Würzburg

OB-Wahl: Jetzt ist der grüne Kandidat offiziell am Start

Bei der Aufstellungsversammlung der Grünen bekam OB-Bewerber Martin Heilig ein Traumergebnis. Vorher hatte er gezeigt, dass er die spontane Debatte beherrscht.
Blumen und einen Kompass für den Bewerber: Barbara Lehrieder, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, beglückwünscht Martin Heilig zur Nominierung als OB-Kandidat der Grünen. Hinten links Co-Fraktionschef Matthias Pilz.
Blumen und einen Kompass für den Bewerber: Barbara Lehrieder, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, beglückwünscht Martin Heilig zur Nominierung als OB-Kandidat der Grünen. Hinten links Co-Fraktionschef Matthias Pilz. Foto: Fabian Gebert

Am Ende hakt es dann doch kurz bei der Technik. Eigentlich soll noch ein Werbevideo für Martin Heilig über die Leinwand flimmern, doch ein fehlendes Kabel lässt den Bildschirm blind bleiben. 

Es ist der einzige Schönheitsfehler, den es am Donnerstagabend in den Barockhäusern in der Neubaustraße gibt. Die offizielle Nominierung von Martin Heilig zum grünen OB-Kandidaten für Würzburg läuft wie am Schnürchen, und nach gut anderthalb Stunden sieht man auch dem Bewerber die Erleichterung an. Mit 40 von 41 Stimmen heben ihn die anwesenden Parteimitglieder als ihren Kandidaten aufs Schild. Nach dem Überraschungserfolg von Patrick Friedl im vergangenen Oktober bei der Landtagswahl wollen die Würzburger Grünen nun das Chefzimmer im  Rathaus erobern und rechnen sich gute Chancen aus.

Fotoserie

OB-Wahl - Nominierungsversammlung der Grünen

zur Fotoansicht

Auf dem Kandidaten ruhen Hoffnungen und Erwartungen zugleich

Auf dem 43-jährigen studierten Pädagogen Martin Heilig ruhen damit nicht nur die Hoffnungen, sondern auch die Erwartungen der grünen Basis. "Ein grüner OB ist möglich in Würzburg", sagt die Kreisvorsitzende Christa Grötsch. So viel ist klar: Die Grünen spielen nicht auf Platz, sondern auf Sieg. 

"Ein grüner OB ist möglich in Würzburg."
Christa Grötsch, Kreisvorsitzende Würzburg-Stadt

Heilig, der sich den Slogan "Anpacken. Für Würzburg." gegeben hat, setzt in seiner Bewerbungsrede zunächst auf Tiefenentspannung. "Ich möchte dich einladen zu einer kleinen Reise. Wenn du magst, schließ deine Augen oder lass vor deinem inneren Auge folgende Szene entstehen." Die Szene spielt am "QR-Code-Platz", also in der Eichhornstraße, nur dass in Heiligs kleiner Zukunftsreise ins Jahr 2032 dort Brunnen plätschern und viel Grün wächst: "Ihr atmet frei, weil die Luft sich sauber anfühlt, und es riecht nach Grün und blühenden Blumen." 

Psychedelisch angehauchte Rede und grüne Kernthemen

Ein träumender OB-Kandidat? Das vielleicht auch. Doch die psychedelisch angehauchte Rede ist ein Arbeitsprogramm. Punkt für Punkt arbeitet Heilig die grünen Kernthemen ab. Im Rad durch die Stadt? Macht Spaß. Warum? Weil Radfahrer Vorfahrt haben und ein grüner OB "gleich nach seiner Wahl 2020" Radbrücken auf den Weg gebracht hat. Polizeirazzien gegen Jugendliche? Gibt es nicht. "Junge Menschen dürfen sich genauso wie ältere an den schönen Orten dieser Stadt aufhalten, ohne Konsumzwang." 

Und dann – natürlich – der ÖPNV. In Heiligs Gedankenreise kommt "kaum noch jemand auf die Idee, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren". Warum? Die Verbindungen "auch von weit draußen im Landkreis" sind so gut geworden, dass sich die Frage nicht stellt. Und Samstag fährt man ohnehin kostenlos. "Seid ihr dabei?" ruft Heilig in den Saal. Na klar doch, signalisiert der Applaus. 

Heilig sieht eine Re-Politisierung unter den Menschen

Wirkte die Bewerbungsrede hier und da ein wenig bemüht, so zeigt Heilig bei den Fragen aus dem Publikum, was er aus früheren Wahlkämpfen, zuletzt 2017 als Direktkandidat für den Bundestag, gut beherrscht: die spontane Debatte. "Dafür bin ich auch schon ein paar Jahre in der Politik, dass ich auch mit Polemik und mit Angriffen umgehen kann", sagt er auf eine Frage, in der es um den bevorstehenden Wahlkampf geht. "Ich liebe es, am Infostand zu stehen und mit den Leuten zu erörtern, was möglich ist und was nicht." Heilig spricht von einer Re-Politisierung der Menschen, die er bemerkt habe: "Da gibt es eine neue Ernsthaftigkeit, gerade auch bei den Jüngeren. Die merken: Es ist ernst, es geht nicht so weiter."

Gegen eine Verbotskultur in der Stadt

Die eigene Parteijugend ist am Donnerstagabend jedenfalls gut vertreten. "Welche Ideen hast du für die Jugend in Würzburg, dass der ganze Laden hier noch ein Stück bunter und lebenswerter wird?", fragt ein junger Mann. Damit steht unausgesprochen die Hafenrazzia vom März im Raum, ein Vorgang, den Heilig in einem Kontext sieht, "Jugendlichen den Spaß zu verderben" und eine Verbotskultur einzuführen: "So was müssen wir unbedingt umdrehen!"

