Ochsenfurt

Ochsenfurt: Alte Leuchten aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Jahrzehntelang lagen sie ungenutzt im Palatium: Jetzt kommen die geschnitzten Lüsterleuchten des Ochsenfurter Künstlers Willi Freund im Stadtarchiv zu neuen Ehren.
Die geschnitzten Lüsterleuchten des Ochsenfurter Künstlers Willi Freund wurden aus dem Palatium ins neue Stadtarchiv gebracht. Foto: Claudia Schuhmann

Sicher ist sicher: So in etwa lautet die Begründung für die Überführung von vier geschnitzten Lüsterleuchten aus dem Ochsenfurter Palatium ins neue Stadtarchiv in der Hauptstraße. Rosa Behon (CSU), die derzeit in Vertretung des erkrankten ersten Bürgermeisters Peter Juks (UWG) die Amtsgeschäfte führt, hat die Aktion in die Wege geleitet. "Derzeit weiß noch niemand, wie es mit dem Palatium weitergeht, deswegen wollten wir die Sachen rechtzeitig sichern", sagt Rosa Behon beim Pressetermin, an dem auch Stadtarchivar Peter Wesselowsky teilnimmt. Bei einer Besichtigung des Palatiums mit der Frauenunion waren der zweiten Bürgermeisterin die Leuchten aufgefallen.

Die Leuchten kommen an die Decke im Stadtarchiv

Im Stadtarchiv lagern jetzt, um das nagelneue Parkett zu schonen, auf einem alten Teppich die vier großen Leuchten. Demnächst sollen sie an ihren massiven Ketten an der Decke angebracht werden. Was das für Objekte sind, weiß Peter Wesselowsky. "Es gab in Ochsenfurt den Künstler Willi Freund", erzählt der Stadtarchivar. Der habe vor allem Bilder gemalt, viele mit Ochsenfurter Stadtansichten, aber auch geschnitzt. "Zum Beispiel die Figur des Schmieds von Ochsenfurt auf dem Kanonenrad, das im Sitzungssaal des Rathauses hängt."

Willi Freund hat auch die Stühle angefertigt, die im Sitzungssal des Palatiums standen. Foto: Claudia Schuhmann

Willi Freund hat aber noch mehr gemacht. Unter anderem die schönen Stühle, die im Sitzungssaal des Palatiums standen, als dort noch das Landratsamt des Landkreises Ochsenfurt residierte. Für jede Gemeinde gab es einen Stuhl mit dem eingeschnitzten Ortsnamen in der Rückenlehne. Die Stühle der Ortschaften, die heute zu Ochsenfurt gehören, wurden ins Stadtarchiv gebracht, um im Lesesaal als Sitzgelegenheiten zu dienen. "Die anderen werden den jeweiligen Gemeinden zur Verfügung gestellt", erklärt Wesselowsky. "Die damaligen Gemeinden habe sie mit ihrer Kreisumlage ja auch finanziert."

"Die Leuchten sind ein Dokument der Wirtschaft im früheren Landkreis Ochsenfurt."
Peter Wesselowsky, Stadtarchivar

Noch aufwändiger als die Stühle sind die vier Lüsterleuchten gearbeitet. Sie zeigen einen Winzer, einen Bauern, einen Fischer und einen Steinmetz. "Die Leuchten sind ein Dokument der Wirtschaft im früheren Landkreis Ochsenfurt", sagt der Stadtarchivar. So sei etwa die Fischerei am Main eines der ältesten Gewerbe der Gegend gewesen. Der Weinbau spielte selbstredend eine herausragende Rolle, ebenso wie die Landwirtschaft im Ochsenfurter Gau. Und zahlreiche Steinbrüche, etwa in Goßmannsdorf, Sommerhausen oder Frickenhausen, machten auch das Steinmetzhandwerk zu einem bedeutenden Gewerbezweig.

Stadtarchivar Peter Wesselowsky und die zweite Bürgermeisterin Rosa Behon mit den Lüsterleuchten. Foto: Claudia Schuhmann

Sowohl die Lüsterleuchten als auch die Stühle waren nach der Gebietsreform im Jahr 1972 in das Eigentum des Landkreises Würzburg übergegangen. Mit dem Landratsamt sei die Übergabe unkompliziert vereinbart worden, sagt Rosa Behon. Die Leuchten wurden der Stadt Ochsenfurt kostenlos überlassen. Mitarbeiter des Bauhofs hatten sie ins Archiv gebracht, wo die aus dem Jahr 1952 stammenden Leuchten jetzt auf ihre Montage an den schweren Deckenbalken warten. Vorher haben sie allerdings noch eine Reinigung vor sich. "Da ist noch der Originalstaub drauf", vermutet der Stadtarchivar. Jahrzehntelang lagerten Stühle wie Leuchten ungenutzt im Palatium.

Als Beleuchtung nicht mehr geeignet

Dass die Deckenbalken die nicht eben leichtgewichtigen Leuchten werden tragen können, ist für Peter Wesselowsky überhaupt keine Frage. Seit der Einweihung des Gebäudes in der Hauptstraße im Jahr 1525 hätten die Balken ihre Arbeit anstandslos verrichtet. "Sie sind ungefähr im Jahr 900 gewachsen, die halten", schmunzelt Wesselowsky. Lediglich ihre Funktion als Lampen werden die Leuchten nicht erfüllen; sie dienen rein zu Dekorationszwecken. Denn für die Beleuchtung in Einrichtungen wie Archiven gibt es spezielle Vorgaben, die ein paar trübfunzelige Glühbirnen heute ganz sicher nicht mehr erfüllen.

Das Palatium befindet sich im Eigentum des Freistaats Bayern. Der Torbau, in dem sich bis zum Umzug in die Hauptstraße auch das Stadtarchiv befand, gehört der Stadt Ochsenfurt. Was mit dem historischen Gebäudekomplex geschehen soll, steht derzeit noch nicht fest. Der Stadtrat denkt aber darüber nach, auch das Palatium zu erwerben, weil es als Ausweichquartier für die Verwaltung während der anstehenden Sanierung des Rathauses in Betracht käme.

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