Ochsenfurt

Ochsenfurt: Wie die Parteien die Stadtratswahl bewerten

Die SPD verliert einen Sitz, die Grünen gewinnen einen hinzu. Sonst hat sich wenig verändert an den Machtverhältnissen im Ochsenfurter Rathaus.
An den politischen Verhältnisse im Ochsenfurter Rathaus hat die Stadtratswahl am Sonntag wenig verändert.
An den politischen Verhältnisse im Ochsenfurter Rathaus hat die Stadtratswahl am Sonntag wenig verändert. Foto: Gerhard Meißner

An den Machtverhältnissen im Ochsenfurter Stadtrat hat die Kommunalwahl wenig verändert. CSU und UWG liegen auch weiterhin mit jeweils acht der 24 Sitze gleichauf. Die SPD muss zugunsten von Bündnis 90/Die Grünen einen Sitz abgeben und verliert damit bereits zum zweiten Mal in Folge an politischem Einfluss.

Dass SPD-Fraktionssprecher Bert Eitschberger am Vormittag nach der Wahl etwas übermüdet wirkt, liegt nicht am Wahlergebnis, sondern an der langen Nacht, die er mit dem Auszählen der Briefwahlstimmen verbracht hat. Aus seiner Enttäuschung über den Wahlausgang macht er hingegen keinen Hehl. "Ich bin schon stark enttäuscht, ich hätte mir für Joachim Eck ein besseres Ergebnis erwartet", sagt er. Dass die SPD zudem einen Sitz einbüßen muss, sei umso schmerzhafter.

Dass die Partei mit vielen jungen Kandidaten auf vorderen Listenplätzen angetreten war, das sei vom Wähler nicht honoriert worden, stellt Eitschberger ernüchtert fest. Mit ihrem Engagement und ihren Ideen hätten die Jungen den Wahlkampf sehr bereichert. "Ich hoffe, dass sie bei der Stange bleiben." Neben Eitschberger haben es Volkmar Halbleib, Joachim Eck, Ingrid Stryjski und Tilo Hemmert wieder in den Stadtrat geschafft. Herbert Gransitzki muss sich mit dem Platz als erster Nachrücker vor dem früheren Fraktionssprecher Anton Gernert begnügen.

"Ich habe es schon immer als unanständig empfunden, als unterlegene Fraktion eine Empfehlung auszusprechen."
Bert Eitschberger, SPD-Fraktionssprecher

Eine Frage, die viele SPD-Wähler beschäftigt, wird sein, wie sich die Partei zu den anstehenden Stichwahlen zwischen Peter Juks (UWG) und Rosa Behon (CSU) verhält. Bert Eitschberger hat dazu persönlich eine klare Meinung: "Ich habe es schon immer als unanständig empfunden, als unterlegene Fraktion eine Empfehlung auszusprechen."

Konsequenzen für die weitere Stadtratsarbeit will er aus dem schlechten Wahlergebnis nicht ableiten. "Wir haben eine ordentliche Sacharbeit gemacht und vieles mitgetragen, aber auch deutlich artikuliert, wenn wir anderer Meinung waren", sagt der Fraktionssprecher. Für die kommenden sechs Jahre wünscht er sich, dass der gesamte Stadtrat im Vorfeld von Entscheidungen stärker in die Diskussion mit einbezogen wird.

"Ich finde den Arbeitsstil des Bürgermeisters richtig, weil es besser vorwärts geht."
Gerold Hohe, UWG-Fraktionssprecher

In Eitschbergers Worten wird unterschwellig Kritik an der Arbeitsweise von Bürgermeister Peter Juks (UWG) laut, die UWG-Fraktionssprecher Gerold Hohe aufnimmt. Juks bereite Themen sehr intensiv vor, bevor er sie in den Stadtrat gibt, sagt Hohe. "Ich finde den Arbeitsstil des Bürgermeisters richtig, weil es besser vorwärts geht." Das zwinge andererseits aber auch die Stadträte, sich besser vorzubereiten. "Daran muss man sich erst gewöhnen", so Hohe. Die Hauptaufgabe für den neuen Stadtrat sieht er zunächst darin, die vielen angeschobenen Projekte abzuarbeiten.

