Ohne Zwangsarbeiter lief in der Stadt nichts

Würzburg Im Zweiten Weltkrieg waren in Würzburg ständig zwischen 6000 und 9000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter beschäftigt. Nach jahrelanger Arbeit hat Leo H. Hahn nun ein bemerkenswertes, reich bebildertes Buch über jene Menschen vorgelegt, ohne die das Wirtschaftsleben in der Domstadt zusammengebrochen wäre.
Leo Hahns Buch über
Zwangsarbeiter       -  Leo Hahns Buch über
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene erscheint
am Samstag.
Leo Hahns Buch über Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene erscheint am Samstag. Foto: REPRO MP
Der Band mit 33 bisher unveröffentlichten Fotos trägt den Titel "Kriegsgefangene und Fremdarbeiter in Würzburg. Bei Handwerk, Handel und Industrie, bei städtischen Betrieben, der Universität, der Wehrmacht und anderen Institutionen." Das Buch ist ab Samstag, 10. Dezember, für 15,90 Euro zu haben.

 

Der Autor, der 1995 schon "Streiflichter zur Geschichte der Zellerau und der Stadt Würzburg" vorlegte, wurde 1933 geboren und hat das "Dritte Reich" somit als Kind miterlebt. Über 30 Jahre war er als technischer Angestellter bei der Mediengruppe Main-Post tätig.

Hahn hat erstmals die im Stadtarchiv liegenden Unterlagen der UN-Hilfsorganisation UNRRA ausgewertet. Das in dem Buch vorgelegte Ergebnis seiner aufwändigen Recherchen nennt er "eine ganz persönliche Betrachtung".

Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, so Leo Hahn, wurden in fast allen Wirtschaftszweigen beschäftigt. Sie nahmen die Plätze jener deutschen Männer ein, die zwischen 1939 und 1945 im Krieg waren. Laut Hahn stand die Zahl der Ausländer, die im zivilen Bereich beschäftigt waren, der Zahl der in der Industrie Arbeitenden in nichts nach.

Der Status der Ausländer war laut Hahn unterschiedlich. Franzosen, Belgier und andere westliche Zivilarbeiter konnten sich relativ frei bewegen; Menschen aus der Sowjetunion wurden dagegen fast wie Gefangene kaserniert und bewacht. 33 noch nie veröffentlichte Fotos aus dem Jahr 1942 zeigen anschaulich, wie Zwangsarbeiter und Gefangene untergebracht waren.

Hahn: "Die Vorgaben der Nationalsozialisten und der Wehrmacht waren für einzelne Gruppen fast schon tödlich, wie zum Beispiel für sowjetische Kriegsgefangene." Nach der Befreiung soll es zu Racheakten gekommen sein, die aber nach Ansicht des Autors nicht nachzuprüfen sind. Hahn: "Man sprach von einem getöteten Lagerführer im Neuen Hafen, von einem Schusswechsel in der Faulenberg-Kaserne und von Unternehmern, die sich in den ersten Tagen nach dem Krieg versteckt haben sollen."





Das Buch (ISBN 3-00-017731-0) gibt
es ab Samstag im Würzburger
Buchhandel oder bei Leo Hahn,
Weißenburgstraße 35 a, 97082
Würzburg, Tel. (09 31) 41 29 95.

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