WÜRZBURG

Oegg-Tor-Teile bleiben wohl im Museum

Die Fotomontage zeigt:  So hat das „Oegg-Tor“ genannte Rennweger Tor einmal ausgesehen – mit den in München verwahrten Seitenteilen.
Die Fotomontage zeigt: So hat das „Oegg-Tor“ genannte Rennweger Tor einmal ausgesehen – mit den in München verwahrten Seitenteilen. Foto: montage: Peter Schlagbauer

Abgesegnet hat sie der Stadtrat – die Schließung des historischen Oegg-Tores an der Residenz im Zuge des Straßenbahnbaus. Wer nun meint, das Tor könne mit alten Gittern wieder zugemacht werden, liegt falsch: Der große Mitteltorbogen war stets frei passierbar, überwölbt vom 1751/52 geschaffenen schmiedeeisernen Kunstwerk von Hofschlosser Johann Georg Oegg (1703-1782).

Von ihm stammen auch die beiden Seitenteile des Oegg-Tores. Sie waren eingesetzt, wo heute Fußgänger links und rechts der Straße laufen. Die Gitter existieren noch, aufbewahrt werden sie seit den 1880er Jahren im Bayerischen Nationalmuseum in München. Wie das Gesamtwerk früher einmal ausgesehen hat und wie es bei Wiedereinsetzung wirken würde – dies zeigt nun Peter Schlagbauer in einer Fotomontage.

Der Senior ist Mitglied der Bürgerinitiative „Ringpark in Gefahr“, die anlässlich der Protest-Probesperrung des Oegg-Tors zur Gegenkundgebung erschienen war. Das historische Tor, so Schlagbauers Überzeugung, müsse für den Autoverkehr dicht gemacht werden, so wie es der Nahverkehrsplan schon 1995 vorsah. Schlagbauer hat in der Montage die seitlichen Tore aus dem Münchner Museum geholt und sie eingesetzt.

Ein feiner Anblick, finden auch die Freunde der Würzburger Residenz. Schlagbauer gehört auch ihnen an, wie weitere 280 Mitglieder. Der 1990 gegründete Verein hat sich nach dem Protest gegen die Sperrung zu Wort gemeldet und fordert genau diese. Die Reduzierung des Verkehrs, im Umfeld der Residenz sowie auf dem Residenzplatz, gehört zu den Gründungszielen der „Residenzfreunde“. Schon früher wollten sie das Oegg-Tor für die Durchfahrt schließen, man verwies auf schädliche Erschütterungen durch Bus- und Schwerlastverkehr. Doch die Argumente wurden als irrelevant abgetan.

Es sind vor allem konservatorische Bedenken, die die „Freunde“ zu Befürwortern einer Schließung machen. Dadurch würden die einzigartigen Kunstwerke von der Hand Johann Georg Oeggs, „die in der Welt nicht ihresgleichen haben“, besser geschützt. Leider nähmen sie derzeit permanenten Schaden durch Korrosion und Substanzverlust: So fehlt zum Beispiel seit einigen Jahren dem unteren mittleren Bogen ein Girlandenteil. Es wurde von einem Lastwagen erfasst und heruntergerissen.

„Eine Rückführung an den Rennweg nach Würzburg kommt nicht in Betracht.“

Schreiben aus dem Kunstministerium in München

Allerdings fordern die Residenzfreunde, bei der Neugestaltung der für den Durchgangsverkehr gesperrten Toranlage den Rennweg als wahrnehmbaren Weg zu erhalten. Es handele sich hierbei um eine uralte Aus-und Einfallsstraße in die Stadt, die schon lange vor der Erbauung von Rosenbachpalais und Residenz existierte. Für den Vorstand der „Freunde“ gingen nun Vorsitzender Tilmann Kossatz sowie Peter A. Süß und die Oegg-Expertin Verena Friedrich an die Öffentlichkeit.

Den direkten Weg ins Münchner Ministerium hat dagegen Main-Post-Leser Walter Mack gesucht – und ist darüber schier verzweifelt. Er fragt sich, ob sein Brief von den Ministerialen überhaupt sorgfältig gelesen wurde: „Meine Angelegenheit bezieht sich auf 'Äpfel' und ich erhalte Antworten über 'Birnen'“ schrieb er zuletzt in einem persönlichen Brief an Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch. Macks Ansinnen: Das Ministerium möge prüfen, ob die beiden Seitentore aus dem Münchner Nationalmuseum nach Würzburg, in die Ausstellungsräume der Residenz, zurückkehren könnten.

Zunächst wird sein Schreiben vom Kultus- an den Kunstminister weitergereicht. Dann wird ihm eine angeblich „erbetene Auskunft“ zur Schließung des Oegg-Tors in Aussicht gestellt. Danach hatte Mack aber nicht gefragt. Schließlich folgt eine fachliche Aussage eines Ministerialrats im Kunstministerium: Der Zustand der schmiedeeisernen Tore lasse eine Aufstellung im Freien nicht mehr zu, sie würden gerade konservatorisch überarbeitet.

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Um die Tore dauerhaft sicher zu erhalten, ist es notwendig, sie auch künftig in einem geschlossenen Raum aufzubewahren. Damit kommt eine Rückführung an den Rennweg nach Würzburg nicht in Betracht.“ Eine interessante Einschätzung, nur: Leser Walter Mack will die Tore ja nicht einhängen, sondern sie geschützt in der Würzburger Residenz ausstellen. So hatte er es geschrieben. Er mag kaum glauben, wie oberflächlich schriftliche Eingaben im Ministerium gelesen werden. Und so wartet er weiterhin darauf, auf die Frage nach einem Apfel auch einen Apfel zu bekommen.

Das historische Oegg-Tor

Zwischen Residenz und Rosenbachpalais hatte Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim aus Gründen der Symmetrie ein dem Gartentor an der Südseite der Residenz entsprechendes Pendant anbringen lassen. Die Freunde der Würzburger Residenz schreiben dazu: „Dieses bestand aus fest stehenden Seitenteilen und einer Durchfahrt, die durch einen prächtigen Gitteraufsatz bekrönt wurde. Zu diesem 1767 fertig gestellten Aufsatz existierte noch bis 1945 eine eigenhändige Entwurfszeichnung dieses genialen Meisters der Schmiedekunst (Kriegsverlust). Glücklicherweise sind alle Bestandteile dieses Oegg'schen Werkes erhalten – die Aufsätze in Würzburg, die Seitenteile im Bayerischen Nationalmuseum in München. Diese Seitenteile waren wie die Seitenteile am Gartentor fest montiert. Ursprünglich gab es also keine separaten Fußgängerdurchlässe. aj

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