Wie er im Falle seiner Wahl mit der Verwaltung arbeiten will? Motivation sei wichtig, das wisse er aus seinem eigenen Beruf als Lehrer: "Es gibt ja Oberlehrer, und es gibt, glaube ich, auch ein paar ganz gute Lehrerinnen und Lehrer. Und ich glaube, dass ich zu dem zweiten Teil gehöre. Andererseits muss es auch eine klare Haltung und klare Ziele geben."

Bevor Heilig als Rathauschef die Ziele vorgeben kann, muss er allerdings erst noch die Würzburger von sich und seinem Programm überzeugen. Einer, der das geschafft hat, ist da aber schon mal sehr zuversichtlich. Patrick Friedl, der seit Oktober 2018 das Landtags-Direktmandat für die Grünen hält, gibt den Sound vor: "Wir werden die Stadt rocken, so wie wir sie bei der Landtagswahl gerockt haben!"

Rückblick

  1. Drei Fragen an: Engelbert Zobel
  2. Nach der Wahl: Drei Fragen an Alois Fischer
  3. Drei Fragen an Konrad Schlier
  4. Wie ein 19-jähriger Student in Oberfranken Bürgermeister wurde
  5. Kommentar: Warum das Parteibuch allein in der Kommunalpolitik nicht reicht
  6. Historischer Wahlsonntag: Die Ergebnisse aus Unterfranken
  7. Liveticker: So liefen die Stichwahlen in der Region
  8. Kommentar: Warum Stichwahlen trotz Corona-Krise richtig sind
  9. Herrmann: Stichwahlen in Bayern sind vertretbar und notwendig
  10. Stichwahlen: Wer wird Landrat in Würzburg und Main-Spessart?
  11. Trotz Corona: Stichwahl-Ergebnisse noch am Wahlabend geplant
  12. Kolumne zur Wahl: Wenn die halbe Familie Bürgermeister ist
  13. Trotz Corona-Sperren: Stichwahlen finden statt
  14. Kommentar: Ein Dienstleister muss seinen Kunden kennen
  15. Unmut in Kommunen nach Problemen mit neuer Wahl-Software
  16. Entscheidung in Unterfranken: Hier sind am 29. März Stichwahlen
  17. Gewinner und Verlierer: 9 Wahl-Überraschungen in Unterfranken
  18. Software ließ so manchen Wahlhelfer verzweifeln
  19. Wilde Wahl in Breitbrunn und 73 Prozent für den Mann von Dorothee Bär
  20. Wahl in Unterfranken: Welche Lehren die Parteien ziehen können
  21. Stichwahlen nur per Brief: Wahllokale bleiben dicht
  22. So hat Unterfranken gewählt: Ein guter Tag für Amtsinhaber
  23. In Würzburg und Schweinfurt: Run auf die Briefwahl-Unterlagen
  24. Kommentar: Wer sich am Sonntag zur Wahl stellt, verdient Hochachtung
  25. Kommunalwahl in Unterfranken: Wo es am Sonntag spannend wird
  26. Angst vor Corona: So klappt es noch mit der Briefwahl
  27. Pro & Contra: Sollen Verwandte gemeinsam im Gemeinderat sitzen?
  28. Wahl: Warum Mutter und Sohn für den Stadtrat kandidieren
  29. CSU hält an umstrittenem Kandidaten in der Rhön fest
  30. Pro & Contra: Zu viele Berufspolitiker bei der Kommunalwahl?
  31. Umstrittener CSU-Kandidat in Oberleichtersbach: Parteispitze drückt sich
  32. Wahl in Unterfranken: Gute Aussichten für  CSU und Grüne
  33. Bürgermeister und Abgeordneter: Wie kann das funktionieren?
  34. Trotz Coronavirus: Kommunalwahl findet statt
  35. Kommunalwahl: Braucht es die Altersgrenze für Bürgermeister?
  36. Kommunalwahl: Sollen 14-jährige Schüler wählen dürfen?
  37. Das sind die häufigsten Fehler bei der Briefwahl
  38. Kolumne zur Wahl: Wenn der Kandidat morgens an der Haustür klingelt
  39. Kommunalwahl 2020: Tausende Wähler wollen Kandidaten in Unterfranken live erleben
  40. Trotz Politisierung: Warum nur wenige junge Leute in die Kommunalpolitik gehen
  41. Podiumsdiskussionen in Höchberg und Lohr
  42. Dieser Bürgermeister ist bald der dienstälteste in Mainfranken
  43. Friedel Link: Dienstältester Bürgermeister in Mainfranken: Bleibt er 42 Jahre im Amt?
  44. Kolumne: Wenn CSU-Funktionäre brechen müssen
  45. Kommunalwahl: So füllen Sie die Stimmzettel richtig aus
  46. Kolumne zur Wahl: Tritt die SPD wieder mit Rosenthal an?
  47. Was passiert, wenn auf dem Stimmzettel kein Kandidat steht
  48. Live: Wahlforen in Schweinfurt, Bad Neustadt und Dettelbach
  49. Oberbürgermeisterwahl 2020: Wer kandidiert in Schweinfurt?
  50. Czygan wählt: Wo der Stadtratskandidat für seine Kneipen wirbt

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Torsten Schleicher
  • Deutscher Bundestag
  • Kommunalwahlen
  • Landtagswahlen
  • Lehrerinnen und Lehrer
  • Oberlehrerinnen und -lehrer
  • Patrick Friedl
  • Polemik
  • Politische Kandidaten
  • Polizeirazzien
  • Radfahrer
  • Schönheitsfehler
  • Städte
  • Wahlkampf
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
21 21
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!