WÜRZBURG

OB will ein kleines Mozarteum entstehen lassen

Beim Festakt mit Ludwig Spaenle in der Musikhochschule mit Hochschulsinfonieorchester. Foto: Kiefer

Starke Töne klangen in der Hofstallstraße zum Jubiläum der Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg 1947. Am Sonntagabend fielen Worte über Studenten als wesentliche Stützen der Kulturstadt und über die Zukunft des Mozartgymnasiums. Da schmetterten Trompeten, flitzte ein Bogen über den Kontrabass und ein Finne sang im Walzertakt „Mei, mei, mei – in Würzburg!“ Fast hätte er das Publikum zum Schunkeln animiert.

Ludwig Spaenle, bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, blickte in seiner Festrede „voll Respekt auf die Leistung des Hauses“ und auf die Gesamtgeschichte: Ende des 18. Jahrhunderts als Collegium gegründet, nach der Auflösung des Fürstbistums 1804 in die Uni eingegliedert, 1875 als königliche Musikschule selbstständig geworden und 1945 am Bruderhof komplett ausgebrannt mit allen Instrumenten, Noten, Büchern und historischen Dokumenten. Zwei Jahre danach wurde der Lehrbetrieb in diversen Notunterkünften wiederaufgenommen.

In jüngster Zeit konnte die Hochschule für Musik, die bei diesem Festakt im Großen Saal oft kurz „HfM“ genannt wurde, in einer Art Exzellenzinitiative zusätzliches Geld ergattern. Obwohl inzwischen auf drei Häuser (Hofstallstraße, Residenzplatz, Bibrastraße) ausgeweitet, leidet die HfM Raumnot. Würzburger Diskussionen über die Herrichtung des früheren Mozartgymnasiums kannte Spaenle. Schließlich ist „der Ruf der ruhmreichen Immobilie bis nach München“ gedrungen.

Das kulturelle Leben geprägt

Oberbürgermeister Christian Schuchardt wurde genauer: Die Hufeisenflügel „bieten sich an“ für eine gemeinsame Nutzung durch die Musikhochschule und die Sing- und Musikschule. Er wolle sich „mit aller Kraft“ einsetzen, dass hier „ein kleines Mozarteum entsteht“: Mit 300 Beschäftigten ist die HfM für Schuchardt auch ein bedeutender Arbeitgeber in der Stadt, mit 250 öffentlichen Veranstaltung im Jahr präge die Schule wie keine andere Institution das kulturelle Leben Würzburgs.

Auch wenn die alten Archivalien verbrannt sind, sammelten sich in 70 Jahren genug Akten an, um den heutigen HfM-Präsidenten Prof. Bernd Clausen bei der Lektüre „demütig“ zu machen. Einige der gefundenen „Schätze“ bilden im Foyer des Großen Saals eine Ausstellung.

Die beste Präsentation der Hochschule gelang indes akustisch. Zum Festakt reiste als Ehemaliger der Kontrabassist Nabil Shehata an, der unter anderem erster Solist bei den Berliner Philharmonikern war. Mit dem Studentenorchester legte er ein bravouröses Bottesini-Konzert hin.

Konzertwoche zum Geburtstag

Die Jazz-Abteilung des Hauses zeigte sich in den Schulbetrieb integriert. Bigband-Leiter Marko Lackner dirigierte die sinfonischen junge Kollegen plus Jazzband zu einer zehnminütigen Beatles-Bearbeitung. Zur Zugabe übernahm der Orchesterchef Ari Rasilainen wieder den Stab – und bald auch das Mikrofon.

Der Finne schmetterte Tom Jones' Schlager „Delilah“ in den Saal, die letzten Silben zu einer Hommage an seine Wahlheimat umgedichtet: „Mei, mei, mei – in Würzburg!“ Leicht perplex bat Prof. Clausen danach zum geselligen Empfangteil.

Die Hochschule für Musik feiert ihren Geburtstag mit einer Konzertwoche in allen drei Gebäuden, z.B. an diesem Dienstag, 4. April, mit Star-Absolvent Michael Wollny (19.30 Uhr) und am Freitag, 7. April, als Koproduktion mit dem Mainfranken Theater (18 Uhr), beides in der Hofstallstraße. Weitere Infos: www.hfm-wuerzburg.de

Schlagworte

  • Würzburg
  • Joachim Fildhaut
  • Christian Schuchardt
  • Hochschule für Musik
  • Ludwig Spaenle
  • Michael Wollny
  • Musikhochschulen
  • Tom Jones
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!