OCHSENFURT

Notlazarett auf dem Parkplatz

Erste Zuflucht Parkplatz: An einer Sammelstelle werden Verletzte, die Feuerwehrleute aus dem Ärztehaus gerettet haben, von einem Arzt und Sanitätern untersucht, erstversorgt und registriert. Foto: KLAUS L. STÄCK

Fotoserie

Großübung

zur Fotoansicht
„Achtung, Achtung! Wegen einer technischen Störung bitten wir Sie, das Gebäude auf dem kürzesten Weg zu verlassen. Benutzen Sie keine Aufzüge!“ – Eingebettet in Sirenensignale ertönt im MainÄrztehaus immer wieder die gleiche Ansage aus dem Lautsprecher. Sie ist die erste Reaktion nach Ausbruch eines Feuers.

Eine groß angelegte Rettungsaktion folgt. Ein Brand im Keller hüllt den gesamten Gebäudekomplex in dichten Rauch. In allen Geschossen ist mit Verletzten zu rechnen. Zum Glück nur eine Übung – für die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Sanitätsdienst war das gestellte Szenario dennoch in Art und Umfang bislang einzigartig.

Acht Feuerwehren aus Ochsenfurt, seinen Stadtteilen und der Nachbargemeinde Frickenhausen rücken an. Den ersten eintreffenden Führungskräften wird einiges abverlangt, um sich einen Eindruck von der Lage zu verschaffen und ihre Kräfte zielgerichtet einzusetzen. Dem Feuerwehreinsatzleiter, Kreisbrandinspektor Alois Schimmer, stehen drei Landkreis-Führungskräfte als Abschnittsleiter zur Seite. Gebraucht werden vor allem Atemschutzgeräteträger. Denn in dem Gebäude sind insgesamt 25 Menschen zu retten, leicht und schwer Verletzte, auch frisch operierte Intensivpatienten.

Immer wieder schieben sich die Glieder der Ochsenfurter Drehleiter nach oben, an deren Korb eine Krankentrage befestigt ist. Doch den größeren Teil der zu Rettenden bringen Feuerwehrleute auf Tragen oder in Rettungsdecken mühevoll über mehrere Etagen die Treppen hinunter, teils über verlegte Schlauchleitungen hinweg.

Derweil geht draußen das Heulen der Signalhörner weiter. Neben roten kommen immer mehr weiße und elfenbeinfarbene Blaulichtfahrzeuge an. Weil das Unglück mit einem „Massenanfall von Verletzten“ – so der Fachjargon – verbunden ist, wurden Sondereinheiten des Sanitätsdienstes alarmiert, nämlich die Schnelleinsatzgruppen „Transport“ und „Behandlung“ vom Malteser Hilfsdienst aus Würzburg und Estenfeld mit rund 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Die Verletzten kommen zunächst auf einen Sammelplatz unter freiem Himmel, wo sie von Sanitätshelfern und einem Arzt untersucht werden und die Erstversorgung erhalten. Zur Registrierung bekommen die Patienten Nummern auf die Hände gemalt und Kärtchen angehängt. Die Verwaltungsarbeit ist fast genauso umfangreich wie die medizinische.

In einem roten Zelt, das in Sekunden durch Pressluft aufgerichtet ist, werden Behandlungsplätze aufgebaut. Unter einem kleinen Pavillon ist eine Registrierstelle eingerichtet, die schwerer verletzte Patienten zur erneuten Sortierung durchlaufen, bevor sie von Helfern in einen Lkw gebracht werden, der sich inzwischen in ein Feldlazarett verwandelt hat.

Dort erhalten die Patienten beispielsweise Infusionen und bleiben so lange, bis sie nach und nach mit Rettungswagen in Kliniken gefahren werden können. Dies geht noch weiter, als der Brand bereits gelöscht ist und die Feuerwehren ihre Schläuche wieder aufrollen.

Nebenbei wird Löschwassversorgung aus den Hydranten einem Härtetest unterzogen. Die sei gut, sagt Alois Schimmer. Ebenso wie Schimmer wünscht sich der Einsatzleiter des Rettungsdienstes, Andreas König, weitere solche Übungen. Denn die Sanitäter hätten andere Aufgabenschwerpunkte als die Feuerwehr. Das gegenseitige Verständnis und Abstimmung sei daher wichtig.

Den Dank der Nutzer und Mieter des Ärztehauses sprach Angelika Pfeiffer, Assistentin der Geschäftsleitung der Mainärzte GmbH den Helfern aus. Dem Dank schlossen sich Landtagsabgeordneter Manfred Ländner und Bürgermeister Rainer Friedrich an, die die Übung ebenfalls beobachtet hatten.

Großaufgebot: Den Einsatz bei einem Brand mit vielen Verletzten übten Feuerwehren und Sanitätsdienst im MainÄrztehaus in Ochsenfurt. Foto: K. STÄCK

Schlagworte

  • Elitetruppen
  • Feuerwehren
  • Lautsprecher
  • Manfred Ländner
  • Rainer Friedrich
  • Sanitätsdienste
  • Störungen und Störfälle
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!