch sein Thema  viele Anknüpfungspunkte an grüne Politik aufwies: Was hat Denkmalschutz mit Umweltschutz zu tun - dieser Frage widmete sich Architekt Felix Tannenberg aus Aub, ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Denkmalinstandhaltung.

Iris Eisenmann-Tappe vom Grünen Ortsverband Ochsenfurt.
Iris Eisenmann-Tappe vom Grünen Ortsverband Ochsenfurt. Foto: Patty Varasano

Ein Thema, das auch in Ochsenfurt Relevanz hat. Denn hier geht es, wie in vielen anderen Gemeinden, um die Frage, ob neuer Wohnraum nur zulasten der Natur entstehen kann. Am Oberen Dümmersberg, derzeit noch ein hauptsächlich landwirtschaftlich genutztes Gebiet südlich der Stadt, sollen nach dem Willen des Stadtrats Bauplätze für rund 1400 Menschen geschaffen werden.

Artenschutz ist Biotopschutz

Die Ochsenfurter Grünen betrachten das Vorhaben skeptisch, wie Iris Eisenmann-Tappe vom Ochsenfurter Ortsverband darlegte. "Die Heimat verschwindet unter Asphalt und Beton", sagte die gebürtige Schwäbin, die in ihrer Jugend miterleben musste, wie ihre Heimatstadt Stuttgart sich ausbreitete und Stück für Stück die umgebende Natur verschlang.

"Die Heimat verschwindet unter Asphalt und Beton."
Iris Eisenmann-Tappe, Grüner Ortsverband Ochsenfurt

Sie erklärte auch, weshalb sie so vehement für die Erhaltung natürlicher Flächen kämpft. Laut wissenschaftlicher Erkenntnisse sei nicht der Klimawandel das größte Problem, sondern das Artensterben. Der Erfolg der Grünen werde davon abhängen, ob die Partei wirklich Ergebnisse beim Umweltschutz werde präsentieren können. Und da Artenschutz grundsätzlich über Biotopschutz funktioniere, stehe am Ende der Bemühungen auch wieder der Klimaschutz. Es sei, so Eisenmann-Tappe, eben nicht bedeutungslos, wenn die kaum sichtbare Ödlandschrecke aus der Region verschwinde. "Dann fehlt ein Stück Heimat."

Architekt Felix Tannenberg war als Gastredner eingeladen.
Architekt Felix Tannenberg war als Gastredner eingeladen. Foto: Patty Varasano

Andere für Wohnzwecke geeignete, erschlossene Flächen seien ja vorhanden, argumentierte sie. An dieser Stelle kommt das Thema Denkmalschutz ins Spiel. Alte, oft denkmalgeschützte Häuser in den Ortsmitten wollen hergerichtet und bewohnt werden. Doch die Angst vor langwierigen Auseinandersetzungen mit der Denkmalschutzbehörde schreckt viele Bauwillige ab. "Die Bauherren betrachten das, was der Denkmalschutz bei Altbauten fordert, als restriktiv", sagte Eisenmann-Tappe. Das weiß auch der Ochsenfurter Bürgermeister Peter Juks. In seiner Ansprache forderte er eine Entbürokratisierung beim Denkmalschutz und Erleichterungen bei der Genehmigung.

Man muss sich in das Denkmal verlieben

Architekt Felix Tannenberg hält die Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde für gar nicht so anstrengend, wie viele wohl befürchten. Seine Erfahrungen haben ihn gelehrt: Wer die Regeln beachtet, wer flexibel denkt und bereit ist, ein bisschen zu "puzzeln", der kann viel erreichen. "Denkmalschutz bedeutet nicht den Rückbau zur Renaissance", sagte Tannenberg, der beeindruckende Vorher-Nachher-Fotos einiger seiner Projekte mitgebracht hatte.

Peter Juks, Bürgermeister der Stadt Ochsenfurt.
Peter Juks, Bürgermeister der Stadt Ochsenfurt. Foto: Patty Varasano

Zu einer gelungenen und für alle Seiten befriedigenden Altbausanierung gehört seiner Meinung nach aber mehr als der Wille, eine heruntergekommene Hofstelle in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. "Man muss sich in das Haus verlieben", sagte Tannenberg. "Man muss sich qualitätvoll damit auseinandersetzen." Dann sprudle meist auch die gar nicht so dürftige staatliche Förderung. Und das alte Haus bleibt ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit, da es weiterverwendet und -entwickelt wird.

Rund 130 Menschen besuchten am Freitag den Jahresempfang der Grünen in der Aula der Realschule in Ochsenfurt.
Rund 130 Menschen besuchten am Freitag den Jahresempfang der Grünen in der Aula der Realschule in Ochsenfurt. Foto: Patty Varasano

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