Wegen der Kommunal blieb das Ochsenfurter Rathaus auch am Montag noch für den Publikumsverkehr geschlossen.
Wegen der Kommunal blieb das Ochsenfurter Rathaus auch am Montag noch für den Publikumsverkehr geschlossen. Foto: Gerhard Meißner

Neu für die UWG haben es der junge Landratskandidat Felix von Zobel und der Jungunternehmer Christian Halbig in den Stadtrat geschafft. Weiterhin mit dabei sind Barsom Aktas, Paul Hofmann, Gerold Hohe, Renate Lindner und Silas Distler. Wenn Peter Juks in zwei Wochen zum Bürgermeister gewählt wird, würde Christof Braterschofsky nachrücken. Insgesamt ist Hohe mit dem Ergebnis zufrieden, zumal der Abstand zur CSU im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren von über 2000 auf 154 Stimmen geschrumpft ist. "Das ist eine Bestätigung unserer bisherigen Arbeit."

Kein Wechsel in den Schwerpunkten

Als Wahlsiegerin darf sich Grünen-Sprecherin Britta Huber fühlen. "Ich finde es nur schade, dass wir der SPD einen Sitz abgenommen haben", sagt sie. Und sie bedauert, dass es ihr bisheriger Fraktionskollege Josef Meixner nicht mehr in den Stadtrat geschafft hat. Stattdessen wurden Iris Eisenmann-Tappe und der 29-jährige Jan Kohlhepp gewählt. Flächenverbrauch, Klimaschutz und die Anbindung der Ortsteile, sei es durch den ÖPNV oder die digitale Infrastruktur, sieht Huber auch künftig als Schwerpunkte der grünen Politik im Ochsenfurter Rathaus.

"Durch die Briefwahl kann sich noch einiges verändern, das könnte eine Chance sein."
Wolfgang Karl, CSU-Fraktionssprecher

CSU-Fraktionssprecher Wolfgang Karl ist zufrieden mit dem Wahlergebnis, macht aber keinen Hehl daraus, dass er sich insgeheim ein, zwei weitere Sitze gewünscht hatte - "aber wünschen kann man sich viel." Mit dem Zahnarzt Johannes Klinke und dem Finanzexperten Otmar Reißmann seien zwei neue Stadträte gewählt worden, die die Fraktionsarbeit auch inhaltlich bereichern, so Karl. Joachim Beck hat vom letzten Listenplatz aus das drittbeste Stimmenergebnis hinter Bürgermeisterkandidatin Rosa Behon und Wolfgang Karl erreicht. Außerdem gehören Judith Schieblon und Siegfried Scheder dem Gremium wieder an. Mit dem Hopferstadter Stefan Pohl kehrt ein früherer Stadtrat zurück. Wenn Rosa Behon zur Bürgermeisterin gewählt wird, würde die CSU-Ortsvorsitzende Christiane Brock nachrücken.

Hoffnung auf die Briefwahl

Für die CSU wird es in den kommenden beiden Wochen um die Frage gehen, wie sich der Vorsprung von Peter Juks vor Rosa Behon noch aufholen lässt. Wahlkampfveranstaltungen sind in Corona-Zeiten tabu, ebenso wie Infostände. "Wir versuchen, die Wähler über Wurfzettel und die sozialen Medien anzusprechen", sagt Wolfgang Karl. Eine leise Hoffnung setzt er dabei auf die generelle Briefwahl, die für die Stichwahl verordnet wurde. "Durch die Briefwahl kann sich noch einiges verändern, das könnte eine Chance sein." Auch für Gerold Hohe ist das Rennen um den Bürgermeistersessel noch nicht gelaufen. "Die Briefwahl macht alles etwas unberechenbarer", sagt er.

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