Würzburg

Newstar-Suche: Warum Unbekannte ins Würzburger Bockshorn dürfen

Drei Abende, sechs junge Kabarettisten und Comedians. Seit fast 15 Jahren geben die Bockshorn- Chefs die Bühne frei für den Nachwuchs. Warum - und wer kommt diesmal?
Jedes Jahr wieder auf der Suche nach Senkrechtstartern mit Potential: Monika Wagner-Repiscus und Mathias Repiscus laden zum Kabarett-Newstar-Festival. Foto: Theresa Müller

Hildebrand seit langem tot, Schramm vor Jahren schon zurückgetreten, Pispers inzwischen in Rente und Priol und Pelzig . . . nun ja, auch nicht mehr die Allerjüngsten. In Würzburg sorgen zwei Leute dafür, dass man zum Lachen trotzdem noch in den Keller gehen kann. Seit fast 15 Jahren schon, genau: seit 2005, tun sie was gegen eine drohende Lücke im Kabarett. Und bitten alljährlich im Herbst den Nachwuchs auf die Bühne im Kulturspeicher-Keller. Newstar-Festival nennen Mathias Repiscus und Monika Wagner-Repiscus ihr Dreitagesprogramm für Neulinge - oder solche, die auf dem Weg sind zum Star?

Für die Bockshorn-Chefs trotz des organisatorischen Aufwands und der Mühe, dafür zu werben, eine Selbstverständlichkeit: Bereits ihrer Sommerhäuser Zeit - vor dem Umzug in den Kulturspeicher 2005 - förderten sie bekanntermaßen gerne junge Talente. Michael Mittermeier zum Beispiel - und eben Urban Priol, mit dem Mathias Repiscus einige Programme inszenierte. In Würzburg wollten die Bühnenbetreiber das dann institutionalisieren: also ein Newstar-Festival! Das Ziel? Leuten, "die noch nie auf der Bockshorn-Bühne standen, die Möglichkeit zur Präsentation und damit ein Sprungbrett zu bieten". 

"Ohne Inhalte geht nichts!"
Mathias Repiscus über den Unterschied von Kabarett und Comedy 

Wie sie die Leute entdecken, die auftreten dürfen? Kann man sich bewerben? "Nur ganz vereinzelt" würden sie Direktbewerbungen von Comedians erhalten, sagt Monika Wagner-Repiscus. "In den meisten Fällen sind sie bereits bei Agenturen unter Vertrag. Über die erhalten wir Anschauungsmaterial." Die Auslese der Künstler, die letztlich den Ansprüchen des Regisseurs Mathias Repiscus genügen müssen? "Enorm zeitraubend." Den besten Eindruck würden sie aber immer noch erhalten, wenn sie unterwegs sind und die Möglichkeit haben, den Akteur irgendwo live auf der Bühne zu sehen. 

Die Kabarett-Szene zur Zeit? "Vielseitig!", sagt Mathias Repiscus. Und sie sei "dem gesellschaftlichen Wandel entsprechend tendenziell mehr und mehr interkulturell". Was der Bühnenleiter seit längerem beobachtet: "Viele junge Künstler bewegen sich vorwiegend in den entsprechenden TV-Comedy-Foren." Ihr Programm hat oft nicht mehr als zehn, 15 Minuten Spieldauer: "Was für uns bedeutet, gut zu recherchieren. Nach dem Festival-Kurzauftritt heißt es nämlich später: Das ganze Programm bitte!"

Die Richtungsänderung von Kabarett zu Comedy hat schon vor Jahren begonnen: "Seit die Politiker mehr und mehr zu Kabarettisten mutieren, lichtet sich gegenläufig das Völkchen der veritablen Politkabarettisten", sagt Repiscus. "Dabei ist es nicht unwichtig zu unterscheiden zwischen tagesaktuellem und politisch-gesellschaftlich relevantem Kabarett, in dem keine Namedrop-Häme Platz hat." Und was Comedy betrifft: "Nicht anders zu bewerten als Kabarett. Ohne Inhalte geht nichts." Aber klar, das Publikum will "auch mit einer witzigen, pointierten Performance unterhalten werden."

Newstar 2009: Hannes Ringlstetter kam vor zehn Jahren als Unbekannter ins Bockshorn. Foto: Konzertagentur Friedrich

Beim Newstar-Festival treten die ausgewählten Senkrechtstarter übrigens absichtlich nicht gegeneinander an. Den Bockshorn-Chefs geht es bewusst nicht um einen Wettstreit. Auch, weil das Ausscheidungsprinzip und die Wahl durchs Publikum bei den Künstlern nicht gerade beliebt ist: "Die vielen privaten Unterhaltungen mit Kabarettisten haben uns darin bestärkt, die jungen Comedians nicht gegeneinander antreten zu lassen", sagt Monika Wagner-Repiscus. "Und wir wollten auf die beinahe unübersichtliche Masse an Kabarettpreisen nicht noch einen draufsetzen."

Newstar von 2007: Matthias Egersdörfer ist inzwischen sogar "Tatort"-bekannt.  Foto: Theresa Müller

Lohnt es sich' dann überhaupt? Wie viele, die im Bockshorn als Frischling anfingen, wurden in den letzten Jahren schon Stars? "Der Erfolg gibt uns Recht", meint Mathias Repiscus: "Viele Newstars dürfen inzwischen echte Stars genannt werden: Max Uthoff, Tobias Mann, Christoph Sieber, Hannes Ringlstetter, Matthias Egersdörfer, Maxi Schafroth, Heinrich del Core, Ulan & Bator, Simon & Jan, Martin Frank . . ."

Newstar 2008: Vor elf Jahren war Tobias Mann als Neuling im Bockshorn, inzwischen macht er großes Fernsehen und ist preisgekrönt.  Foto: Daniel Karmann

Ansporn und Bürde für die sechs, die von 6. bis 8. November im Bockshorn ins Scheinwerferlicht treten: Den Auftakt machen am Mittwoch Helene Bockhorst und Lisa Kos. Am Donnerstag sind Sven Garrecht und Nikita Miller an der Reihe. Sebastian Lehmann und Tino Bomelino sind am Freitag dran. Der Förderverein Bockshorn präsentiert die drei Abende, HG Butzko moderiert.    

Und der Geheimtipp der Festival-Macher? Die Repiscus geben sich diplomatisch: "Alle sechs!"   

Kabarett-Newstar-Festival im Würzburger Bockshorn von Mittwoch bis Freitag, 6. bis 8. November, jeweils 20.15 Uhr. Karten gibt es im Bockshorn, im "Neuen Weg" und bei Schöningh für zehn Euro (Schüler/Studenten sieben Euro), das Drei-Tages-Ticket kostet 25 Euro. Reservierung und Infos: (0931) 460 60 66, www.bockshorn.de 

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