WÜRZBURG

Oberer Marktplatz: Neues Gesicht ohne Sitzwarzen

Neue Ansichten: Die geplante Umgestaltung am oberen Markt mit Bänken und gläsernem Aufzug am Häckerbrunnen vor dem geplanten Geschäftshaus.
Neue Ansichten: Die geplante Umgestaltung am oberen Markt mit Bänken und gläsernem Aufzug am Häckerbrunnen vor dem geplanten Geschäftshaus. Foto: Visualisierung: 3D Betrieb/Stadt Würzburg

Abgesägte Bäume, ein Häckerbrunnen vor dem Umzug und eine ab diesem Freitag geschlossene Zufahrt zur Marktgarage in der Eichhornstraße – viel Aufregung rund um den oberen Marktplatz. Dort hat das Gartenamt jetzt die Bäume in den vier „Sitzwarzen“ abgesägt, was den CSU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Schmitt, als er davon hörte, auf die Palme brachte. Schmitt vermutete, das seien bereits Vorarbeiten für die geplante Umgestaltung rund um den Häckerbrunnen, die die Stadträte aber noch nicht beschlossen haben. Das Thema steht im Bauausschuss noch an.

Rathaussprecher Christian Weiß dementierte, dass schon vor dem Beschluss der Stadträte gewerkelt wurde: „Die Kugelahorn-Bäume waren krank, die hätten wir nicht retten können.“ Zudem sei es eilig gewesen. Wegen der Baumschutzverordnung mussten die Bäume bis 28. Februar gefällt werden, sonst hätte man bis Herbst warten müssen. Bis dahin soll die Umgestaltung des oberen Marktes mit einem neuen Zugang zur Tiefgarage bereits fertig sein – geht es nach Wolfgang Fey, zuständiger Projektleiter im Baureferat. Auslöser der Neugestaltung ist die Verlegung der Marktgaragenzufahrt von der Eichhornstraße, die Fußgängerzone werden soll, in die Martinstraße in das neue Freiersche Geschäftshaus. Die längere Zufahrt erfordert aus Brandschutzgründen ein neues Treppenhaus und wegen der Barrierefreiheit einen Aufzug zur Marktgarage.

Ursprünglich war daran gedacht, dieses im neuen Geschäftshaus zu integrieren. Doch wegen Brandschutzauflagen müsste man einen eigenen rund 50 Meter langen Fußgängertunnel unter die Straßenbahngleise der Schönbornstraße zur Marktgarage bauen. „Das würde allein rund 300 000 bis 400 000 Euro kosten“ schätzt Fey. Deshalb favorisiert die Verwaltung, den neuen Aufzug mit gläserner Kuppel samt Treppenhaus auf dem oberen Marktplatz zu bauen. Kostenpunkt: rund 600 000 Euro. Ähnlich teuer käme das Treppenhaus im Geschäftshaus. Der Standort am Marktplatz hat dieser Variante gegenüber den Vorteil, dass dort beide Untergeschosse der Tiefgarage zu erreichen sind.

Im Zuge dieser Planung muss der Häckerbrunnen ein Stück in Richtung Platzmitte verschoben werden. Zudem sollen die vier Sitzwarzen Sitzbänken weichen, umsäumt von vier Bäumen in Pflanztrögen. „Das abbaubare Mobiliar bringt mehr Flexibilität bei Veranstaltungen“, nennt Fey einen Vorteil der Neugestaltung.

Tiefgaragenzufahrt schließt

Diese war schon vor über drei Jahren angedacht, wurde dann aber verworfen, weil man sie nach Möglichkeit gleichzeitig mit der Deckensanierung der Marktgarage vornehmen wollte. Wann die auf über zwei Millionen Euro kalkulierte Erneuerung der Abdichtung finanzierbar ist, ist laut Fey aber noch nicht absehbar. Wegen der neuen Garagenzufahrt könne man mit der Umgestaltung nicht warten.

Und diese stößt bei Denkmalschützern schon auf heftigen Widerstand. Willi Dürrnagel, Vorsitzender des Verschönerungsvereins und CSU-Stadtrat, beklagt in einer Pressemitteilung, die geplante Umgestaltung „würde nach dem Forum-Gebäude einen weiteren Teil des Marktplatzes verunstalten“. Suse Schmuck von der Reitberger-Stiftung möchte die Sitzrondelle – „ein liebenswürdiges Zeugnis des gelungenen Versuchs, den oberen Markt einladend zu gestalten“ – am liebsten erhalten.

Dürrnagel fragt, ob überhaupt ein weiteres Treppenhaus nötig sei und ob der Aufzug nicht an der bereits bestehenden Treppe zur Tiefgarage am „Völk“-Haus eingebaut werden könne. Laut Fey kommt diese Variante wegen zu langer Fluchtwege im Brandfall nicht in Frage.

Die Behauptung von Dürrnagel, die ganze Planung soll an diesem Donnerstag im Hauptausschuss und im anschließenden Stadtrat in nichtöffentlicher Runde behandelt werden, dementiert Rathaussprecher Weiß. Nichtöffentlich gehe es allein um Vertragsverhandlungen, unter anderem mit dem Marktgaragenbesitzer. Die Pläne zu Neugestaltung werde der Bauausschuss am 12. März öffentlich beraten.

Zuvor müssen sich die Autofahrer umgewöhnen: Ab diesem Freitag wird die Marktgarageneinfahrt in der Eichhornstraße gesperrt. Eine Zufahrt ist nur über die Karmelitenstraße möglich – bis voraussichtlich August. Dann sollen die über 500 Stellplätze auch über die Martinstraße angefahren werden können.

Die Bäume an den Sitzrondellen wurden abgesägt.
Die Bäume an den Sitzrondellen wurden abgesägt. Foto: Norbert Schwarzott

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