WÜRZBURG

Notfallseelsorger betreuen Fahrgäste

Notfallseelsorger betreuen Fahrgäste, die vom Amoklauf betroffen waren. Foto: Achim Muth

Dort, wo sonst Würzburgs Bundesliga-Basketballer ihre Körbe werfen, wimmelt es am späten Montagabend vor Einsatzkräften. Blaulicht. Scheinwerferlicht. Polizeifahrzeuge stehen vor der s.Oliver-Arena, der Platz vor der Halle ist zugeparkt mit Rettungsfahrzeugen.

Psychologische Betreuung dutzender Fahrgäste

Nach der schrecklichen Bluttat eines 17-jährigen Afghanen in einem Regionalzug auf der Fahrt nach Würzburg mit drei Schwer- und einem Leichtverletzten ist in der Halle nahe der Würzburger Feggrube das Rettungszentrum installiert worden. Rund zwei Dutzend Fahrgäste des Zuges, die nicht körperlich verletzt worden waren, werden in der Arena psychologisch betreut, der Eingang wird von Polizisten gesichert. Gegen 21.30 Uhr sind die Rettungskräfte von Rotem Kreuz, Malteser und Johanniter alarmiert worden, berichtet Pressesprecherin Christina Gold vor Ort.

Routiniert läuft das Krisenmanagement der Helfer ab, die Kette funktioniert reibungslos. Am Ende werden 63 ehrenamtliche Helfer rund um die Halle im Einsatz sein, um die Fahrgäste zu betreuen. Im Dienst vor Ort sind dazu fünf Notfallseelsorger, darunter auch der Generalvikar des Bistums Würzburg, Thomas Kessler. Sie kümmern sich um die Ängste und Nöte der Betroffenen, spenden Trost.

Bewegende Szenen vor der s.Oliver Arena

Immer wieder fahren Angehörige vor, sie werden von Polizisten oder Rettungshelfern in die Halle geführt. Christina Gold schildert die Situation unter den Betroffenen als „den Umständen entsprechend“, die Lage sei angespannt, aber ruhig. Gegen 0.15 Uhr wird eine mobile Feldküche der Einsatzkräfte aufgebaut. Es gibt eine warme Gulaschsuppe für die teils traumatisierten Fahrgäste, aber auch für die Helfer, die seit Stunden im Einsatz sind.

In der s.Oliver Arena wurde nach dem gestrigen Amoklauf ein Rettungszentrum errichtet. Foto: Achim Muth
Es sind bewegende Szenen, die sich in der Nacht vor der Halle abspielen: Eltern, die ihre Kinder in die Arme schließen. Reisende, die neben ihrem Rollkoffer stehen, eine Zigarette rauchen und denen die schrecklichen Geschehnisse aus dem Zug irgendwie ins Gesicht geschrieben stehen. Sie wollen einfach nach Hause. Einige der Betroffenen werden von Angehörigen abgeholt, andere von Taxis. Gegen 1.15 Uhr wird der Einsatz an der s.Oliver-Arena langsam zurückgefahren, „wir bleiben aber vor Ort, bis auch der letzte Betroffene abgeholt wurde“, sagt Christina Gold von den Maltesern. 

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